Noch haben weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass der dringend tatverdächtige junge Mann, der am Samstag festgenommen wurde, einer Rangendinger Abteilungswehr angehört. Aber innerhalb der Feuerwehr ist man auf das Schlimmste vorbereitet. Das Krisenmanagement ist angelaufen. Ein Brandstifter in den eigenen Reihen - das ist ein heißes Thema.

"Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wäre das furchtbar", sagt Kreisbrandmeister Stefan Hermann. "Das würde die Feuerwehr sehr hart treffen." Hermann stellt sich vor die 3600 Feuerwehrleute im Zollernalbkreis, deren "sehr gute und größtenteils ehrenamtliche Dienste" und Integrität durch einen einzelnen Tatverdächtigen Schaden nehmen könnten. "Das reißt ein Loch ins Image", weiß Hermann.

Der Feuerwehrchef warnt dringend vor einer Vorverurteilung, will aber "auch nichts schönreden". Brandstiftung sei eben nicht nur Sachbeschädigung. "Der Täter nimmt immer auch in Kauf, dass er Menschen in Gefahr bringt." Von Seiten der Feuerwehr werde Brandstiftung selbstverständlich "aufs Schärfste verurteilt". Ein der Brandstiftung verdächtigter Feuerwehrangehöriger werde demzufolge sofort des Dienstes und damit aller Rechte und Pflichten enthoben. Wird er der Brandstiftung überführt, erlischt nach dem Feuerwehrrecht seine Mitgliedschaft automatisch - und zugleich die Option, je wieder in eine Feuerwehr einzutreten.

Sollte der 22-jährige U-Häftling tatsächlich der Serienbrandstifter sein, hätte er einiges auf dem Kerbholz: Am 7. Dezember brannte das Höfendorfer Schützenhaus, am 23. Dezember das Schützenhaus im benachbarten Bietenhausen und in der Nacht zum vergangenen Samstag sollte in Rangendingen das dritte und letzte Schützenhaus in der Gemeinde lodern.

Wie berichtet, kam es im Rangendinger Schützenhaus nicht zum Brand, weil ein geschmolzenes Wasserrohr aus Kunststoff das Feuer wie eine Sprinkleranlage gelöscht hatte. Der perfide Plan des Täters ging noch weiter: Am Samstagabend während des Fasnetumzuges in Rangendingen sollte eine leer stehende Scheune in Höfendorf in Flammen aufgehen. Wie im Schützenhaus, so war auch dort ein Brandsatz mit Glühfaden und Zeitschaltuhr gelegt worden.

Bereits vor den Schützenhaus-Bränden hatten sich im vergangenen Jahr und auch schon davor in Rangendingen und Umgebung die Feuerwehreinsätze gehäuft. Meist waren Holzlager und Strohballen in Brand gesteckt worden. Zur Aufklärung der Serie bildete die Kriminalpolizei Ende 2013 die Ermittlungsgruppe "Schützenhaus".

In der 5000-Einwohner-Gemeinde Rangendingen verbreitete sich die Nachricht von der Verhaftung des mutmaßlichen Feuerteufels am Wochenende wie ein Lauffeuer. "Wir sind gottfroh, dass es vorüber ist, es gab so manche schlaflose Nacht, gerade dann, wenn wieder was passiert war", stellte eine junge Mutter gestern erleichtert fest. Auch Höfendorfs Vize-Ortsvorsteher Dietmar Saile zeigte sich "erleichtert und froh" darüber, dass die Polizei jetzt einen Tatverdächtigen dingfest gemacht hat.

Der junge Mann wurde am Samstag vorläufig festgenommen und am Sonntag dem Haftrichter vorgeführt, sitzt seitdem in U-Haft. Der Haftgrund lautet auf "Wiederholungsgefahr" .

Die Kripo hat jetzt offenbar eine Fülle von Spuren. "In dem Verfahren sind noch umfangreiche Auswertungen sichergestellter Beweismittel erforderlich", teilten die Staatsanwaltschaft Hechingen und das Polizeipräsidium Tuttlingen gestern mit.

Keine leichte Zeit für die etwa 80 Aktiven der Rangendinger Gesamtwehr mit ihren Abteilungen Rangendingen, Höfendorf und Löschgruppe Bietenhausen. Bereits Mitte Januar war die Hälfte der Wehrmänner von der Kripo zu freiwilligen DNA-Tests gerufen worden. Aber die Ehrenamtlichen bekommen viel Zuspruch und Unterstützung.

Der Kreisbrandmeister, Rangendingens Feuerwehrkommandant Christian Hermann und Rangendingens Bürgermeister Johann Widmaier haben sich noch am Sonntag zu einer Krisensitzung getroffen. Man werde die Geschehnisse mit den betroffenen Feuerwehrleuten "zeitnah aufarbeiten", kündigt Stefan Hermann an.

Auf Facebook gibt es viele Wortmeldungen zum Thema. Unter anderem leistet Kevin Jetter, Balingen, den Rangendinger Kameraden Schützenhilfe: "Auch wenn es in diesem Fall offensichtlich ein Feuerwehrmann war, so sind Brandstiftungen, die durch Feuerwehrangehörige verursacht werden, prozentual gesehen (bundesweit) gering. Natürlich sind diese Taten keinesfalls zu rechtfertigen oder zu akzeptieren, allerdings durch die Tätigkeit, die ein Feuerwehrmann oder -frau ausführen sollte, auch besonders stark im Fokus der Öffentlichkeit. Schwarze Schafe gibt es immer und überall. Trotz allem machen die Feuerwehren, egal ob Berufswehr oder Freiwillige, einen unglaublichen Job und oft eine gefährliche Arbeit für uns alle."

Das unterschreibt Kreisbrandmeister Hermann gern. Motive für Brandstiftungen seinen eher Versicherungsbetrug, Rachegelüste, Zerstörungswut oder politische Interessen. Leider gebe es aber Einzeltäter, die sich oder das Feuerwehrwesen mit solchen Taten hervorheben wollen. Die Auswirkungen solcher Irrläufe auf das Feuerwehrwesen seien verheerend. Hermann: "Ich kann nur hoffen, dass das positive Bild der Feuerwehr in der Bevölkerung überwiegt." Das Motiv im aktuellen Fall liege bislang im Dunkeln. "Das ist aber auch Sache der Polizei", ergänzt Hermann, der die Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei in den vergangenen Tagen als sehr gelungen bezeichnet.