Bodelshausen Woll-Design-Wettbewerb: Comics und Rüstungen aus Filz

SAMIRA EISELE 07.11.2013
Textildesign-Studentinnen zeigten bei Marc Cain in Bodelshausen kreative Ideen zum Thema Filz. Die Wettbewerbsjury vergab gleich zwei erste Plätze - und am Ende bekamen alle ein Preisgeld.

Von Comic-Streifen auf Seide über fein verwobene "Dialoge" bis zu skurrilen Rüstungen aus dickem Filz war alles dabei: Auf einem silbernen Laufsteg, der sich in einer Welle von der Decke durch das Atrium von Marc Cain in Bodelshausen schwang, wurden die Entwürfe der fünf Teilnehmerinnen des Wettbewerbs "Wool School" ausgestellt. Die geladenen Gäste - und vor allem die Wettbewerbsjury - nahmen die Entwürfe kritisch ins Auge. Die Aufgabe der Studentinnen des Textildesigns an der Akademie der Bildenden Künste aus Stuttgart war es, Filz und andere Materialien frei miteinander zu verarbeiten und dabei zu zeigen, dass dieses Material mehr sein kann als Weihnachts-Untersetzer oder muffelige Ökomode. Für die besten Entwürfe winkte ein Preisgeld von 1500 Euro und die Chance, in die neue Kollektion von Marc Cain aufgenommen zu werden.

Entsprechend besetzt war die Jury: Unter anderem mit Kreativdirektorin Karin Veit von Marc Cain, dem eigens aus Italien angereisten Präsidenten der veranstaltenden Kampagne "Campaign for Wool" Fabrizio Servente und Nikolaus Albrecht, Chefredakteur der Zeitschrift Freundin. Nur Prinz Charles, der Schirmherr der britischen Kampagne, konnte leider nicht nach Bodelshausen kommen. Das verkündete Kampagnenpräsident Fabrizio Servente in charmantem Italo-Englisch: "He wanted to come, but he couldnt" - und leitete damit auf ein Video über, in dem der Prinz von Wales dann persönlich die Vorzüge des Materials Wolle erläuterte. Die Preisverleihung moderierte Schauspielerin Annabelle Mandeng. Marc-Cain-Chef Helmut Schlotterer begrüßte die Gäste und zeigte sich begeistert, dass der Wettbewerb dem Textildesign galt. Einen "außerordentlichen Dank" sprach dann Professor Karl Höing von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste noch den Schafen aus - schließlich kommt das Material Wolle als Naturprodukt von den Tieren.

Und dann wurde es spannend: Die Jury gab die Auszeichnungen bekannt. Weil beide die gleiche Punktzahl erreichten, gab es zwei erste Plätze. Jae Sook Lee, die Mode zum Thema "Dialoge" entworfen und dabei Filz mit anderen Materialien verwoben hatte, bekam das Preisgeld in Höhe von 1500 Euro der Wollfirma Woolmark. Anna Reinhardt wollte "zwei Dinge zusammenbringen, die nicht zusammenpassen" und designte deshalb Comics auf und aus Filz, den sie teilweise sogar aus Seide hergestellt hatte. Dafür bekam sie das Preisgeld von der Firma Marc Cain.

Die Überraschung des Abends bereitete dann Helmut Schlotterer, der auf die Bühne trat und spontan verkündete, den anderen Teilnehmerinnen ebenfalls ein Preisgeld in gleicher Höhe zu spendieren. Die Textildesign-Studentinnen, die ein ganzes Semester an ihren Projekten gearbeitet hatten, freuten sich sichtlich über diese ungewöhnliche Wendung. Drei Strickstücke hat sie schon gekauft, verriet Kreativdirektorin Karin Veit im Gespräch mit der HZ. Diese werde sie in die neue Kollektion einarbeiten. Welche es genau sind und wie die Filzideen dabei verarbeitet werden, wurde allerdings noch nicht verraten.