Die Europäische Union (EU) ist fester Bestandteil aller Bildungspläne der verschiedenen beruflichen Schularten. Dennoch wollte die Kaufmännische Schule Hechingen vor der Europawahl verstärkt auf die Bedeutung des Themas hinweisen und die Schüler für Europa sensibilisieren: „Für die meisten unserer Schülerinnen und Schüler ist die anstehende Europawahl die erste Wahl ihres Lebens, sieht man mal von Klassensprecherwahlen ab. Unser Anliegen ist es, ihnen sowohl die konkrete Relevanz der EU für ihr Leben als auch die Bedeutung ihrer Wahlbeteiligung bewusst zu machen“, erklärte Schulleiter Dr. Roland Plehn die Zielsetzungen der Schule zu Beginn der Abschlussveranstaltung.

Nach zwei Tagen mit Workshops zu unterschiedlichen Europa-Themen war es auch Landrat Günther-Martin Pauli ein großes Anliegen, die Schülerinnen und Schüler für die Kommunal- und Europawahl zum Urnengang zu motivieren: „Bei den letzten Kommunalwahlen lag der Anteil der jungen Wähler im Zollernalbkreis beschämenderweise unter 50 Prozent. Nehmen Sie Ihr Recht wahr, denn schließlich haben Sie die Möglichkeit Entscheidungsträger zu wählen, die über Ihre Zukunft mitentscheiden“, appellierte der Landrat.

Anschließend wurden in verschiedenen Klassenzimmern die Ergebnisse der zweitägigen Workshops präsentiert. Über 200 Schüler aus dem Berufskolleg und dem Wirtschaftsgymnasium hatten die Möglichkeit gehabt, an einem der elf Workshops rund um die Themen Europa und Wahlen teilzunehmen. Deren Inhalte reichten von der geschichtlichen Entwicklung der EU über die aktuellen Debatten zum Brexit bis hin zur europäischen Geldpolitik. Dabei wurde von den Lehrkräften und der Projektleiterinnen, Oberstudienrätin Martina Frey und Studienrätin Anna Lorenz, darauf geachtet, den Schülern unterschiedliche Herangehensweisen zu ermöglichen.

Es gab Workshops, deren Themen zwar schülernah waren, sich aber doch eher etwas abstrakt dem Thema EU nähern. So konnte man sich etwa eingehend in Planspielen mit der Kommunalwahl und der europäischen Flüchtlingspolitik auseinandersetzen, eine Zeitreise von den Anfängen der europäischen Idee bis heute unternehmen, die unter Jugendlichen so umstrittene Urheberrechtreform genauer unter die Lupe nehmen oder sich in der Stuttgarter Filiale der Deutschen Bundesbank mit der europäischen Geldpolitik beschäftigen. In einem weiteren Workshop setzten sich die Schüler mit der aktuellen Frage auseinander, ob Rechtspopulisten die EU gefährden. Der Workshop „Shopping mit und ohne Grenzen“ holte die Schüler am Inhalt ihres Einkaufswagens und Kleiderschranks ab, um hiervon ausgehend deren europäische und globale Dimension zu verdeutlichen. Und im Workshop „Yourope – Was geht?“ konnte man sich konkret über Austauschprogramme, Praktika sowie kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten informieren.

Aber es gab auch Workshops, die sich Europa eher künstlerisch und spielerisch näherten. Dass die Liebe zu Europa auch durch den Magen geht, zeigte der Workshop „Ein kulinarischer Streifzug durch Europas Küchen“, in dem nicht nur gekocht, sondern auch ein kleines Kochbuch mit europäischen Spezialitäten erstellt wurde. In zwei weiteren Workshops konnte man sich künstlerisch mit den Flaggen der EU-Staaten auseinandersetzen oder Spiele zum Thema EU entwerfen.

Während der Workshops hatten die Schüler auch die Möglichkeit, an der Juniorwahl teilzunehmen, um bereits im Vorfeld die Europawahl zu simulieren. Hier konnten auch Schüler, die das Wahlalter noch nicht erreicht haben, wählen.

Landrat Pauli zeigte sich begeistert von den Ergebnissen. In den unterschiedlichen Themenräumen wurden ihm Erklärvideos, Poster und Spiele präsentiert. Er diskutierte immer wieder mit Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften. „Ich finde es toll, was Sie hier auf die Beine gestellt haben“, lobte Pauli sowohl die Schüler als auch die Lehrkräfte und gab der Hoffnung Ausdruck, das Engagement werde auch zu einer höheren Wahlbeteiligung führen.