Asyl 2017 kamen 224 neue Asylbewerber in den Landkreis Heidenheim

Drei von 224 Flüchtlingen, die im vergangenen Jahr im Kreis Heidenheim angekommen sind: Vorläufige Heimat dieser Kinder wurde das Integrationszentrum im Haintal, das derzeit mit rund 100 Personen belegt ist. Andere Gemeinschaftsunterkünfte konnten bereits geschlossen werden.
Drei von 224 Flüchtlingen, die im vergangenen Jahr im Kreis Heidenheim angekommen sind: Vorläufige Heimat dieser Kinder wurde das Integrationszentrum im Haintal, das derzeit mit rund 100 Personen belegt ist. Andere Gemeinschaftsunterkünfte konnten bereits geschlossen werden. © Foto: Christian Thumm
Erwin Bachmann 08.01.2018
Deutlich weniger Asylbewerber: Die Zahl der Neuankömmlinge in Heidenheim ist so gesunken, dass sich der Landkreis innerhalb eines einzigen Jahres von 15 seiner 22 Gemeinschaftsunterkünfte trennen konnte.

Vom Krisenmodus hatten sich die örtlichen Manager der Flüchtlings-Unterbringung schon vor einem Jahr verabschiedet, als die Belegung in den vom Landratsamt Heidenheim geführten Flüchtlings-Unterkünften auf insgesamt unter 1000 Personen gesunken war. Seither hat sich die Lage weiter entspannt, und aus der Atempause ist eine bis heute anhaltende Phase geworden, in der die Quartiermacher richtig durchschnaufen konnten: weil inzwischen auch in den Flüchtlingsheimen selbst gehörig Luft ist.

Wie stark der Rückgang ist, spiegelt sich in der bei der Kreisverwaltung geführten Statistik wieder, wo die Zugangskurve im zurückliegenden Jahr steil nach unten gegangen ist. Hatte der Landkreis 2015 noch knapp 1200 Neuankömmlinge zu verkraften gehabt, war der Zugang im Folgejahr mit knapp 627 schon fast halbiert worden und ist 2017 (Stand Ende Dezember) weiter auf 224 Personen abgesunken.

Die vom Land festgelegte Zuweisungsquote blieb übers ganze Jahr hinweg mit im Monatsdurchschnitt 18 Männern, Frauen und Kindern konstant auf niedrigem Niveau. In diesem Monat werden nur noch 14 Flüchtlinge erwartet.

Kommunen sind am Zug

Im Zuge dieser Entwicklung ist auch der für die Erstunterbringung vorgehaltene Immobilienbestand kräftig ausgedünnt worden. Anfang 2017 waren noch 22 von insgesamt knapp 900 Menschen bevölkerte Gemeinschaftsunterkünfte in Betrieb.

Mittlerweile werden nur noch sieben Standorte genutzt, an denen insgesamt 384 Betten belegt sind, darunter in Heidenheim das Integrationszentrum im Haintal und die altbekannte Adresse in der Walter-Wolf-Straße, drei Liegenschaften in Giengen, ein Haus in der Herbrechtinger Bahnhofstraße und ein Teil der Oberen Ziegelhütte bei Steinheim.

Aktuell ist man dabei, weitere Objekte ans Land zurückzugeben oder Kommunen zu überlassen, die diesen Wohnraum zum Teil direkt an bereits anerkannte Asylbewerber vermieten und inzwischen die Hauptlast der Unterbringung zu tragen haben: Immerhin sind seit 2015 etwas mehr als 1000 Flüchtlinge in die Anschlussunterbringung überführt worden, davon um die 500 allein im soeben zu Ende gegangenen Jahr – die meisten waren Syrer.

Die derzeitige Belegung in den vom Landkreis gemanagten Erstunterkünften spiegelt in etwa den Stand von Ende 2014 und damit jenen Zeitpunkt wieder, als die Zuzugswelle zu rollen begonnen hatte. Der Erste Landesbeamte Peter Polta, Leiter der längst in den Stand-by-Status überführten Taskforce Flüchtlinge, vermutet aus heutiger Sicht, dass sich die Zahl in diesem Jahr bei etwa 300 einpendeln wird.

Ungeachtet dessen bleibt man wachsam und beobachtet die Entwicklung aufmerksam im Wissen, dass man angesichts globaler Veränderungen schnell on die Lage kommen kann, erneut lokal handeln zu müssen: wobei man dann von der Struktur her gut gerüstet wäre und auch auf einen Erfahrungsschatz zurückgreifen könnte, den man in der turbulenten Vergangenheit gesammelt hat.

Vorwiegend Nordafrikaner

Zurück zur Statistik der Gegenwart, die zeigt, dass sich neben der Zahl auch die Zusammensetzung der Flüchtlinge verändert hat. Syrer kommen kaum mehr, dafür verstärkt Nordafrikaner und damit vorwiegend alleinstehende junge Männer. Unter den derzeitigen Bewohnern der Gemeinschaftsunterkünfte in Stadt und Kreis sind viele Nationalitäten, wobei der Irak, Nigeria, Afghanistan, Syrien und Kamerun zu den fünf Hauptherkunftsländern zählen. Nicht zuletzt weil das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nach Einschätzung Peter Poltas seine Hausaufgaben gemacht hat, sind 2017 mehr als 400 Asylbewerber anerkannt worden.

Kaum jemand geht freiwillig

Im Gegenzug haben sich im gleichen Zeitraum lediglich 19 Flüchtlinge aus eigenen Stücken auf die Rückreise gemacht. Dass es so wenig sind, hat damit zu tun, dass viele Migranten aus Herkunftsländern mit geringer Schutzquote ihre Bleibeperspektive schon früher gegen Null sinken sahen und das gelobte Deutschland längst wieder verlassen haben – die meisten in Richtung Westbalkan. 110 freiwillige Rückkehrer zählte man 2015, weitere 136 Menschen waren es im Folgejahr.

Eine abnehmende Tendenz verzeichnet auch die Zahl der Asylsuchenden, deren Flucht in den Landkreis Heidenheim gezwungenermaßen dort endete, wo sie hergekommen sind. So sind im Jahr 2017 aus dem gesamten Kreisgebiet nur 19 Abschiebungen vorgenommen worden. Im Zeitraum des Jahres 2016 waren noch 58 Menschen von diesem staatlichen Eingriff betroffen und damit doppelt so viele wie im Jahr zuvor.