Dr. Franz Xaver Bumiller, besser bekannt als F.X., zeigt zufrieden auf einen bis zum Rand gefüllten Leitz-Ordner. Der Inhalt hat ihn und sein Team in den vergangenen Wochen einiges an Nerven gekostet. Aber so leicht gibt der Inhaber des traditionsreichen Hechinger Damenmode-Herstellers Efix Tricot GmbH nicht auf. Inzwischen kann der Unternehmer aufatmen: Seine Firma gehört zu den wenigen Produzenten von zertifizierten Mund-Nasen-Masken. Baumwolle allein können viele. Aus der Hechinger Unterstadt wird Virenschutz der Premiumklasse geliefert. Und das zu einem vergleichsweise sehr annehmbaren Preis.

Angefragt und zugesagt

In der Max-Eyth-Straße kann man die selbe Geschichte erzählen wie bei den meisten anderen Textilherstellern im Südwesten: Die Firmen sind vor einigen Wochen, als plötzlich die Gesichtsmasken das Thema der Stunde geworden sind, angefragt worden, ob sie denn nicht umstellen und liefern könnten. F.X. Bumiller wollte. Aber nichts Gewöhnliches. Es sollte, so hat er der HZ ans Herz gelegt, etwas mit Hand und Fuß sein. Also ein Virenschutz, der diesen Namen wirklich verdient.

Aus der Nachbarschaft

So einfach allerdings war das nicht. Der Leitz-Ordner für das Sonderunternehmen „Masken“ füllte sich rasch. „Wir haben uns zunächst intern intensiv mit dem Thema beschäftigt“, erklärt der Unternehmer. Und dann zählten Connections: Ein befreundeter Unternehmer, der in Frommern seit Jahr und Tag Trilaminat aus Polyester fertigt, kam da genau richtig. Denn: „Wir wollten uns bewusst nicht an dem Hype um die einfachen ,Baumwoll-Schutzmasken’ beteiligen.“ Zur Erklärung: Baumwolle pur wird als Gesichtsmaske beim Atmen feucht und kann damit ein zusätzliches Gesundheitsrisiko darstellen: Viren fühlen sich in so einer Umgebung besonders wohl. (Wobei es einem unter der Hechinger Maske ebenfalls heiß werden kann.)

Aus diesem Grund der konsequente Schritt bei Efix zu wiederverwendbaren und waschbaren Masken aus einem klinisch zertifizierten Material – das nur einige Kilometer entfernt produziert wird. Also nichts mit Fernost oder einem Sonstwoher. Die Masken sind dreilagig: innen und außen Polyester-Jersey, in der Mitte eine Membran, die beidseitig viren- und bakteriendicht ist. Die Membran, und da muss Franz Xaver Bumiller noch einmal durchschnaufen, hat er höchstpersönlich im Bayerischen besorgt. Dabei handle es sich um einen der wenigen renommierten Hersteller für OP-Textilien in Deutschland, betont der Efix-Chef. Und er legt nach mit dem mittlerweile bekannten Vergleich von Pudelmütze und Motorradhelm.

Auf nach Bonn!

Bis zur verkaufsfertigen Maske „Made in Hechingen“ hat es freilich noch einiges gebraucht – und der Ordner bekam kräftig Nachschub. Selbstredend musste ein Virologe eingeschaltet werden, der nächste  Schritt war die Zulassung beim Landratsamt Zollernalbkreis, und dann folgte vor allem das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn. Am Ende steht bislang ein zeitlich begrenztes Zertifikat mit Sonderzulassung. F.X. Bumiller arbeitet aber schon daran, aus der vorübergehenden eine dauernde Genehmigung zu machen.

Allein, so räumt der Hechinger Unternehmer ein, hätten er und sein Team diese Herkulesaufgabe nicht geschultert. Hilfe gab es unter anderem von der Benevit-Gruppe von Kaspar Pfister mit Hauptsitz Mössingen. Die gehört mit ihren Alten- und Pflegeheimen im gesamten Bundesgebiet nun zu einem der Abnehmer der Hechinger Zertifikatsmasken. Efix beliefert aber noch weitere systemrelevante Kunden im öffentlichen Auftrag, unterstreicht F.X. Bumiller. Große Industrieunternehmen in der direkten Umgebung zählen genauso dazu wie die Burg Hohenzollern.

Modisch wertvoll

Parallel dazu gibt’s die eigene Schiene: Die Modehäuser, welche die beiden Premium-Marken von Efix, Efixelle und Zaída, vertreiben, wollen ihren Kunden keine x-beliebigen Masken anbieten, sondern welche, die zum hochwertigen Sortiment passen. Gesichtsschutz also, der zum einen als Medizinprodukt zertifiziert ist, und zum anderen auch optisch etwas hermacht. Bei Bumiller & Co. ist man längst am Ausarbeiten neuer, zusätzlicher Farben und, ja tatsächlich, modischer Accessoires. Mit diesen Masken vor der Nase und dem Mund macht man in der Tat etwas her!

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