Nach dem klaren 3:1-Sieg des 1. FC Heidenheim gegen den VfL Osnabrück dürfte jeder FCH-Fan zufrieden nach Hause gegangen sein. Doch nicht jedes Mal enden Spiele so friedlich wie am Samstag in Osnabrück – immer wieder kommt es im Fußball zu Konflikten zwischen Fans verschiedener Clubs oder auch zwischen Fans und der Polizei.

Sig Zelt, Sprecher des bundesweites Bündnisses aktiver Fan- und Ultragruppen in Deutschland (ProFans), sagte dem DFB, dass Konflikte zwischen Zuschauern und der Polizei sogar häufiger vorkämen als zwischen Fans untereinander.

Worum geht es bei dem Projekt des DFB?

Das wollen der Deutsche Fußballbund und die David-Nivel-Stiftung ändern, wie der DFB und der 1. FC Heidenheim berichten: Mit dem Start der neuen Saison in der 2. Bundesliga am 26. Juli haben der DFB und die Nivel-Stiftung ein neues Pilotprojekt gestartet: Es soll das Verständnis zwischen Sicherheitskräften und den Fans verbessern: Eventuelle Konflikte nach Spieltagen sollen aufgearbeitet werden. Das Projekt wird über die Mittel der Daniel-Nivel-Stiftung finanziert. Der französische Gendarm Daniel Nivel wurde während der WM 1998 von deutschen Hooligans ins Koma geprügelt.

Der 1. FC Heidenheim, der am 4. August beim Schwaben-Derby in der Voith-Arena den VfB Stuttgart empfängt, ist einer von sieben Standorten in der 2. Bundesliga für dieses Pilotprojekt. Die Pilotphase umfasst die Hinrunde der neuen Spielzeit.

Die beteiligten Vereine sind:

  • Fürth
  • Hamburg (HSV)
  • Hannover
  • Heidenheim
  • Karlsruhe
  • Osnabrück
  • Wehen-Wiesbaden.

Heidenheim

Wie soll das Verhältnis zwischen Fans und Polizei verbessert werden?

Über einen Online-Fragebogen können Fans jeweils bis zu drei Tage nach einem Spiel ihre positiven oder negativen Eindrücke vom Spieltag mitteilen. Die Fragen reichen von der Anreise über organisatorische Dinge wie Einlasskontrolle und Catering bis hin zu Eindrücken von Personengruppen wie Ordnern oder Fans bis hin zum Standort, an dem man als Zuschauer im Stadion war.

Ein Ausschnitt aus dem Fragebogen des DFB zum Spiel des FCH gegen Osnabrück. Bei dem Projekt macht auch der FC Heidenheim mit.
© Foto: Screenshot

Ergänzend werden die Nachbetrachtungen zu den Spieltagen unter anderem von der Polizei, den Funktionsträgern der Klubs, des Sicherheitsdienstes und des Fanprojekts gesammelt. Aus der Gesamtheit dieser Rückmeldungen sollen Konflikte identifiziert und auf diese Weise der Bedarf nach einem moderierten Austausch der beteiligten Konfliktparteien ermittelt werden.

Der jeweilige Projektkoordinator entscheidet anhand zuvor festgelegter Kriterien, ob eine tiefer gehende Nachbereitung eines Spieltags nötig ist. Das Ziel des Projektes ist es, also, ein gegenseitiges Verständnis für einander zu schaffen, indem Konfliktsituationen aufgearbeitet werden. Im Idealfall können mit der Beteiligung von Fans einvernehmliche Lösungen für die Zukunft erarbeitet werden.

„Wir wollen den Dialog fördern und damit einen Beitrag zu einem größeren Verständnis insbesondere zwischen Fans und Sicherheitskräften leisten", sagt DFB-Abteilungsleiterin Gesellschaftliche Verantwortung und Fanbelange, Stefanie Schulte.

Sollte die Pilotphase erfolgreich sein, so werde man die Möglichkeiten prüfen, das Projekt in den ersten drei Fußball-Ligen mit allen Beteiligten umzusetzen.

Was ist die Nivel-Stiftung?

Die Stiftung ist nach dem französischen Gendarmen Daniel Nivel benannt, der während der WM 1998 von deutschen Hooligans brutal zusammengeschlagen wurde. Nivel fiel in ein sechswöchiges Koma und erlitt bleibende schwere Schäden. Im Oktober 2000 gründeten der DFB, die FIFA und weitere Partner die Stiftung, die seitdem Projekte unterstützt, die zu einem guten Verhältnis zwischen Fans und Polizeikräften beitragen.

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