Anderthalb Jahre ist es her, seit Herbert Ritter in der Villa Eugenia von Bürgermeister Philipp Hahn die Bürgermedaille der Stadt Hechingen überreicht bekam, die dritthöchste Auszeichnung, die seine Heimatstadt zu vergeben hat. Damals, als er als Aktivposten gleich mehrerer Hechinger Vereine gerühmt wurde, erinnerte er sich an die Beerdigung seines Vaters im Jahr 1971, als gleich acht Vereine Kränze am Grab niedergelegt haben. Das, so erzählte Herbert Ritter, sei ihm zunächst ein abschreckendes Beispiel gewesen. Und doch habe er selbst in Hechingen dann einen ähnlichen Weg eingeschlagen – und es nie bereut.

Begräbnis ohne die verdiente Ehrenformation

Nun, da er an diesem Dienstag selbst im Alter von 80 Jahren nach längerer Krankheit das Zeitliche gesegnet hat, wäre Herbert Ritter bestimmt ein ähnlich opulentes Begräbnis vergönnt gewesen wie seinem Vater. Doch die besondere Zeit, in der wir leben, verhindert das. Er, den so viele Kameraden gerne auf dem letzten Weg begleitet hätten, muss auf Heiligkreuz im engsten Familienkreis beerdigt werden. Die Corona-Verordnung des Landes lässt auch an offenen Gräbern keine größere Menschenansammlung zu – und auch keine Ehrenformation der Bürgergarde. Eine würdige Gedenkfeier soll nachgeholt werden, wenn die Zeiten wieder besser sind.

Auch an Kränzen wird dann kein Mangel sein. Denn überall, wo Herbert Ritter wirkte, hat er tiefe Spuren hinterlassen – als Mann, der Zuverlässigkeit, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft vorlebte, der beim Schaffen voran ging und beim Diskutieren für Ausgleich sorgte, Wogen glättete, aber – wenn es sein musste – auch ein Machtwort sprach. Und der bei allem kein großes Aufhebens um seine Person machte.

Kolpingsjünger seit 1957

In der Hechinger Kolpingsfamilie, der er seit Dezember 1957 angehörte, amtierte Ritter zunächst von 1984 bis 1990 als Beisitzer im Vorstand. Von 1990 bis zu seinem Tode war er dann 2. Vorsitzender – und Hüttenwart der Kolpingshütte St. Michael im Zollerwald. In diesem verantwortungsvollen Amt ging er ganz besonders auf. Als Ritter 2017 mit der Münsterehrennadel des Kolpingwerks ausgezeichnet wurde, erinnerte Bezirksvorsitzender Hubert Gulde daran, dass Ritter unzählige Gruppen begleitet habe und von der Anmeldung bis zur Abrechnung alles pünktlich und zuverlässig bewältigt habe. Auch die Instandhaltung der Hütte samt Grillstelle, Wiese und Umgebung sowie den kompletten Schriftverkehr und die Termine mit den Behörden habe er meisterhaft im Ehrenamt erledigt.

30 Jahre in der Bürgergarde

Der Hechinger Bürgergarde gehörte Herbert Ritter von 1990 bis zu seinem Tod an – und übernahm auch hier Verantwortung: Von 2005 bis 2017 amtierte er als 2. Vorsitzender und hatte zusammen mit seiner Frau Edda immer die verlässliche Kontrolle über alle Gerätschaften und Uniformen. Im Range des Leutnants gehörte er bis zuletzt dem Gesamtvorstand an. 2017 wurde er für seine ehrenwertes Engagement mit der Goldenen Verdienstmedaille der Hechinger Garde ausgezeichnet, im Januar 2020 dann mit der Goldenen Verdienstmedaille des Landesverbandes Historischer Bürgerwehren und Stadtgarden Württemberg-Hohenzollern.

Seine große Liebe gehörte auch den Bergen

Seine große Liebe gehörte auch den Bergen. In der Bezirksgruppe Hechingen des Deutschen Alpenvereins war Herbert Ritter von 1988 bis 2008 Organisator und Tourenführer.

Bei allem Einsatz für die Vereine war Herbert Ritter aber auch ein Mensch mit ganz viel Familiensinn. Seiner Frau Edda war er 49 Ehejahre lang in Liebe verbunden, seinen beiden Töchtern ein guter Vater, seinen vier Enkel ein stolzer Großvater.

Seiner Geburtsstadt Hechingen blieb er sein Leben lang verbunden, auch wenn er einen Großteil seines Berufslebens als Reprofotograf in einer Druckerei in Schönaich im Landkreis Böblingen verbrachte. In Hechingen werden ihm denn auch ganz viele Wegbegleiter ein ehrendes Gedenken bewahren.

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Jahre lang war Herbert Ritter Kolpingsjünger, 30 Jahre gehörte er der Hechinger Bürgergarde an. Für sein vielfältiges Engagement erhielt er die Hechinger Bürgermedaille verliehen.