Heidenheim 35 Millionen Euro für sauberes Wasser

Die beiden Eindicker, auf die Fachbereichsleiter Gerhard Horlacher zeigt, und die dahinterliegenden zwei Faultürme stammen aus den 1960er-Jahren und müssen komplett erneuert werden.
Die beiden Eindicker, auf die Fachbereichsleiter Gerhard Horlacher zeigt, und die dahinterliegenden zwei Faultürme stammen aus den 1960er-Jahren und müssen komplett erneuert werden. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Silja Kummer 09.11.2018
Der Gemeinderat hat die ersten Arbeiten zur Sanierung der veralteten Kläranlage in Mergelstetten vergeben. Insgesamt werden in eine bessere Klärung des Abwassers rund 35 Millionen Euro investiert.

Die braune Brühe, die aus dem Kanalnetz der Stadt in die Kläranlage einläuft, riecht. Und zwar ziemlich streng. „Das ist noch gar nichts gegen den Gestank, der entstehen würde, wenn man das Abwasser unkontrolliert faulen lassen würde“, sagt Gerhard Horlacher, Fachbereichsleiter Bauen bei der Stadtverwaltung. „Wir würden uns die Lebensgrundlage nehmen, wenn wir das Abwasser ungeklärt in die Brenz einleiten würden“, erläutert er die Bedeutung der Kläranlage in Mergelstetten, in die nicht nur das Abwasser der Stadt Heidenheim, sondern auch die Kanalinhalte aus Herbrechtingen und Gerstetten fließen.

Neue Faultürme werden gebaut

Da die Kläranlage dringend saniert werden muss, hat der Gemeinderat schon im vergangenen Jahr die grundsätzliche Zustimmung für umfangreiche Arbeiten gegeben.

Erneuert werden müssen zwei Bereiche: Die beiden Verdicker und die zwei Faultürme sind in die Jahre gekommen. Die Bauwerke sind mehr als 50 Jahre alt. Technik und Elektrik sind nicht mehr zeitgemäß und die Wärmedämmung der Gebäude sei so schlecht, dass bei kalten Wintertemperaturen die erforderliche Innentemperatur von 35 Grad kaum gehalten werden könne.

Problematisch ist auch, dass in den Türmen der Klärschlamm ohne Sauerstoff fault, die geschlossenen Räume also nicht betreten werden können. Da die Kläranlage permanent in Betrieb ist, kann man weder Wartungspausen machen noch darauf warten, bis ein Teil der komplizierten Klärkette ausfällt.

Deshalb sollen zwei neue Faultürme und ein Verdicker gebaut werden, die auf einer Freifläche neben der bisherigen Anlage stehen. Wenn die neuen Gebäude fertig sind, gehen sie in Betrieb und die Vorgänger können abgerissen werden. Insgesamt sind dafür 5,6 Millionen Euro eingeplant. Laut Horlacher könnte sich die Summe aber auch noch erhöhen, weil die Baupreise gestiegen seien. Baubeginn soll im Frühjahr 2019 sein.

Tropfkörper kommen weg

Weitaus teurer und komplizierter ist die zweite Baustelle, die es auf dem Gelände der Kläranlage gibt. Weil im Wasser, das aus der Anlage ausgeleitet wird, erhöhte Stickstoff-Werte festgestellt werden, soll die Tropfkörpertechnologie durch ein einstufiges Belebungsverfahren ersetzt werden.

„Die Tropfkörper können kostengünstiger sein, deshalb hat man Ende der 1990er-Jahre diese Technologie gewählt“, berichtet Horlacher. Mittlerweile merke man aber, dass man mit dieser Technik immer wieder Probleme habe. Bei dem neuen Verfahren, mit dem man in Zukunft arbeiten will, werde Sauerstoff in das Belebungsbecken eingeleitet. „Das kann man wesentlich besser steuern“, sagt Horlacher. Der im Wasser unerwünschte Stickstoff ist ein Eiweiß-Baustein und stammt hauptsächlich aus menschlichen Ausscheidungen, die sich im Abwasser befinden.

In einer Machbarkeitsstudie wurde der Kostenrahmen für das neue Belebungsverfahren auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Das am Donnerstag im Gemeinderat beauftragte Ingenieurbüro wird nun den Umbau konkret planen. Das dauert laut Horlacher ungefähr ein Jahr. Danach beginnt ein Genehmigungsverfahren, bei dem das Regierungspräsidium die vorgesetzte Behörde ist. Auch dafür rechnet Horlacher mit ungefähr einem Jahr. Erst danach wird der Umbau tatsächlich in die Umsetzung gehen.

Spurenstoffe und Mikroplastik

Die Verschmutzung, die man im in die Kläranlage eingeleiteten Wasser vorfindet, hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. „Der industrielle Anteil am Abwasser ist geringer geworden“, sagt Horlacher. Früher habe beispielsweise der Textilbetrieb Ploucquet nach dem Bedrucken von Stoffen auch Farbe ins Abwasser geleitet. „In den 1980er-Jahren war die Brenz oft bunt“, erinnert sich der Fachbereichsleiter. Auch metallverarbeitende Betriebe, der Schlachthof oder die Molkerei haben spezielle Verschmutzungen ins Abwasser eingeleitet.

Die Probleme der Zukunft sind hingegen neben Phosphor Mikroplastikteile, die etwa in Kosmetika enthalten sind, und kleinste Spurenstoffe, die beispielsweise aus Pflanzenschutzmitteln, Industrie- und Haushaltschemikalien oder Weichmacher stammen. „Das wäre ein Thema, wenn die aktuelle Sanierung abgeschlossen ist“, sagt Horlacher. Momentan würde eine solche Reinigung zwar gefördert, sei aber noch nicht gesetzlicher Standard. „Wir können aber nicht alles gleichzeitig machen“, so Horlacher.

Diese Firmen wurden beauftragt:

Der Gemeinderat hat gestern die Arbeiten für den Neubau der Faultürme vergeben. Die Roh-, Tief- und Straßenbauarbeiten leistet die Firma Hubert Schmid für rund 2,5 Millionen Euro. Die maschinentechnische Ausrüstung kommt von der Firma August und Jean Hilpert GmbH aus Nürnberg für rund 339 000 Euro. Auch die Elektroarbeiten sind vergeben worden und zwar an die Firma Elektro Jerg aus Aalen für rund 395 000 Euro.

Mit der Planung des Umbaus für ein einstufiges Belebungsverfahren (statt der bisherigen Tropfkörpertechnik) wurde das Büro Weber-Ingenieure aus Pforzheim betraut. Für die Objektplanung bis zur Leistungsphase 4 werden 671 000 Euro fällig. Wenn das Büro auch mit den übrigen Leistungsphasen beauftragt werden sollte, ergibt sich ein Gesamtauftrag von rund 1,7 Millionen Euro. Insgesamt hatten sich fünf Büros für die Arbeiten beworben.

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