ALBKAMELE Wo Elvis über die Wiese schaukelt

Es sieht so aus, als würde sich die hübsche Kamelstute Marisol am liebsten selbst hinters Steuer klemmen und mit dem "Albstark"-Team nach Jordanien abdüsen.
Es sieht so aus, als würde sich die hübsche Kamelstute Marisol am liebsten selbst hinters Steuer klemmen und mit dem "Albstark"-Team nach Jordanien abdüsen. © Foto: SPATZAL_A
Höfendorf / ANDREA SPATZAL 09.05.2015
Selbst in Jordanien wird man bald wissen, dass auch auf der Schwäbischen Alb Kamele leben. Die Allgäu-Orient-Rallye wird die Kunde vom "Albkamele"-Hof in Höfendorf in die Welt hinaus tragen.

Es ist ein gutes Jahr für Rolf Müller und sein Team. Der Gründer und Betreiber des "Albkamele"-Hofs in Höfendorf findet für sein Projekt immer mehr Anerkennung und Unterstützung. "Das hat einfach gepasst", sagt das Team "Albstark", das morgen in Oberstaufen zur Allgäu-Orient-Rallye startet. Albstark und Albkamele - nicht nur die Namensvetterschaft hat die Partnerschaft angebahnt. Auch der Einsatz für eine gute Sache eint das Rallyeteam und den idealistischen Kamelhofbetreiber. Rolf Müller leistet mit seinen Tieren therapeutische Arbeit. Bei vielen Behinderungen und Krankheitsbildern, etwa bei Multipler Sklerose oder Schlaganfall, hat sich therapeutisches Kamelreiten als besonders hilfreich und effektiv erwiesen. Um die Tiere auch zu den Patienten befördern zu können, braucht es einen geeigneten Hänger. So ein Kamel kann immerhin bis zu drei Meter hoch werden.

Rolf Müller arbeitet hart für seinen Traum. Um ihn zu finanzieren, geht er einem geregelten Berufsleben nach. Aber jede freie Minute opfert er seinen Tieren und dem Aufbau der Idee, die hinter "Albkamele" steckt: "Ein Freizeitpark ist das hier nicht; hier geht es einzig und allein um die Tiere", sagt der geprüfte Tierpfleger. Aktionstage bei Ferienspielen, Kindergeburtstage und der Verkauf von Kosmetikprodukten aus Kamelmilch bringen zwar Geld ein, aber der Hof ist bislang noch ein Zuschussbetrieb.

Da freut es Rolf Müller natürlich, wenn über die Werbung und den Zuschuss für den Hänger, die das Rallyeteam "Albstark" für ihn einfahren will. Der Betrag wird leider nicht allzu hoch ausfallen, das Geld keinesfalls für den etwa 20 000 Euro teuren Hänger ausreichen. "Wir hatten bei den Spendenaktionen immer Pech mit dem Wetter", erklärt Bettina Peters, Mitglied des "Albstark"-Rallyeteams, warum die Kasse nicht so üppig gefüllt werden konnte. Aber nach und nach entdecken jetzt auch andere Geldgeber den besonderen Charme der "Albkamele". So hat erst vor zwei Tagen Hubert Nessler, Chef der Firma H2O-Objektbetreuung in Wellendingen, zugesagt, als Sponsor die Anschaffung des Hängers zu unterstützen und Müller auch ein Zugfahrzeug zur Verfügung zu stellen.

Auf dem Kamelhof hat sich seit letzten Sommer ohnehin einiges getan. Man ist umgezogen auf ein Gelände in der Trillfinger Straße. Auch hier war es wieder die Großzügigkeit des Grundstückbesitzers, auf die Rolf Müller bauen konnte: Die Pacht ist moderat. Zwei Kamelhengste - Breitling und Sandokan - hat Müller inzwischen verkauft, dafür die beiden Renn- und Reitkamele Humphrey (17) und Elvis (20 ) erworben. Die Wallache sind riesig, überragen die Stute Marisol und den jungen Hengst Said um einen ganzen Meter. Der jüngste Zugang ist ein 14 Monate altes Trampeltier namens Shanaja. Sie ist krank, wurde in Norddeutschland vom Veterinäramt beschlagnahmt. Rolf Müller päppelt es gerade hoch. Wird Shanaja gesund, sind auf dem Kamelhof alle Großkamelarten vertreten: Dromedare, Trampeltiere sowie die Kreuzung aus beiden, die Tulus. Ach ja: Zusammen mit Elvis und Humphrey kamen auch noch die beiden Schweine Zwiebel und Motte auf den Hof.

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