Sie haben weder Messgerät noch Wärmebildkamera „zur Pfote“, aber sie haben super feine Nasen, die sie Schimmelsporen finden lassen, wo sie kein Mensch vermuten würde: die beiden Labrador Retriever Josephine und Emily, im Ausbildungs- und Prüfungszentrum in Hambrücken geschulte Schimmelspürhunde. Mit ihnen ein Jahr lang „die Schulbank gedrückt“ haben ihre Halter Katharina und Sebastian Mayer – denn nur so ist eine zuverlässige Arbeit im Team möglich.

Seit November des vergangenen Jahres lebt das Ehepaar Mayer mit seinen Vierbeinern in Boll. Die 33-jährige Übersetzerin arbeitet in Bisingen als Assistentin der Geschäftsleitung; der 34-Jährige ist selbstständiger Immobilienverkäufer und zugleich Sachverständiger für die Bewertung von Immobilien. Für ihn war die heute sechsjährige Josephine zunächst „einfach nur ein Hund“, der ihn bei seiner Arbeit begleitete. Erst als sich Katharina und Sebastian Mayer vor zwei Jahren für den Kauf ihrer zweiten Hündin Emily entschieden, reifte der Gedanke, aktiv mit den Vierbeinern arbeiten zu wollen.

Gerade recht kam da der Hinweis einer Freundin, dass sich Labradore sehr gut als Schimmelspürhunde eignen. Die Ausbildung des Mensch-Tier-Quartetts folgte auf dem Fuße. Heute sind das Ehepaar Mayer, Josephine und die inzwischen zweijährige Emily ein bis zwei Mal im Monat auf Schimmelsuche. Auf ihre Dienstleistung aufmerksam machen sie regelmäßig in Schreiben an Allergologen und Pneumologen, an Hausverwaltungen und Sanierungsfirmen. Auch die Stadt Hechingen weiß um die Spürnasen aus Boll – dort haben Katharina und Sebastian Mayer die Arbeit mit ihren Hunden offiziell als Nebenerwerb angemeldet.

Wie man sich die Arbeit eines Schimmelspürhundes vorstellen muss? Zunächst wird das „verdächtige“ Objekt von den Mayers begutachtet, werden erste Messungen (Feuchtigkeit, Luft- und Raumtemperatur…) gemacht, wobei zur Lokalisierung von Schimmelbefall auch eine Wärmebildkamera zum Einsatz kommt. Dann sind die beiden Labrador Retriever dran – eine nach der anderen: Nachdem sie bei einem ersten Rundgang  ganz spielerisch die vielen Umgebungsgerüche wahrnehmen dürfen, ist ihre Spürnase im zweiten Durchgang gefordert: „Wenn sie ihre Arbeitskleidung, ein blaues Halstuch, angelegt bekommen, wissen sie, dass sie sich auf die Suche machen sollen“, erklärt Sebastian Mayer.

Und wann wissen er und seine Frau, dass Josephine und Emily fündig geworden sind? „Josephine zeigt den Schimmel liegend mit der Schnauze an; Emily weist mit der Pfote auf die befallene Stelle hin“, sagt Katharina Mayer. Wie zuverlässig richtig liegen die beiden Vierbeiner?  „Sehr zuverlässig“, spricht das Ehepaar aus Erfahrung. „Nachdem Josephine und Emily den Schimmel ausgemacht haben, entnehmen wir Proben und schicken sie an die Umweltmykologie in Berlin.“ Die Ergebnisse haben die feinen Nasen der beiden Labrador Retriever bis dato immer bestätigt. Für Interessenten in diesem Zusammenhang interessant zu erfahren: Das Quartett aus Boll rechnet seine Arbeit nach „erschnüffelten“ Quadratmetern sowie den Aufwendungen für die Fachberatung und etwaige Laboruntersuchungen ab – und bleibt trotzdem bezahlbar. Ein Sachverständigengutachten ist für den Preis nicht zu haben.

Was tut das vierköpfige Team Mayer, wenn der Auftrag erledigt ist? „Dann gibt’s zur Belohnung ein Leckerli für Josy und Emily.“ Wobei letzteres gar nicht nötig wäre, denn: „Für unsere Hunde ist die Suche nach Schimmel ein Spiel, keine Arbeit.“

Info Wer mehr über Josephine und Emily wissen möchte: www.schimmelsuche.info.