Hechingen Einbruchserie: Opfer schildern ihre Ängste

Von Oktober bis Dezember 2017 verübte eine Bande über 20 Einbrüche in der Region Hohenzollern. Die Opfer vom Nikolaustag dieses Jahres schilderten ihre Erlebnisse am Donnerstag vor dem Amtsgericht Hechingen (Symbolfoto).
Von Oktober bis Dezember 2017 verübte eine Bande über 20 Einbrüche in der Region Hohenzollern. Die Opfer vom Nikolaustag dieses Jahres schilderten ihre Erlebnisse am Donnerstag vor dem Amtsgericht Hechingen (Symbolfoto). © Foto: Archiv
Hechingen / Matthias Badura 10.08.2018
Weitere Opfer aus der Region schilderten am Donnerstag, wie sie die Einbrüche der großen Serie vom Jahr 2017 erlebten.

Die einen Opfer eines Einbruchs kommen leichter über das Erlebnis hinweg, die anderen schwerer. Ganz schwer nehmen einen solchen Vorfall offenbar Kinder. Wie ein Vater aus Wehingen am Donnerstag vor dem Landgericht Hechingen berichtete, will seine fünfjährige Tochter nicht mehr alleine im Zimmer schlafen, seit das Haus der Familie am Nikolaustag 2017 heimgesucht wurde. Und der kleine Sohn lebt beständig in der Angst, es könnte brennen. Grund: Der Vater hatte ihm stets versprochen: „Bei uns wird nicht eingebrochen und es brennt auch nicht.“ Nun hatte sich das Versprechen als unzuverlässig erwiesen. Warum, so die Logik des Jungen, soll dann nicht demnächst auch ein Feuer ausbrechen?

Bei einer Geschädigten aus Schömberg hatte sich ein Einbruch der wohl selben Täter ebenfalls am Nikolaustag ereignet. Wie sie sagte, fühle sie sich heute etwas besser. Doch in den Wochen nach der Tat habe sie sich in ihrem Haus gefürchtet, ständig habe Licht brennen müssen. Und immer hätten Geräusche sie erschreckt. Geräusche, die womöglich gar nicht da waren. Eine Junginger Geschädigte hat, wie sie selber sagt, den Einbruch in ihr Haus „gut verkraftet“. Man habe ja gar keine andere Wahl. Wie die vorigen hatte auch ihr Haus am 6. Dezember 2017 ungebetenen Besuch erhalten. Während die Täter bei den anderen aber erfolglos abziehen mussten, machten sie hier eine passable Beute. Sie und ihr Mann, sagte die Jungingerin weiter, hätten vor, ihr Heim künftig besser zu schützen. Sie hätten aber nicht vor, sich wegen dieser Sache „einzubunkern“.

Ein viertes Opfer vom vergangenen Nikolaustag gehört zu jenen Geschädigten, die den Einbruch entdeckten, als die Täter noch im Haus waren. Wie die Frau aus Deilingen erzählte, habe sie beim Betreten ihrer Garage ein Poltern im vermeintlich leeren Haus gehört. Eine Dachlawine? Sie habe die Garage verlassen, um nachzuschauen. Da sie keinen Schneehaufen liegen sah, sei sie ins Haus zurückgekehrt. Als sie jedoch drinnen ihre Terrassentür eingeschlagen und offen stehen sah, habe sie sofort begriffen, was oder wer da gepoltert hatte. Ohne nochmals nachzudenken sei sie aus dem Haus gerannt, habe dann die Polizei gerufen.

Insgesamt 22 Fälle, die sich von Oktober bis Dezember vergangenen Jahres in der ganzen Region ereigneten, legt Staatsanwalt Markus Engel den drei Angeklagten zur Last. In fast allen drangen die Täter durch die Terrassentür oder durch ein Fenster ins Innere der Häuser. Brachiale Gewalt wendeten sie eher selten an. Vielfach stachen sie mit einem Schraubenzieher oder etwas Ähnlichem zwischen dem Rahmen und dem Glas hindurch und hebelten dann damit den Fenster- oder Türgriff auf.

Einer der drei Angeklagten, ein Albaner, hat am zweiten Prozesstag im Juli einen Großteil der Taten eingeräumt und die Opfer um Entschuldigung gebeten. Sein albanischer Freund äußerte sich bisher nicht zu den Taten, aber immerhin erzählte er über sich und sein Leben. Der dritte Angeklagte schweigt völlig. Bei ihm handelt es sich um einen italienischen Staatsangehörigen. Anders als die Albaner ist er der deutschen Sprache mächtig und im Prozess nicht auf einen Dolmetscher angewiesen.

Der Verhandlungstag endete damit, dass der Vorsitzende diesen beiden nochmals nahelegte, sich zu den Vorwürfen zu äußern, sich zu ihren Taten zu bekennen. Es sei für alle Beteiligten das Beste.

Erst im September geht es weiter

Pause Der Prozess am Hechinger Landgericht gegen ein mutmaßliches Einbrechertrio macht Pause. Der nächste Prozesstag ist am 3. September. Beginn 9 Uhr.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel