Heidenheim 2030 ist jeder Vierte über 65: Wer übernimmt die Pflege?

Es fehlen Dauerpflegeplätze in den Heimen. Wie viele es definitiv sind, hängt von verschiedenen Entwicklungen wie etwa dem Entstehen von Wohngemeinschaften für Senioren ab.
Es fehlen Dauerpflegeplätze in den Heimen. Wie viele es definitiv sind, hängt von verschiedenen Entwicklungen wie etwa dem Entstehen von Wohngemeinschaften für Senioren ab. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Günter Trittner 03.09.2018
Im Jahr 2030 wird jeder vierte Mensch im Landkreis über 65 Jahre alt sein. 8834 Menschen werden über 80 Jahre alt sein, 2300 sogar über 90 Jahre. Wer pflegt all diese Menschen?

Auf diesen statistischen Prognosen fußt die Kreisseniorenplanung im Landkreis, welche auch den Bereich der Pflege einschließt.

Als im Juni die Kreispflegeplanung im zuständigen Ausschuss des Kreistags vorgestellt worden war, hatte deren Autorin Dr. Alexandra Klein, Mitarbeiterin des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, den lokalen Akteuren erhebliche Anstrengungen in Aussicht gestellt, um eine bedarfsgerechte Versorgung aller Bürger zu sichern. Minimal werden im Landkreis 2030 bei einem voraussichtlichen Bestand von 1415 Dauerpflegeplätzen in 21 Einrichtungen noch 163 Pflegebetten fehlen, maximal sogar 458.

Nur noch Einzelzimmer

Dabei ist von Klein eingerechnet, dass die bestehenden Heime, um den Anforderungen der Landesheimbauverordnung zu genügen, von Doppelzimmer auf Einzelzimmer umstellen. Die tatsächliche Höhe des Fehlbedarfs wird laut Ansicht der Fachfrau davon abhängen, ob sich neue Formen der pflegerischen Unterstützung wie etwa Wohngemeinschaften von Senioren entwickeln und wie sie angenommen werden.

Die Voraussagen für Tages- und Kurzzeitpflege gelten als methodisch etwas schwieriger, doch Erfahrungswerte aus der Vergangenheit legen nahe, dass auch hier die Nachfrage steigen wird. So wurden landesweit laut Pflegestatistik zwischen 2013 und 2015 25 Prozent mehr Tagesangebote gebucht. Die Möglichkeit, Tages-, Nacht- oder Kurzzeitpflege nutzen zu können, wird für Klein ebenso wie die neuen Pflege- und Betreuungsformen mit ausschlaggebend für die noch erforderliche Menge stationärer Dauerplätze in den Heimen sein.

Beitrag der ambulanten Dienste

Einen enorm wichtigen Beitrag zur Versorgung der Menschen leisteten auch die ambulanten Dienste. 21 davon gibt es im Landkreis. Diese haben Ende vergangenen Jahres 1652 Kunden betreut, was laut Kreispflegeplan etwa der Größenordnung des Vorjahres entspricht: 82 Prozent der versorgten Personen über 75 Jahre alt, rund 50 Prozent über 80 Jahre.

In der Altersstruktur gibt es durchaus Unterschiede in den elf Kommunen im Landkreis. So hat etwa die Große Kreisstadt Heidenheim einen leicht höheren Anteil von Menschen unter 40 Jahren, während in Königsbronn bereits im Jahr 2016 jeder vierte Einwohner über 65 Jahre alt war.

In Dischingen und Steinheim wiederum wird die Zahl der über 80-Jährigen sogar geringfügig abnehmen, während diese Altersgruppe in Niederstotzingen gleich um 24 Prozent zunehmen wird. In den übrigen Gemeinden wird die Gruppe der über 80-Jährigen bis 2030 zwischen 10 und 20 Prozent zunehmen, Gerstetten bleibt mit plus sechs Prozent darunter.

Dass Heidenheim ein Landkreis mit vergleichsweise alter Bevölkerung ist, hat zur Folge, dass hier auch häufiger Pflegebedürftigkeit eintritt. Das Ausmaß indes scheint bemerkenswert. Denn zwischen den Jahren 2001 und 2015 ist die Zahl der Pflegebedürftigen um fast 70 Prozent gestiegen. Die Rate im Land lag bei durchschnittlich 56 Prozent.

Drei Viertel der pflegebedürftigen Menschen sind älter als 75 Jahre. Laut Pflegestatistik 2015 waren zu diesem Zeitpunkt im Landkreis 1301 Menschen in einem Pflegeheim untergebracht, 819 in ambulanter Pflege und 2262 bezogen Pflegegeld. In Relation zur Bevölkerung betrug die Pflegequote im Landkreis 3,4 Prozent. Im Land lag sie bei 3,0 Prozent.

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