Heidenheim 1000 Pflegebedürftige mehr im nächsten Jahrzehnt

Der Bedarf an Pflegeplätzen wird in den kommenden Jahren weiter steigen.
Der Bedarf an Pflegeplätzen wird in den kommenden Jahren weiter steigen. © Foto: fotolia
Heidenheim / Günter Trittner 28.06.2018
Die Fortschreibung dieses Datensatzes bis zum Jahr 2030 zeigt einen großen Bedarf an ambulanten und stationären Plätzen.

Bis zum Jahr 2030 braucht es im Landkreis zusätzlich 456 Pflegeplätze. Diese Rechnung machte Dr.Alexandra Klein dem Bildungs- und Sozialausschuss des Kreistags auf.

Die Kreisverwaltung hatte die Fachfrau des Kommunalverbands für Jugend und Soziales mit der Fortschreibung des 2011 erstmals erstellten Kreispflegeplans beauftragt. Zum Stichtag 31. Dezember 2017 wurden von ihr die aktuellen Ausgangsdaten bei allen Heimen und Pflegediensten erhoben.

Klein hatte aber auch eine alternative Berechnung in die Sitzung mitgebracht, die greift, wenn mehr Pflegebedürftige zu Hause oder ambulant gepflegt werden. Nach Auffassung der Expertin könnte das neue Pflegestärkungsgesetz dem Wunsch der Menschen zu Hause zu bleiben, entgegenkommen. Aber auch unter dieser Prämisse werden immer noch bis 2030 zusätzlich 163 Heimplätze benötigt. Zugleich müsste die ambulante Pflege von derzeit 869 auf 1356 Plätze ausgeweitet werden. Bei der ersten Variante würden 1063 ambulante Plätze reichen.

„Wir verstehen das als Orientierungswerte“, so Klein, „auf keinen Fall aber wird die Zahl der Pflegebedürftigen niedriger sein.“ Nach Kleins Prognose steigt diese um fast 1000 auf 5683.

Zuwachs bei der Einwohnerzahl

Kleins Vorherschau fußt auf einer demographischen Prognose, die erst von einem leichteren Zuwachs und dann ab 2025 von einer mit rund 13300 Personen konstanten Einwohnerzahl im Landkreis ausgeht. Angenommen wird auch, dass rund 30 Prozent der Pflegebedürftigen in einem Heim versorgt werden, 70 Prozent zu Hause oder ambulant. „Das Verhältnis ist relativ konstant über die Jahre.“

Im Landkreis gibt es derzeit 21 Heime mit 1405 Plätzen. Außerhalb von Heimen werden „sehr wohnortnah“ 87 Plätze in der Tagespflege vorgehalten. Reine Kurzzeitpflegeplätze gibt es im ganzen Landkreis aber nur zwei. Alle weiteren befinden sich in Heimen und werden dort alternativ als Dauerpflegeplatz genutzt. Zum Stichtag der Datenerhebung waren 92 Plätze in Heimen nicht belegt. Klein ging davon aus, dass ein Grund dafür sein könnte, dass Doppelzimmer bereits einzeln belegt werden. Ab September 2019 seien in Heimen keine Doppelzimmer mehr erlaubt. Derzeit gebe es im Landkreis 414 Heimplätze in Doppelzimmern. „Das sind fast 30 Prozent.“

Klein hatte in die Ausschusssitzung nicht nur Zahlen, sondern auch Handlungsempfehlungen mitgebracht. Einerseits wurden von ihr noch tiefer gehende Analysen vorgeschlagen, etwa zur Auslastung der Tagespflege und deren zeitlicher Erweiterung, andererseits riet Klein zu einer besseren Vernetzung aller Dienste, um effizienter arbeiten zu können.

Dem Landkreis wies Klein die Aufgabe zu, Pflegeeinrichtungen über Fördermöglichkeiten zu informieren und einen Austausch der Heime, etwa für die Kurzzeitpflege, zu organisieren. Zudem soll der Landkreis die Kommunen über die Fortschreibung des Kreispflegeplans informieren. „Wir werden mit den Kommunen sprechen“, versicherte Landrat Thomas Reinhardt angesichts der „kolossal wichtigen“ Resultate dieser Arbeit. „Was passiert konkret“, mahnte SPD-Kreisrat Rainer Domberg zügiges Handeln an.

Sozialdezernent Mathias Schauz sah den neuen Kreispflegeplan als „Auftragsbuch“, das einem sage, wo man besser werden müsse. Kreisrätin Birgit Koepsel (SPD) hegte Zweifel, ob der Markt allein den sich abzeichnenden Mehrbedarf an Pflegeeinrichtungen decken wird. Zumal, wie Dr. Stephan Bauer (CDU) wusste, die Träger mit anderen, niedrigeren Bedarfszahlen operierten. „Aber woran liegt das?“ Koepsel ging auch davon aus, dass die jetzt schon knappe Personaldecke in den ambulanten und stationären Einrichtungen zu einem noch gravierenderen Problem werde. „Wir haben Personalnot allerorten.“

Wo im Landkreis Heidenheim Plätze fehlen

In der Vorschau auf 2030 gibt die Fortschreibung des Kreispflegeplans auch an, in welchen Kommunen im Kreis Pflegeplätze fehlen werden. Nur Herbrechtingen und Hermaringen liegen heute bereits über dem Soll. In der konservativen Prognose mit höherem Heimanteil steht Herbrechtingen mit zwölf Plätzen im Plus, Hermaringen mit 59.

In der Prognose mit einem höheren Anteil der ambulanten Versorgung liegen die Pluswerte bei 42 und 63.

Negative Werte und damit einen Bedarf an Plätzen (konservativ, mehr ambulant) haben nach aktuellem Stand Heidenheim (185, 70), Königsbronn (15, 3 Überhang), Steinheim (27, 10), Gerstetten (78, 56), Nattheim (43, 31), Dischingen (18, 10), Giengen (129, 83), Sontheim (13, 3) und Niederstotzingen (19, 9).

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