Hechingen / Hardy Kromer Hechinger Kernstadt-Räte wollen ein Gewerbegebiet zwischen Elco Klöckner und Joma-Polytec. Sickingen lehnt das strikt ab.

Da zieht ein Konflikt zwischen der Kernstadt und Sickingen am nördlichen Horizont von Hechingen auf. Während der Ortschaftsrat des Wasserturm-Dorfes alle weiteren Gewerbegebiete, die rund ums Dorf kommen könnten, einhellig ablehnt, drängen Räte aus der Kernstadt darauf, genau die große Grünfläche zwischen den Lotzen­äckern und Sickingen („Nördlich der Hohenzollernstraße“) als künftige Entwicklungsfläche für Gewerbe zu favorisieren.

„Nur dort macht es Sinn“

Das ist ein Fazit aus der Debatte der Kommission Flächennutzungsplan, in der es am Dienstagabend darum ging, wie sich die Kernstadt künftig baulich entwickeln soll. Die Meinung in diese Richtung führten am Ratstisch der Freie Wähler Rolf Ege und CDU-Stadtrat Michael Mössner. „Nur dort macht es tatsächlich Sinn, Gewerbe zu entwickeln“, sagte Ege. Und Mössner nannte eine „Abrundung“ der bestehenden Gewerbegebiet im Hechinger Norden auf der genannten Fläche „möglich und sinnvoll“. Auch die verkehrliche Erschließung wäre schon gegeben. Kritikern hielt er entgegen: „Da kommt ja keine Schwerindustrie hin, sondern eher Medizintechnik.“ Und niemand rede davon, „alles zuzubauen bis Bodelshausen“.

Jürgen Fischer (SPD) hatte da schon längst darauf hingewiesen, dass der Sickinger Ortschaftsrat diese Fläche ablehnt. Und Almut Petersen (Bunte Liste) hatte dringend davor gewarnt, die Grünzäsur samt Frischluftschneise zwischen den bestehenden Gewerbegebieten und Sickingen zu opfern. Im aktuell gültigen Regionalplan ist das umstrittene Gebiet (das übrigens auf Sickinger Gemarkung liegt) als Regionaler Grünzug eingetragen. Planer Axel Philipp vom Büro Gfrörer und Stadtbaumeisterin Helga Monauni machten jedoch unisono deutlich, dass eine Gewerbeentwicklung in diesem Bereich „folgerichtig“ wäre und ein Regionalplan mit guter Begründung auch geändert werden könnte.

Zum Beispiel, indem man die mit 16 Hektar etwa gleich großen, bisher als Gewerbebauflächen ausgewiesenen Gebiete „Butzen“, „Butzenwiesen“ und „Butzenwasen“ entlang der B 27 Richtung Bodelshausen gewissermaßen im Tausch hergäbe. „Da wird sowieso nie ein Gewerbegebiet draus“, stellte Melanie Homberger (CDU) unter allgemeinem Kopfnicken fest.

Ein Lösungsansatz könnte also darin bestehen, die als „Butzen hoch drei“ bezeichneten Flächen aus dem Nutzungsplan herauszunehmen und dafür auf eine Ausweisung des Gebiets zwischen den Lotzenäckern und Sickingen zu drängen – wobei Erste Beigeordnete Dorothee Müllges betonte, dass das Gebiet kleiner ausfallen könnte als im Plan eingezeichnet, um einen Frischluftkorridor zu erhalten – und die Erweiterungsfläche Richtung Joma-Polytec ohnehin erst mit der Perspektive 2050 spruchreif würde.

Mögliche Gewerbeflächen im Hechinger Süden (zwischen „Domäne“ und Autohaus Kleinmann sowie zwischen B 27 und Heiligkreuz-Friedhof) wurden von der Kommission deutlich kritisch bewertet, schon wegen der Nähe zur Burg Hohenzollern.

Löfflers interessante Idee

Für interessant befunden wurde dagegen ein ganz neuer Vorschlag des Freien Wählers Stefan Löffler, der dafür warb, ein Gebiet am Stadtrand in Richtung Schlatt als Gewerbegebiet auszuwiesen: die Fläche zwischen „Stettener Halde“ und Kieswerk Baur, die von Starzel, B 32 und den beiden Bahnlinien eingefasst wird. „Ein wunderbares Gewerbegebiet wäre das“, befand Löffler und erhielt Unterstützung von Ege und Almut Petersen. Im aktuellen Flächennutzungsplan sind diese Äcker als landwirtschaftliche Flächen ausgewiesen. Dorothee Müllges versprach: „Wir prüfen das.“ Und dann ist der Gemeinderat am Zug.