Bögerl 189 Männer verweigern Teilnahme an DNA-Massentest

Erwin Bachmann 12.04.2014
Noch ist offen, ob das im Fall Bögerl zum Einsatz gebrachte Ermittlungs-Instrument einer Gen-Reihenuntersuchung greift - oder ob sich am Ende auch diese Großoffensive im Spurlosen verliert. Dass es bis zum Schluss spannend bleibt, hat auch mit einer großen Gruppe von DNA-Verweigerern zu tun.

Nach Aussagen der ermittlungsführenden Staatsanwaltschaft Ellwangen geht der im Februar gestartete Gen-Massentest nunmehr in den Endspurt. Von den zur Zielgruppe gehörenden 3327 Männern aus der Gesamtgemeinde Neresheim haben bis heute 2815 dem Wunsch der Soko „Flagge“ entsprochen und freiwillig eine Speichelprobe abgegeben. 2415 dieser DNA-Spuren resultieren aus den direkten Reihenuntersuchungen, die – wie berichtet – zwischen Februar und März in verschiedenen Phasen und an unterschiedlichen Orten angeboten worden waren. 356 Neresheimer hatten schon vor dieser andauernden Großaktion von sich aus Speichelproben abgegeben, um das Ausschlussverfahren voranzubringen. Und von 43 weiteren Personen lag der Polizei bereits DNA-Material aus früheren Ermittlungsverfahren vor.


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Von den insgesamt 2814 vorliegenden Spuren sind derzeit 1799 untersucht. Ein Treffer ist nicht dabei, so die nicht weiter überraschende Mitteilung des Leitenden Oberstaatsanwalts Andreas Freyberger, der im Rahmen der gestrigen Jahres-Pressekonferenz der Ermittlungsbehörde mitteilte, dass die restlichen in Röhrchen gesicherten Spuren in der kommenden Woche zur Auswertung gehen. Das wird beim Landeskriminalamt Stuttgart erledigt und seine Zeit dauern – so viel, dass nach Kenntnis unserer Zeitung die in anderen Kriminalverfahren anstehenden Spurenauswertungen und Gutachten im Moment hintan stehen müssen.

Unterm aktuellen Strich fehlen den Ermittlern noch 513 Speichelproben. Davon entfallen 182 auf Männer, die sich derzeit nicht mehr in Neresheim aufhalten und über externe Polizeidienststellen gebeten worden sind, ihre DNA abzugeben – ein rein inländisches, aufs Bundesgebiet beschränktes Ersuchen, das derzeit noch läuft. Auf weitere 142 zum anvisierten Personenkreis zählende Männer wird weiter persönlich zugegangen – eine Art Haustürgeschäft, in dessen Rahmen auch einige Ausländer angesprochen werden, die in der in Rede stehenden Zeitspanne auf Neresheimer Baustellen tätig waren und sich jetzt in ihrer Heimat aufhalten.

Derzeit verbleibt eine Gruppe von 189 Verweigerern, die auch nach einer persönlichen Ansprache bei ihrem Nein geblieben sind. „Was ihr gutes Recht ist,“ wie der Leiter der Ellwanger Staatsanwaltschaft gestern betonte, ohne den Betroffenen allerdings Hoffnung machen zu können, damit ganz aus der Nummer heraus zu sein. Zusammen mit Presse-Staatsanwalt Armin Burger kündigte der Behördenchef an, dass man sich diese Gruppe nach Vorliegen aller ausgewerteten DNA-Spuren „nochmal ganz genau ansehen“ werde – um herauszufinden, ob sich darunter Personen befinden, über die es Erkenntnisse gibt, die man aus anderen Ermittlungsansätzen heraus gewonnen hat und die im Zusammenhang mit der DNA-Verweigerung einen Verdacht begründen können. Um solche Indizien zu verifizieren, wird viel Aktenstudium nötig sein, doch müssen die in besonderen Augenschein genommenen Bürger keinesfalls damit rechnen, etwa observiert zu werden.

„Wir üben auf die Leute keinerlei Druck aus,“ so das Credo von Andreas Freyberger, der freilich nicht verhindern kann, dass sich der eine oder andere durchleuchtete Neresheimer selber unter Druck gesetzt fühlt. In jedem Einzelfall muss ein konkreter Anfangsverdacht begründet und im Anschluss ein richterlicher Beschluss herbeigeführt werden, will man einen Verweigerer zur DNA-Abgabe zwingen – wogegen der Betroffene auch noch Rechtsbehelf in Form einer Beschwerde einlegen kann, wenngleich die Erfahrung lehrt, dass dies den Vollzug der angeordneten Probenentnahme kaum zu verhindern vermag. Lässt sich aus der Verweigerer-Gruppe am Ende kein Verdacht ableiten und ergibt sich auch bei den weiteren Körperzellen-Auswertungen kein Treffer, ist Ende der Fahnenstange. Dann stünde man nach Einschätzung Freybergers an einem Punkt, „wo wir sagen müssen, die Reihenuntersuchung hat nichts gebracht“. Eine Möglichkeit, mit der man aber bei einem solchen Verfahren immer rechnen müsse: „Das ist einer DNA-Reihenuntersuchung immanent.“

Bis dahin ist – so oder so – noch ein längerer Weg zurückzulegen. Die Soko „Flagge“ agiert nach Angaben der Staatsanwalt unverändert mit 19 Beamten und arbeitet nach wie vor auf Hochtouren. Das noch zu erledigende Geschäft sei vielschichtig und aufwändig, gebe es doch noch andere offene Spuren, die parallel zum DNA-Verfahren abgearbeitet werden müssten.

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