Heidenheim / Michael Brendel Jede Menge Papier: Ehe am 25. Mai 2014 ein neuer Gemeinderat bestimmt wurde, musste sich jeder Wahlberechtigte in Heidenheim zunächst einmal durch knapp 0,3 Quadratmeter geballte Information kämpfen.

66 mal 41,5 Zentimeter: Auf diese Gesamtfläche brachten es nämlich die sechs Stimmzettel, das erläuternde Merkblatt nicht eingerechnet. Kein Wunder folglich, dass der apricotfarbene Bogen als Fahne bezeichnet wurde. Immerhin hätten 65 davon ausgereicht, um ein komplettes Fußballtor zu verhängen.

Schwierige Handhabung

Nicht nur die schiere Dimension erschwerte die Handhabung bei der inhaltlich ohnehin schon komplizierten Vergabe der Stimmen. Hinzu kam, dass sich die einzelnen Bestandteile bei mehrmaligem Hin- und Herblättern entlang der perforierten Linien leicht voneinander lösten, was die Angelegenheit noch diffiziler machte.

In gut eineinhalb Wochen, am 26. Mai, wird wieder ein Gemeinderat gewählt, und diesmal dürfte der Papierkram deutlich einfacher zu bewältigen sein. Die einzelnen Wahlvorschläge (CDU, SPD, Grüne, Freie Wähler, Linke, DKP, AfD, FDP) sind jetzt hintereinander in einem orangen Block zusammengefasst, der es nur noch auf ein rundes Fünftel der ursprünglichen Fläche bringt: 38 mal 15,5 Zentimeter. Macht bei acht Stimmzetteln also 4712 Quadratzentimeter demokratische Mitwirkungsmöglichkeit. Hinzu kommt ein einleitendes Merkblatt.

Kosten etwas höher

Die Neuerung bringt zwar etwas höhere Kosten mit sich, im Vordergrund steht aber laut Christina Abele, der Leiterin des Geschäftsbereichs Allgemeine, zentrale Verwaltungsaufgaben im Rathaus, der komfortablere Umgang: „Man braucht deutlich weniger Platz zum Auseinanderfalten und kann die einzelnen Teile leichter heraustrennen.“

Zupass kommt das all jenen, die von der Möglichkeit des Panaschierens, also des Verteilens der Stimmen auf Kandidaten unterschiedlicher Wahlvorschläge, Gebrauch machen wollen. Dadurch ist es zum Beispiel möglich, Bewerber handschriftlich auf einem der Stimmzettel zusammenzufassen und dadurch deren schlussendlich in der Wahlurne landende Zahl deutlich zu verringern.

Stimmzettel per Post

Bereits Anfang des Monats wurden die Wahlbenachrichtigungen verschickt, im Laufe dieser Woche sollen die noch ausstehenden Stimmzettel folgen. Wer keine entsprechende Post erhält, jedoch der Ansicht ist, wahlberechtigt zu sein, kann sich bei der Stadtverwaltung melden. Fragen beantwortet Christina Abele, Tel. 07321.327-2200, E-Mail: christina.abele@heidenheim.de.

Abele rät, sich zunächst das Merkblatt aufmerksam durchzulesen, „denn die Kommunalwahl ist keine ganz einfache Angelegenheit“, anschließend die Stimmzettel auszufüllen und diese dann am 26. Mai mitzubringen. Kein Beinbruch wäre es allerdings, sollte jemand seine Unterlagen zu Hause vergessen: Im Wahllokal gibt’s bei Bedarf neue Stimmzettel.

Kreistagswahl wie gehabt

Alles beim Alten bleibt organisatorisch unterdessen bei der Kreistagswahl. Acht Stimmzettel und ein Merkblatt ergeben eine in Grün gehaltene Fahne gewohnten Zuschnitts, 90 mal 40 Zentimeter groß.

Alt und Neu finden am Wahltag zusammen: Im Wahllokal müssen alle Stimmzettel für die Kommunalwahl – also Gemeinderats-, Ortschaftsrats- und Kreistagswahl – gemeinsam in einen lachsfarbenen Umschlag gesteckt und dann in eine dafür vorgesehene Wahlurne geworfen werden.

40 Vorschläge, eine Stimme

Eine separate ist für die Stimmzettel zur Europawahl vorgesehen, die nicht versandt, sondern erst im Wahllokal ausgegeben werden. Auch ihre Abmessungen sind mit 95,5 mal 21 Zentimetern durchaus beachtlich. Beim Ausfüllen ist jedoch nicht viel falsch zu machen: Zur Festlegung auf einen der 40 Wahlvorschläge hat jeder Wahlberechtigte nur eine Stimme.

Selfies aus der Wahlkabine sind verboten

Am Wahlabend wird direkt in den Wahllokalen zunächst die Europawahl ausgezählt. Mit der Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses ist nicht vor 21 Uhr zu rechnen.

Die Urnen mit den Stimmzetteln für die Kommunalwahl werden nach Schließung der Wahllokale ins Rathaus gebracht. Dort erfolgt anschließend die Auszählung der Kreistagswahl. Das Ergebnis steht erst zu später Stunde fest. Noch länger dauert es, bis die künftige Zusammensetzung des Gemeinderats und der Ortschaftsräte bekannt ist: Öffentlich ausgezählt wird erst ab Montagvormittag. Ein Aushang mit den Büros im Heidenheimer Rathaus, in dem es an diesem Montag keinen regulären Dienstbetrieb gibt, befindet sich im Foyer. Der Emil-Ortlieb-Saal ist ab 9.30 Uhr Schauplatz einer fortlaufend aktualisierten Ergebnispräsentation.

In Heidenheim gibt es in diesem Jahr 36 Wahlbezirke, nachdem es bislang 35 gewesen waren. Grund ist die Wohnbebauung auf dem Ploucquet-Areal. Hinzu kommen neun Briefwahlbezirke (bisher sieben).

Schlechte Zeiten im Übrigen für Influencer und Selbstdarsteller: Das Filmen und Fotografieren in der Wahlkabine ist für Private schon seit der jüngsten Bundestagswahl gesetzlich verboten. bren