Bodelshausen Wohlige Wärme aus der Tiefe

Eine Schaubohrung gab es jetzt bei der Friedenskirche in Bodelshausen.
Eine Schaubohrung gab es jetzt bei der Friedenskirche in Bodelshausen. © Foto: Antonia Lezerkoss
Bodelshausen / Antonia Lezerkoss 07.09.2018
Stichwort Erdwärme: Schaubohrung im Beisein von Bürgermeister und Gemeinderat vor der Friedenskirche in Bodelshausen.

Verantwortungsbewusstsein für die Schöpfung, der Wunsch, einen Beitrag zu ressourcenschonender Energiegewinnung zu leisten, eine tiefverwurzelte, ethisch-soziale Gesinnung und nicht zuletzt auch ökonomische Überlegungen brachten uns zu der Entscheidung, die alte Gasbrenner-Heizungsanlage durch eine Erdwärmeheizung zu ersetzen. Künftig wollen wir – wie vom Gesetzgeber vorgesehen – auf fossile Brennstoffe verzichten und den Kirchenraum autark und umweltfreundlich beheizen.“ So lässt sich Pastor Wolf-Dieter Keßler zitieren. Nach sorgfältiger Planung mit der erforderlichen wasserrechtlichen Genehmigung begannen vor wenigen Tagen die ersten Bohrungen zur Erschließung der Erdwärme.

Vor der Kirche wurde ein Sondenfeld aus sieben Erdwärmebohrungen, die bis in eine Tiefe von 100 Meter reichen, erstellt. Eine Woche später war die Bevölkerung eingeladen, bei einer Schaubohrung zuzusehen: In Anwesenheit von Bürgermeister Uwe Ganzenmüller und Vertretern des Gemeindrates war die aktuelle Bohrung, das Einsetzen der Erdwärmesonde und die Verfüllung des Bohrloches mit Zement sowie digitaler Überwachung des Verfüllvorganges zu verfolgen.

Dabei erhielten die Interessierten aufschlussreiche Erklärungen von den Fachleuten. Diplom-Geologe Daniel Viguié erläuterte wesentliche lithostratigraphische Gegebenheiten und vermittelte hierdurch Wissen über den Untergrund des in Bodelshausen am Rand der schwäbischen Alb anstehenden Gesteins. Diese geologische Einheit „Jura“ formiert sich hier aus verschiedenen Schichten des Lias alpha (Arietenkalk, Angulaten-Sandstein, Psilonotenton) und Keuper (Knollenmergel und tiefer gefolgt von Stubensandstein und Bunten Mergelschichten) und wird glücklicherweise den Anforderung für die „oberflächennahe Geothermie“ (bis 400 Meter Tiefe) gerecht.

Darüber hinaus war auch zu erfahren, dass die Wärme der Bodenschichten­ im Schnitt um zirka ein Grad pro 33 Meter ansteigt  (in einer Tiefe von 100 Metern beträgt die Differenz zur Außentemperatur also rund plus 3.5 Grad – geothermischer Gradient). Um Erdwärme für eine Heizung nutzen zu können, muss die Wärme zunächst über einen Wärmetauscher gewonnen werden.

In Bodelshausen wurde eine Erdsonde eingesetzt, die mit einem Bohrgerät tief auf dem Grundstück eingelassen wurde. Im Erdwärmetauscher zirkuliert ein Wasser-Glykol-Gemisch. Das entzieht dem Boden die Wärme und liefert sie an die Wärmepumpe, die sie dann durch Kompression auf das für die Kirche notwendige Temperaturniveau „hochpumpt“. Beide Komponenten sind immer in Abstimmung mit dem Heizwärmebedarf und der langfristigen Nutzung der Immobilie zu dimensionieren.

Keinesfalls darf aus der Sonde Flüssigkeit austreten. Deshalb kommt dem computergesteuerten Verfüllen des Bohrlochs mit einer genau definierten Zement-Mergel-Supension, der zur Kontrolle Magnetit zugesetzt wurde, sicherheitsrelevante Bedeutung zu, wie Walter Erben, Vertreter der Baustoffindustrie und Messtechnik, darlegte.

Heizungsbauer Werner Schilling gab bereitwillig weitere Informationen zur Wärmepumpe und Heizungsanlage. Nach vielen Fragen und einer angeregten Diskussion endete die Schaubohrung mit einem kleinen Imbiss.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel