Hechingen Zollernprinzen beim Elsass-Marathon

Als Zollernprinzen und -prinzessinnen nahmen 20 Hechinger Läufer am Marathon durch die Elsässer Weinberge teil.
Als Zollernprinzen und -prinzessinnen nahmen 20 Hechinger Läufer am Marathon durch die Elsässer Weinberge teil. © Foto: privat
Hechingen / SWP 18.07.2018

Zwanzig Aktive und drei Betreuer machten sich auf den Weg ins Elsass, um eine außergewöhnliche Herausforderung zu meistern. Denn der Marathon du Vignobles ist dem berühmten Médoc-Marathon ähnlich: Es werden an der Strecke typische Spezialitäten und lokale Weine angeboten. Der sportliche Wettstreit tritt deshalb ein wenig hinter den lukullischen Genuss zurück.

Bereits am Freitag machte sich der Hechinger Tross in mehreren Gruppen und Bussen auf den Weg, um neben der sportlichen Aktivität auch das touristische Element nicht zu kurz kommen zu lassen. Bei herrlichem Wetter nahmen einige die Gelegenheit wahr, die Hautkoenigsbourg zu besichtigen. Wie der Zoller ist sie ein Werk der Deutschen Kaiser. Wilhelm II. ließ die Burg aus dem frühen 12. Jahrhundert von 1901 bis 1908 restaurieren. Dort bot sich vom Rand der Vogesen ein erhabener Blick ins Rheintal und auf den Schwarzwald.

In Molsheim angekommen, traf man sich im Teamhotel direkt am mittelalterlichen Marktplatz. Eine erste Verkostung der Streckenverpflegung inmitten der malerischen Kulisse war obligatorisch. Am Abend feilten einige Teilnehmer im Garten des Hotels noch an der Teamkleidung, bevor am folgenden Tag noch ein touristisches Programm wartete. Der Ausflug führte die Truppe in das Städtchen Obernai, wo zunächst das 700 Meter oberhalb gelegene Kloster Sainte Odile aus dem 7. Jahrhundert besichtigt wurde. Mittags schloss sich eine Stadtbesichtigung an, ehe es gegen Abend ins Marathondorf ging, um die Startunterlagen abzuholen. Die abendliche Laufvorbereitung schloss erneut die einheimischen Winzererzeugnisse ein.

Am Wettkampftag galt es dann, frühmorgens die Shuttle- und Pendelbusse zu erreichen, mit denen die über 3000 Teilnehmer zu ihren Startbereichen gebracht wurden. Parallel dazu stieg die Nervosität: Wie würden sich die vielen Degustationen auf die sportliche Leistung auswirken? Keiner der Läufer konnte auf einschlägige Erfahrungen zurückgreifen.

Unterdessen kamen die übrigen Teilnehmer in den verrücktesten Verkleidungen Richtung Start. Man sah Gruppen in Babystramplern (alle über 40), Römer, Steinzeitmenschen, Biene Maja und allerlei sonstiges Getier, Asterix und Obelix. Sie alle wurden am Start vom Moderator lautstark begrüßt. Die Hechinger waren als Zollernprinzen und -prinzessinnen zu erkennen – auffällig in Grün und Pink.

Die vier Marathoni starteten in Dorlisheim schon zwei Stunden vor den anderen, die dann zur Hälfte der Strecke in Scharrachbergheim ihren Halbmarathon begannen. Geplant war, möglichst bald gemeinsam laufen zu können, doch zwei Stunden sind für den Halbmarathon inklusive diverser Verkostungen sehr knapp bemessen. Und so nahmen sich die später gestarteten an den einzelnen Verpflegungsstationen extra viel Zeit, um die Freunde aufschließen zu lassen. Bei Fisch, Würstchen oder Münsterkäse in Begleitung von hervorragendem Riesling oder Gewürztraminer wahrlich keine unerträgliche Tortur. Zudem sorgten überall Bands und Musikkapellen für beste Stimmung und luden zum Tanz. Und zwischen den offiziellen Einkehrgelegenheiten boten auch die Anwohner immer mal wieder Kostproben an.

Dennoch dauerte es nahezu zehn Kilometer, bis die Marathonläufer an der Station in Traenheim zum großen Tross hinzustießen. Fortan ging es in voller Mannschaftsstärke von 20 Sportlern weiter Richtung Ziel in Molsheim. Und es zeigte sich, dass die Befürchtungen nicht wahr wurden: Sport und Genuss, Lauf und Wein passten bestens zusammen! Das Tempo passte sich dem Anlass an, die Stimmung war auf dem Höhepunkt.

Der Zieleinlauf war ein ganz besonderer Höhepunkt: In geschlossener Formation hüpften und tanzten die hohenzollerischen Sportler zur Freude der Zuschauer über die Linie. Zur Belohnung erhielt jeder neben der obligatorischen Medaille noch eine Flasche Wein und eine praktische Laufweste.

Dass es unbedingt eine Wiederholung gebe muss, darüber waren sich alle einig – eventuell dann ja auch im Médoc…

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Stunden hatte der Marathon gedauert, vier Stunden der halbe. Doch das war angesichts des phantastischen Erlebnisses gänzlich zur Nebensache geworden.

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