Heidenheim 230 Meter hohe Windräder an A7 wurden genehmigt

Südlich grenzend an Nattheim soll in einem Waldstück an der A7 (ungefähre Lage) der Windpark mit neun Windkraftanlagen entstehen.
Südlich grenzend an Nattheim soll in einem Waldstück an der A7 (ungefähre Lage) der Windpark mit neun Windkraftanlagen entstehen. © Foto: Geyer-Luftbild/ape
Heidenheim / Andreas Uitz 16.07.2018
An der Autobahn sollen neun Windkraftanlagen auf Heidenheimer und Nattheimer Gemarkung gebaut werden. Sie sind 230 Meter hoch, die Investition beläuft sich auf 60 Millionen Euro.

Sie sind deutlich höher als alle anderen Windräder, die es in der Gegend gibt und ihre Technologie ist noch relativ neu. Mit einer Nabenhöhe von 159Metern und einer Gesamthöhe von 230 Metern werden die Anlagen, die auf Heidenheimer und Nattheimer Gemarkung geplant sind, sehr hoch aufragen und sichtbar sein, denn allein die Rotoren haben einen Durchmesser von 141 Metern.

Verfahren dauerte lange

Schon im Dezember 2013 haben die Stadtwerke Heidenheim den Zuschlag für den Bau des Windparks erhalten, der auf der Konzentrationsfläche liegt, die südlich an Nattheim und im Norden und Osten an die Bebauung von Rotensohl, Kleinkuchen und Großkuchen grenzt. Jetzt wurde vom Landratsamt nach eineinhalbjährigem Prozedere die imissionsschutzrechtliche Genehmigung für den Bau und den Betrieb des Windparks erteilt.

Wie das Landratsamt in einer Pressemitteilung erläutert, waren im Rahmen des Genehmigungsverfahrens umfangreiche Stellungnahmen von beteiligten Fachbehörden und Kommunen zu berücksichtigen und zu bewerten. „Die Prüfung des Genehmigungsantrags durch das Landratsamt in seiner Funktion als untere Immissionsschutzbehörde hat ergeben, dass die Genehmigungsvoraussetzungen für das Vorhaben vorliegen“, heißt es in der Mitteilung.

Um den Windpark zu bauen, sind die Stadtwerke Heidenheim eine Kooperation mit dem Windenergieanlagen-Hersteller Enercon eingegangen. Das Unternehmen hält die Projektrechte beim Bau des Windparks, der Betrieb soll durch Enercon, Stadtwerke und weitere Partner erfolgen. Wie die beiden Unternehmen in einer Pressemitteilung erklären, werden die neun Anlagen vom Typ Enercon E-141 mit einer Nennleistung von je 4200Kilowatt errichtet. Zusammen sollen sie jährlich 81 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren, das entspreche einem Bedarf von 27000Haushalten. „In Summe können so jährlich rund 77500Tonnen CO2 im Vergleich zur Stromerzeugung in einem Braunkohlekraftwerk eingespart werden“, teilen die Partner mit.

Geplant ist, die neun gigantischen Windräder in einem zusammenhängenden Waldgebiet an der A7 zu errichten, das vom Regionalverband als Vorranggebiet für Windkraftanlagen ausgewiesen ist. Die Anlagen sind technisch noch relativ neu und speziell für windschwache Standorte ausgelegt. Dem Hersteller zufolge sorgen die hohe Nabenhöhe und der vergrößerte Rotordurchmesser für eine Steigerung des Energieertrags: Während der Windatlas Baden-Württemberg für die Fläche an der A7 auf 140 Meter Höhe eine mittlere Windgeschwindigkeit zwischen 5,75 und 6,25 Metern pro Sekunde ausweist, steigert sich die Geschwindigkeit am selben Standort auf 160 Metern Höhe auf 6 bis 6,5 Meter pro Sekunde.

60 Millionen Euro Kosten

Trotz ihrer Größe sollen die Anlagen einigermaßen leise arbeiten. Erreicht wird das durch eine neue Technologie, bei der die Rotoren mit gezackten Kanten versehen sind. Die gleichen Windkraftanlagen sollen auch bei Neuselhalden gebaut werden, hier sind jedoch aktuell nur zwei in Planung.

Rund 60 Millionen Euro werden die Kooperationspartner in den Windpark investieren. Ausgeschrieben werden soll die Anlage am 1. August. Ein konkreter Baubeginn oder ein Zeitpunkt der Inbetriebnahme kann nach Angaben der Stadtwerke noch nicht genannt werden.

Partner ist der größte deutsche Windanlagenhersteller

Als weltweit führend bezeichnet sich der Windenergieanlagen-Hersteller Enercon aus Aurich (Ostfriesland). In Deutschland ist die GmbH der größte Hersteller von Windenergieanlagen. Weltweit hat das Unternehmen seit Gründung 1984 nach eigenen Angaben mehr als 26500 Onshore-Windenergieanlagen installiert. Das entspricht einer Leistung von weltweit mehr als 43,5 Gigawatt. Im Offshore-Bereich ist das Unternehmen nicht tätig.

An der A 7 baut Enercon derzeit zusammen mit der Wind Energien GmbH den Windpark Ellwanger Berge. Dort entstehen zehn Hybridtürme mit 149 Meter Nabenhöhe, die eine Leistung von mehr als 20 Gigawatt erreichen sollen. Neue Dimensionen erreicht die Firma Enercon mit dem Windrad E-141EP4, das 230 Meter hoch aufragt. Es soll nicht nur im Windpark Nattheim, sondern etwa auch in Hambergen bei Bremen, in Gerichstetten bei Tauberbischofsheim oder im Arnsberger Wald bei Soest und bei Gnannenweiler gebaut werden. Zum Teil wehren sich Bürgerinitiativen an verschiedenen Orten gegen den neuen Typ von Windanlagen.

Die Windräder der Firma Enercon gelten nach einem Bericht des Wirtschaftsmagazins Brand eins zu den teuersten, aber auch zu den besten. Das Erfolgsrezept des Unternehmens wird beschrieben mit „Technologieführerschaft, umfassender Service und Dezentralität.“

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