Heidenheim / Silja Kummer Trotz Dauerregens folgten viele junge Demonstranten dem Aufruf von Organisatorin Anna Prasser und forderten die Politik zum Handeln auf.

Es war keine Schönwetterdemonstration und der Klimawandel zeigte sich auch nicht von seiner wärmsten Seite: Am Freitag gingen bei neun Grad und strömendem Regen nach übereinstimmenden Schätzungen von Polizei und Veranstaltern rund 800 vorwiegend junge Menschen auf die Straße, um für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens zu demonstrieren.

Der Schulstreik unter dem Motto „Fridays for Future“, den die schwedische Schülerin Greta Thunberg ins Leben gerufen hat, fand zum ersten Mal auch in Heidenheim statt.

„Wir sind hier, wir sind laut . . .“

Beim weltweiten Aktionstag waren die Heidenheimer Schüler Teil einer Bewegung, die in 123 Ländern und 2010 Städten Demonstrationen auf die Beine gestellt hatte. Die jungen Menschen versammelten sich am Bahnhof und zogen mit Plakaten, Sprechchören und Regenschirmen zunächst fast eineinhalb Stunden lang auf verschiedenen Straßen durch die Innenstadt.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, war beispielsweise ein Schlachtruf, mit dem sie auch Passanten auf sich aufmerksam machten. Zur Kundgebung vor dem Rathaus schrumpfte die Gruppe merklich auf rund 300 Teilnehmer, die bis dahin aber auch schon stark durchnässt waren.

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Überwältigt zeigte sich Organisatorin Anna Prasser: „Ich habe im Januar 50 Teilnehmer angemeldet und gehofft, dass ich nicht allein dastehe“, sagte die 23-Jährige. Nun hofft sie auf organisatorische Unterstützung für weitere Streiks in Heidenheim. Insbesondere beim europaweiten Streik am 24. Mai fände sie es gut, wenn auch Heidenheim wieder dabei wäre.

Prasser hat auch die „Fridays for Future“-Demonstrationen in Stuttgart mitorganisiert und brachte davon sichtlich Erfahrung mit. Der Ablauf der Großveranstaltung war reibungslos, laut Polizei gab es keinerlei Zwischenfälle.

Bei den kurzen Reden von mehreren Teilnehmern war zu spüren, dass die jungen Menschen wütend sind: „Wenn Frau Merkel sagt, sie findet gut, was wir machen, dann soll sie doch auch endlich etwas tun“, rief Tobias ins Mikrophon. Er machte aber auch deutlich, dass die Verantwortung nicht nur bei der Politik, sondern auch bei jedem Einzelnen liegt: „Werde Vegetarier, hört auf zu fliegen, nehmt Bahn und Bus und vermeidet Plastikmüll“, forderte er die Demonstranten auf.

Ein Kommentar von Silja Kummer zum Schulstreik fürs Kilma.

Schmelzende Gletscher

Der Auszubildende Florian, der für die Demonstration seine Mittagspause nutzte, erinnerte daran, dass Gletscher schmelzen, Wälder brennen und der Meeresspiegel steigt. „Daran merken wir, dass der Klimawandel real ist“, sagte er. Klimakonferenzen gebe es schon seit 1979 und es habe sich noch immer nichts getan.

„Wir stehen hier, weil wir etwas verändern wollen, und nicht, weil wir die Schule schwänzen wollen“, rief er den Demonstranten zu. „Wir wollen, dass unsere Kinder auch noch eine Schule besuchen können und sich nicht nur mit dem Kampf ums Überleben beschäftigen müssen.“

Bildergalerie Schüler demonstrieren für den Klimaschutz