Hechingen Wer hat den Krug nun zerbrochen?

Die Schauspieler der badischen Landesbühne glänzten in der Hechinger Stadthalle mit "Der zerbrochne Krug" von Kleist. Foto: Antonia Lezerkoss
Die Schauspieler der badischen Landesbühne glänzten in der Hechinger Stadthalle mit "Der zerbrochne Krug" von Kleist. Foto: Antonia Lezerkoss
Hechingen / ANTONIA LEZERKOSS 31.03.2012
Die Aufführung des Lustspiels "Der zerbrochne Krug" von Heinrich Kleist in der Hechinger Stadthalle "Museum" durch das Ensemble der badischen Landesbühne war überaus gelungen.

Die bekannte Geschichte des korrupten Dorfrichters Adam, der gegen sich selbst ermitteln muss, war von Carsten Ramm glänzend inszeniert und die Darsteller überzeugten durch eine rundum gute schauspielerische Leistung.

Dorfrichter Adam (René Laier) ist in einer schwierigen Lage. Er sitzt zu Gericht, um herauszufinden, wer des nächtens in die Kammer einer Jungfer einstieg und bei seiner überstürzten Flucht einen wertvollen Krug zerdepperte. Der Richter kennt die Wahrheit, denn der Übeltäter auf der Balz war er selbst.

Am Morgen hatte Schreiber Licht (Philipp Dürschmied) den Dorfrichter Adam jämmerlich zugerichtet angetroffen. Unglücklicherweise wird an diesem Gerichtstag auch noch die Ankunft des Gerichtsrats Walter (Stefan Holm) vermeldet. Dieser möchte auf seiner Revisionsreise der Sitzung beiwohnen. Peinlich für den Dorfrichter, weil seine Amtsperücke nicht aufzufinden ist. Gerichtsrat Walter wird Zeuge, wie Marthe Rull (Barbara Bernt) den Freund ihrer Tochter Eve (Sandra Pohl), den Ruprecht (Matthias Hinz) anklagt, ihren wertvollen Krug zerbrochen zu haben. Sie hat die Scherben bei ihrer Tochter Eve gefunden. Ruprecht wiederum behauptet, einen Fremden beobachtet zu haben, der durchs Fenster des Zimmers seiner Verlobten geflohen sei und dabei den Krug vom Kaminsims gefegt hätte.

Überraschenderweise bemüht sich Dorfrichter Adam nicht allzusehr um Aufklärung. Im Laufe der Geschichte erfährt man Stück für Stück mehr über die Hintergründe und Motivationen der einzelnen Akteure. Weshalb kommt nebst Dorfrichter Adam auch dem Gerichtsrat Walter eine ganz entscheidende Bedeutung zu? Vertritt dieser als Vertreter des Rechtsstaats denn nicht die Gerechtigkeit, das Recht des Bürgers? Und welche Rolle spielt Eve im ganzen Geschehen?

Mit einer Mischung aus Situationskomik und ernsthafter Thematik geht Heinrich von Kleists Komödie diesen Fragen auf den Grund.

Erheitert und vergnügt verfolgte das Publikum, darunter viele Schülerinnen und Schüler, das Bühnengeschehen. Eine sehr temperamentvolle Barbara Bernt als Marthe Rull, verbissen darauf, die Ehre ihrer Tochter zu retten und Ruprecht als Täter festzumachen, legte mit Körpersprache und Gestik ausführlich dar, welche Bedeutung der Krug hatte, indem sie ihn zum zum historischen Juwel hochstilisierte. Auch René Laier wusste den Charakter des Dorfrichters Adam bravourös umzusetzen und spielte virtuos, aber bei aller Komik nicht karikaturenhaft. Dabei bewies er blitzschnelle Wandlungsfähigkeit vom Lügenden zum Fluchenden, vom Leidenden zum Kämpfenden, vom Grübelnden zum Angreifenden. Großartig war Stefan Holm als aufmerksam beobachtender Gerichtsrat Walter; Holm spielte die Autorität mit viel Geschick so, dass man bald wusste: Hier will einer nur den Schein wahren.

Auch sonst versammelte der Regisseur vorzügliche Schauspieler um den zerbrochenen Krug. Mathias Hinz gab den ungestümen Jugendlichen, der Unmut, Unwillen und auch Unbehagen perfekt vermittelte. Keck und unverblümt spielte Alice Katharina Schmidt in schicken Jeans ihre Rolle. Hannes Hochmann als Veit Tümpel ist einen Theaterbesuch wert. Und Sandra Pohl zeichnete eine um ihre große Liebe mit allen Mitteln kämpfende Eve wunderbar zart und zugleich kräftig und mädchenhaft. Zwischen beamtischer Unterwürfigkeit und Karrierestreben hin und her gerissen, verkörperte Philipp Dürschmied die Figur des Schreibers Licht überzeugend. Ein schlichtes Bühnenbild ermöglichte den Schauspielern große Gestaltungsfreiheit.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel