Aufklärung Andrang bei Infoabend zum Thema Windenergie

Das Sportheim konnte die am Thema Windkraft interessierten Rangendinger am Donnerstagabend kaum fassen.
Das Sportheim konnte die am Thema Windkraft interessierten Rangendinger am Donnerstagabend kaum fassen. © Foto: Sabine Hegele
Rangendingen / Sabine Hegele 05.05.2017

Wind ist eine saubere und rentable Energieerzeugung – wenn genügend Wind bläst. Daran ließ Hansjörg Jung aus Herrenberg keinen Zweifel. Allerdings, machte er am Donnerstagabend im Rahmen der Informationsveranstaltung zum Thema Windkraft in Rangendingen vor gut 200 Interessierten deutlich: „Baden-Württemberg ist das windschwächste Bundesland.“ Belegt durch den Windenergieatlas von 2012. Insgesamt stehen heute 572 Windräder im Ländle, allein im vergangenen Jahr gab es einen Zubau von 124. Die meisten Windräder stehen im Tauberkreis.

Zu berücksichtigen gebe es beim Bau von Windkraftanlagen  einiges. Zum Beispiel die Beschaffenheit des Waldes oder die Rauigkeit des Bodens. Wissen müsse man, dass eine höhere Anlage immer mehr Ertrag abwerfe als die Baukosten für die Höhe ausmachen. Und: Erst bei zwölf Metern pro Sekunde erreiche ein Windrad seine Nennleistung. Mehr sei in diesem Falle nicht mehr, denn bei Sturm „ist Ende“. Heißt so viel wie: Dann muss das Rad abgeschaltet werden.

Zahlen dazu parat hatte Hansjörg Jung, als Berater für Bürgerinitiativen gegen Windkraft im ganzen Land unterwegs, auch. In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2013 lediglich 809 Volllaststunden ermittelt, 2014 waren es 1033.

Vor diesem Hintergrund empfahl der Referent den Windkraftgegnern, in jedem Fall auf zwei unabhängige zertifizierte Windgutachten zu beharren. Auch ein hydrologisches Gutachten nannte er wichtig. Denn erst bei einer Leistung von sechs Metern pro Sekunde in Nabenhöhe beginne die Wirtschaftlichkeit. Wobei der Windatlas für Baden-Württemberg fehlerbehaftet sei. Denn nicht berücksichtigt würde, dass Baden-Württemberg nicht flach, sondern „hügelig“ sei. Des Weiteren sei die Wirtschaftlichkeitsberechnung unvollständig.

Bei der Windmessung vorab sei darauf zu achten, dass sie auf mindestens zwölf Monate und im Zehn-Minuten-Takt erfolgt, wobei der Messmast auf mindestens zwei Drittel der Nabenhöhe stehen müsse – und nicht weiter als zwei Kilometer entfernt zum geplanten Anlagen-Standort. Man merke sich, legte der Experte nahe: „Je schlechter die Windwerte im Windatlas sind, desto mehr Geld ist für die Windmessung auszugeben.“ Ausführungen machte Jung auch zum Natur- und Artenschutz nach dem „Helgoländer Papier“. Dieses komme in Baden-Württemberg nicht voll umfänglich zum Tragen – für den Rotmilan beispielsweise gelte ein Horst-Abstand von 1000 Metern, während dieser im überarbeiteten Papier auf 1500 Meter erhöht wurde. Nicht unterschätzt werden dürften ferner die Folgen für die Fledermäuse. Sie hätten massiv unter den Luftdruckschwankungen zu leiden, die mit einem rotierenden Windrad einher gingen.

Erheblich sei auch der Eingriff in den Forst. Denn um ein Windrad zu postieren, brauche es ein Fundament mit einem Durchmesser von 20 Metern und mehr – bei einer Tief von 1,6 bis 3,6 Metern. Der gesamte Flächenbedarf bewege sich bei mehreren Tausend Quadratmetern. eine Möglichkeit des Ausgleichs sei die Ersatzaufforstung – so denn machbar.

Von selbst versteht sich für Hansjörg Jung die Beeinträchtigung für den Menschen. 1000 Meter Abstand zur Wohnbebauung nannte er zu wenig; aufgrund der Impusllsgeräusche (ähnlich einem Türeschlagen) hält er Nachtabschaltzeiten oder zumindest einen schallreduzierten Betrieb der Windräder für dringend geboten. Beides wurde so in Bayern beziehungsweise im Ortenaukreis schon verfügt.

Zum Stichwort Infraschall informierte er über eine am 25. Februar des vergangenen Jahres eingereichte Verfassungsklage wegen „körperlicher Unversehrtheit“, die nach Zurückweisung zwischenzeitlich beim Verwaltungsgericht anhängig ist.

Ausführlich über den Infraschall berichtete an Donnerstagabend der in Rangendingen beheimatete Wissenschaftler Dr. Wolfgang Müller. Dritter Referent an diesem Abend war Walter Müller. Was die beiden den Rangendingern mit auf den Weg gaben, darüber werden wir noch berichten.

Eröffnet hatte den Informationsabend im übrigen Wolfgang Vötsch, stellvertretend für die besorgten Bürgerinnen und Bürger aus dem Gebiet „Hohwacht“, die sich der Bürgerinitiative „Gegenwind Hohenzollern“ angeschlossen haben. Diese wurde von Alexander Siedler, einem ihrer Mitbegründer, vorgestellt. Auch nutzte er die Gelegenheit, auf das Ende der Einspruchsfrist  am 31. Mai hinzuweisen. Am Tag davor „möchten wir mit ein paar Waschkörben voller Einwendungen nach Mössingen zum Regionalverband fahren“, ließ er wissen.

31

Mai. An diesem Mittwoch endet die Einspruchsfrist. Bis dahin müssen die Einwände und Bedenken gegen die geplante Windkraftanlage im Dreiländereck Rangendingen-Haigerloch-Grosselfingen schriftlich oder per E-Mail beim Regionalverband eingereicht sein.