Es ist ein sonniger Tag, und die Drohne kreist über dem Festplatz in Rangendingen. Dort ist der Wanderzirkus Salto Mortale seit Mitte März und Beginn der Corona-Krise gestrandet. Das Video, das seit acht Tagen im Internet auf YouTube zu sehen ist, zeigt einen jungen Artisten, der auf den Griffen einer Stehleiter einen eleganten Handstand macht.

Ansonsten herrscht gähnende Leere um ihn herum. Die 18-köpfige Zirkusfamilie des Circus Salto Mortale darf schließlich nicht mehr auftreten oder weiterziehen, und kann nichts anderes gerade machen, als für sich selbst in Form zu bleiben und zu trainieren.

Solidarität in Rangendingen und der Umgebung

Die gelebte Solidarität mit dem unfreiwilligen Schicksal der Zirkusleute ist groß. Nicht nur die Menschen in Rangendingen, sondern aus dem gesamten Zollernalbkreis und dem Nachbar-Landkreis Tübingen wollen der Familie helfen (die HZ berichtete). Die Zirkus-Omi, die 71-jährige Monika Bügler, erinnert sich zum Beispiel gern zurück an einen Landwirt, der elf Bällen Kraftfutter für die zirka 40 Zirkustiere stiftete und herfuhr.
Und eine junge Hufschmiedin kam einmal zum Festplatz nach Rangendingen und bot der Zirkusfamilie spontan und kostenlos ihre Dienste an. Sie kümmerte sich dann mit dem Einverständnis der Zirkusfamilie um die Pferde und deren Hufen. Immer wieder kommen auch Rangendinger Einwohner zu dem gestrandeten Zirkus, bringen für die Tiere Karotten und Brot vorbei. Zumindest in den nächsten Wochen kommt der Zirkus mit dem gespendeten Futter über die Runden.

Kein Verhandeln mit den Versicherungen möglich

Aber nun, in einer Woche, wird es dennoch eng für den in Rangendingen gestrandeten Zirkus. „Es geht um Geld“, sagt Monika Bügler. Ab 1. Juni werden die Versicherungen für die Tiere und den Zirkusbetrieb fällig. Und Salto Mortale kann diese nicht bezahlen, weil er gerade nicht auftreten kann und die Einnahmen fehlen.

Die Versicherungen sind aber essentiell, sie sichern zum Beispiel ab, wenn etwas bei den Aufführungen passiert. So hat die Familie bereits versucht, mit den Versicherungsvertretern zu verhandeln und gefragt, ob sie wegen der Corona-Krise  die Zahlung aussetzen dürfe. Aber auch das ist für die Familie nicht möglich.

Studenten initiieren Spendenaktion

Die Not ist groß, und die Zirkusfamilie ist weiterhin auf Spenden von wohlwollenden Menschen angewiesen. Da kommt ihnen das Video, das junge Studenten bei ihnen auf dem Hof vor ungefähr drei Wochen im Rahmen einer Spendenkampagne gedreht haben, gerade recht. Sie thematisieren darin den auf die harte Existenzprobe gestellten Zirkus. „Die haben ein super Equipment dabei gehabt“, berichtet die 71-jährige Zirkus-Omi. Mit Drohne und Kamera seien sie angerückt. Vermittelt hatte diese Aktion ein befreundeter Schausteller aus dem Raum Herrenberg, Nagold und Calw. Er hatte auch die Idee für den Dreh in Rangendingen.

Alle halten sich trotzdem fit

Und die Zirkusfamilie ist ja immer da, kann nicht viel machen. „Das fällt uns sehr, sehr schwer“, sagt Monika Bügler. Die Familienmitglieder versuchen sich derzeit an vielen anderen Aufgaben, streichen die Manege, verrichten handwerkliche Arbeiten, trainieren ihre artistischen Darbietungen, füttern und bewegen die Tiere, misten deren Ställe aus. Und auch das hält alle in Form.

Bis zum 31. August sind Auftritte voraussichtlich verboten

Dennoch das Fernweh bleibt. „Das 15. Gastspiel hätten wir jetzt schon“, hebt Monika Bügler hervor. Rangendingen war der erste Standort nach der Winterpause. Drei Vorstellungen gab Salto Mortale damals, dann folgte die lange Pause, und ein Ende ist nicht absehbar. „Bis zum 31. August dürfen wird gar nichts machen“, sagt die 71-Jährige. Weder Veranstaltungen geben  noch zu einem neuen Standort wegfahren.

Skepsis: Ob es dann aber wirklich wieder los geht?

Normalerweise legt die Zirkusfamilie im März – nach der Winterpause – richtig los. Die Spiel- und Tour-Saison dauert dann bis Mitte November im beheizten Zelt. Ensingen, Aichhalden und Sulz wären die nächsten Ziele von Monika Bügler und ihrem Team gewesen, aber: „Wie es aussieht, geht es noch ein bisschen länger.“ Dass die Familie Anfang September wieder auftreten darf, glaubt Monika Bügler nicht. Schließlich seien große Traditionsfeste wie die Wiesn in München und  Cannstatter Wasen schon abgesagt worden. Aber: „Wir hoffen noch, dass es danach weiter gehen kann“, sagt Monika Bügler.

Youtube

So können Sie dem Wanderzirkus helfen


Spenden Wer der Zirkusfamilie helfen möchte, kann entweder beim Festplatz (gegenüber der Schule und des kleinen Spielplatzes) in Rangendingen vorbeikommen oder mit dem Betreff „Spende für den Zirkus“ Geld an IBAN DE73 1001 0010 0966 0581 28 (Kontoinhaber: Adriano Bügler) überweisen. In der Vergangenheit waren auch schon Trickbetrüger in Rangendingen unterwegs, die sich als Zirkusfamilie ausgaben, die „wahre“ Zirkusfamilie klingelt aber nicht an den Türen in Rangendingen.

Video Unter dem Account „Manegezu“ haben die jungen Studenten ihren kleinen Film über den Circus Salto Mortale veröffentlicht. Der Link zum Video auf der Internetplattform Youtube lautet: https://www.youtube.com/watch?time_continue=171&v=Sz8IKcEJir4&feature=emb_title.

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Jahre schon verzaubert die Zirkusfamilie in achter Generation das Publikum mit ihrem kunstvollen Programm aus Akrobatik, Feuershow und anderen spektakulären Einlagen.