Hechingen Zu Besuch in einem Prüfungslokal der IHK Reutlingen

Für die HZ lächelt man gerne mal. Aber sonst ist bei der IHK-Prüfung volle Konzentration gefordert. Links im Bild "Lamm"-Chef Stefan Albus. Foto: Uwe Oster
Für die HZ lächelt man gerne mal. Aber sonst ist bei der IHK-Prüfung volle Konzentration gefordert. Links im Bild "Lamm"-Chef Stefan Albus. Foto: Uwe Oster
Hechingen / UWE OSTER 28.08.2012
Die Gastronomie sucht händeringend nach Fachkräften. Wie spannend deren Aufgaben sein können, zeigte sich bei den IHK-Prüfungen der Köche, Hotel- und Restaurantfachleute im Gasthof "Lamm" in Stein.

Denkt man beim Wort Prüfungen an Klassenzimmer mit auf unbequemen Stühlen sich quälenden Schülern, erlebt man in der Gastronomie ein anderes Bild. Für Laien mag gar ein wenig Fernsehstimmung aufkommen. Teller mit leckeren Gerichten werden aus der Küche in den Gastraum getragen, und die Prüfer machen sich an ihre Arbeit: Was hat der angehende Koch überhaupt zubereitet, ist die erste Frage. Denn die Prüflinge haben keine Gerichte zugeteilt bekommen, sondern sechs Wochen vor der Prüfung einen virtuellen Warenkorb für Vorspeise, Hauptgang und Dessert.

Die HZ saß am Prüfungstag auf Einladung der IHK Reutlingen im Steinemer "Lamm" mit am Tisch. Vier Stunden hatten die angehenden Köche Zeit, um ihr Menü zuzubereiten. Bei der Bewertung kamen mehrere Faktoren zusammen. Wagt sich ein Prüfling an ein schwieriges Gericht, kann schon mal ein kleiner Fehler durchgehen, während bei einer alltäglichen Flädlessuppe alles passen muss. Wolfgang Niederer von der Landesberufsschule in Bad Überkingen, einer der Prüfer, vergleicht es mit einem Sprung vom Ein- und vom Fünfmeterbrett. Wenn es einer wagt, aus größerer Höhe zu springen, verdient das Anerkennung. Die Zutaten, die es für die diesjährige Prüfung gab, verleiteten die meisten Prüflinge zu einer klaren Brühe mit Einlagen als Vorspeise, einer deftigen Rindsroulade im Hauptgang und einem Tiramisu zum Dessert. Dabei kamen höchst unterschiedliche Gerichte heraus, wie schon ein Blick auf die Teller zeigte. Doch nicht nur Kochen und Präsentation werden bewertet, sagt Wolfgang Niederer, sondern "auch Arbeitstechnik, Materialverwertung, Hygiene und Ordnung."

Und wie fanden die Prüflinge die Aufgabe? "Wenn man gut vorbereitet gewesen ist, war das alles machbar", sagt Bianca Jacobsen. Schnell habe man sich auch an die andere Küche gewöhnt. Ihr Handwerk gelernt hat die junge Frau im Restaurant "Post" in Jungingen - und natürlich hat sie ihre Prüfung mit Bravour bestanden. Nicht minder glücklich war Julia Birlinger vom "Gastschloss Haigerloch". Sie gehörte zu den Restaurantfachkräften, die am Freitag geprüft wurden. Sie sei "schon aufgeregt" gewesen, doch am Ende hat auch bei ihr alles geklappt. "Dabei war das Bedienen der leichtere Teil des Ganzen".

Doch wie übt man bei einer solchen Prüfung eigentlich das Bedienen? Schließlich ist das Restaurant geschlossen, und es müssen ja für alle Prüflinge gleiche Bedingungen herrschen. Die Rolle der Gäste übernehmen in solchen Fällen im Gebiet der IHK Reutlingen Prüfer aus anderen Fachbereichen - und am Freitag eben auch der Schreiber dieser Zeilen. Zu essen gibt es dann jene Gerichte, die die angehenden Köche zuvor zubereitet haben. Und um es vorweg zu nehmen: Es war ein angenehmer Abend mit freundlicher Bedienung, gutem Essen und netter Gesellschaft.

Die angehenden Restaurantfachleute müssen aber ihr Können nicht nur beim Bedienen unter Beweis stellen. Zur Prüfung gehörte auch eine "komplexe Aufgabe mit anschließendem Prüfungsgespräch". Darunter versteht man die Beratung eines Kunden, der sich mit einem Veranstaltungswunsch an das Restaurant gewandt hat. Schließlich mussten die Prüflinge noch Speisen entsprechend aufbereiten und den Tisch für ein fünfgängiges Menü eindecken.

Eine "komplexe Prüfungsaufgabe" aus ihrem alltäglichen Arbeitsbereich mussten auch die Hotelfachleute lösen. Ebenso gehörte das Eindecken eines Menüs zu ihren Aufgaben. Dazu kam die Arbeit an der Rezeption. Und eine gute Hotelfachfrau muss zudem in der Lage sein, ein Zimmer nach Mängeln abzusuchen. "Das Allerwichtigste aber", sagt die stellvertretende Prüfungsausschussvorsitzende Ruth Landerer-Willems, "ist der Umgang mit den Kunden. Der Gast muss zufrieden sein". Die vierten im Bunde, die am Freitag von der Industrie- und Handelskammer Reutlingen geprüft wurden, waren die Fachgehilfen im Gastgewerbe.
 

Insgesamt wurden bei den diesjährigen Prüfungen im Kammerbezirk der Industrie- und Handelskammer Reutlingen 44 Köche, 23 Restaurantfachleute, 22 Hotelfachleute und sieben Fachgehilfen im Gastgewerbe geprüft - natürlich nicht alle am Freitagabend im Hechinger Stadtteil Stein, sondern an mehreren Tagen in unterschiedlichen Gaststätten.

Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses war der Chef des gastgebenden Hotel-Restaurants "Lamm", Stefan Albus. Ihm galt der Dank von Ausbildungsberater Hans-Jörg Thoma. Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass ein Gastronom dazu bereit sei, sein Restaurant für einen ganzenTag zu schließen, damit dort Prüfungen abgehalten werden könnten, bescheinigte ihm Thoma.

Der Bodensee lockt mit 2000 freien Stellen

Der Beifall der Gäste war Stefan Albus ebenso sicher wie den jungen Prüflingen. Die Berufsaussichten für die Jungköche, Hotel- und Restaurantfachleute sind ausgesprochen gut: Allein am Bodensee würden 2000 Fachkräfte gesucht, erzählt Wolfgang Niederer. Und auch im Bereich der IHK Reutlingen haben die jungen Leute beste Aussichten, eine attraktive Stelle zu bekommen.

 

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