Sigmaringen Zukunft für kleine Krankenhäuser

SWP 20.03.2014
Die Heidelberger Stiftung SRH wird die Mehrheit an den Kliniken im Landkreis Sigmaringen übernehmen. Der Sigmaringer Kreistag und der Gemeinderat der Stadt Pfullendorf haben dies jetzt beschlossen.

Ausschlaggebend war das medizinische Konzept der Heidelberger. Laut Aussage der Berater entwickelten sie im Gegensatz zum Mitbewerber Ameos (Zürich) eine tragfähige Strategie für den langfristigen Erhalt aller drei Standorte. "Das Konzept von SRH ist schneller umsetzbar, klarer und sichert die Zukunft der kleinen Häuser", sagte Dr. Adolf Maier aus Bad Saulgau als Sprecher der CDU-Fraktion, die im Sigmaringer Kreistag eine absolute Mehrheit hat.

Der Kreistag entschied bei seiner jüngsten Sitzung in Ennetach mit klarer Mehrheit: 39 Räte stimmten für die Heidelberger SRH, Ameos bekam keine Stimme.

Lothar Scheit (CDU) und Thomas Stehle (FDP) stimmten grundsätzlich gegen den Verkauf von Anteilen an einen privaten Investor. Die Kliniken würden aus dem Tarifvertrag des öffentlichen Diensts aussteigen und die Mitarbeiter zu billigerem Geld weiterbeschäftigen, sagte Scheit unter dem Beifall einiger anwesender Beschäftigter. Die Mitarbeiter aus den Kliniken trugen rote Buttons mit der Aufschrift "Wir alle sind das Krankenhaus".

Am Montagabend zog der Gemeinderat Pfullendorf als Organ des Spitalfonds nach, der bislang 26 Prozent an den Kliniken hielt. Die Pfullendorfer Entscheidung fiel einstimmig. Keine Alternative war für die politisch Verantwortlichen der Erhalt der Selbstständigkeit. Über eine Erhöhung der Kreisumlage um drei bis vier Prozent hätten die Kommunen die Krankenhäuser stützen können. "Ich halte die Ansicht für falsch, dass mit einer kommunalen Lösung länger Arbeitsplätze erhalten werden könnten", sagte Doris Schröter, die Bürgermeisterin von Bad Saulgau (Freie Wähler).

Beide Bieter wollten mit einem Betrag von 5,3 Millionen Euro in die Klinik-GmbH einsteigen und damit Anteile in Höhe von 51 Prozent übernehmen.

Die von einem Beratungsbüro vorgenommene Bewertung der beiden Konzepte brachte leichte Vorteile für SRH. Die Ameos-Gruppe bekam beim medizinischen Konzept Abzüge, da nur Sigmaringen als tragfähig erachtet wurde.

Ähnlich das Bild beim Personal: Ameos schloss Kündigungen lediglich bis 2015 aus, während SRH darauf verzichten will. Beide Bieter wollten allerdings einen Haustarifvertrag aushandeln.

Obwohl Ameos mit 70 Millionen Euro nahezu drei Mal so viel Geld in die Kliniken investieren wollte wie SRH, überzeugte die politischen Gremien das Konzept von SRH. Aus ihrer Sicht können mit weniger Aufwand und weniger Geld schnellere Erfolge erzielt werden.

Pluspunkt für Ameos: Die Schweizer Gruppe wäre bereit gewesen, die Verbindlichkeiten der Krankenhäuser in Höhe von 17,1 Millionen Euro zu übernehmen, aber diese Zusage überzeugte die Gremien nicht.

Die Ameos AG und Ameos Holding AG mit Sitz in Zürich betreibt Krankenhäuser sowie Pflege- und Eingliederungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zur Gruppe gehören in der Region Altenpflegeheime in Meßstetten, Winterlingen und Stetten a.k.M.

So bewertet die Unternehmensberatung die Konzepte