Hechingen / HZ

Nach vier Jahren Entwicklungsarbeit steht in Tübingen-Hirschau die erste Textilbeton-Garage kurz vor der Zulassung. Bei der Weltneuheit, die aus einer Kooperation von Beton Kemmler mit der Albstädter Solidian GmbH hervorgegangen ist, wurden die herkömmlichen Stahlarmierungen im Beton durch Carbon- und Glasfaserbewehrungen ersetzt. „Aus Stahlbeton wird so Textilbeton“, erklärt Beton-Kemmler-Geschäftsführer Martin Heimrich die Innovation: „Die Fertiggaragen, die wir aus diesem neuen Materialverbund herstellen, haben dünnere Wände, sind leichter und umweltschonender in der Produktion“.

Die ersten beiden Textilbeton-Garagen sind schon verkauft. Voraussichtlich im Mai werden sie auf dem Gelände der Hechinger Kreismülldeponie stehen, wo derzeit das Wertstoffzentrum modernisiert wird „Wir freuen uns, eine solche Innovation aus der Region unterstützen zu dürfen“, erklärt der Leiter des Abfallwirtschaftsamts aus Balingen, Friedrich Scholte-Reh.

Industriell herstellen will Beton Kemmler die ersten Fertiggaragen aus dem textilbewehrten Beton spätestens ab dem Sommer. Bereits in der Vergangenheit machte das 270 Mitarbeiter große Unternehmen aus der Tübinger Firmenfamilie Kemmler durch zahlreiche Innovations- und Designpreise auf sich aufmerksam. Beton Kemmler ist überdies der Marktführer für Fertiggaragen in Baden-Württemberg. Die Liste der Argumente, die für den Einsatz der gitterförmigen Carbon- und Glasfaserbewehrungen bei Betonfertiggaragen sprechen, ist lang: „Sie oxidieren nicht“, erklärt Dr. Christian Kulas, der Abteilungsleiter für Textilbeton bei Solidian ist. Der wichtigste Vorteil: Um die Stahlarmierungen vor Rost zu schützen, müssen sie bei Garagen mit mindestens zwei Zentimetern Beton überdeckt werden, bei den Textilbewehrungen genügen wenige Millimeter. Die Wände können deshalb deutlich schlanker ausfallen. Statt 16 Tonnen wiegt eine Standardgarage in der Folge nur noch elf. Neben einer langen Haltbarkeit überzeugen die Bewehrungen im Textilbeton auch durch eine hohe Formstabilität und durch eine bis zu sechs Mal höhere Zugfestigkeit im Vergleich zu konventionellem Stahlbeton.

Was den Einsatz der neuen Technologie für Beton Kemmler allerdings so interessant macht, ist vor allem die hohe Materialersparnis: „Durch die einzigartig schlanke Bauweise können wir den Bedarf an Beton um bis zu 30 Prozent reduzieren“, rechnet der Leiter der Garagen-Abteilung, Herbert Fischer, vor. Durch die neue Bauweise der Fertiggaragen lasse sich der Ausstoß des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid im Vergleich zur herkömmlichen Garage mindestens um ein Drittel senken. „Dazu kommen reduzierte Kosten bei der Logistik, denn leichtere Garagen lassen sich günstiger und umweltschonender transportieren“, ergänzt Heimrich.

Im vergangenen Jahr haben Beton Kemmler und Solidian gemeinsam den Antrag für eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung der Fertiggaragen aus Textilbeton beim Deutschen Institut für Bautechnik eingereicht. „Wir erwarten den positiven Bescheid im Frühjahr“, sagt Heimrich. Nach der langen Entwicklungsarbeit ist dieser eigentlich nur noch eine Formsache. Seit 2012 lief das gemeinsame Entwicklungsprojekt der beiden Unternehmen. Beton Kemmler hat insgesamt fünf Prototypen gefertigt. „Die umfangreichen Belastungstests haben gezeigt, wie vielseitig der neue Baustoff ist“, betont Solidian-Chef Roland Karle. Er war es, der auf der Suche nach einem Kooperationspartner für das Projekt vor vier Jahren auf Beton Kemmler zugekommen ist. Im Herbst 2013 wurde die Solidian GmbH gegründet. Gestartet ist das Unternehmen mit acht Mitarbeitern. Heute sind es 170. Neben dem Fertiggaragenprojekt hat Solidian bereits mehrere Textilbetonbrücken gebaut und ist mit seinen Textilarmierungen auch im Fassadenbau erfolgreich.

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Tonnen wiegt eine innovative Garage aus Textilbeton, fünf Tonnen weniger als eine herkömmliche Garage. Das schon Ressourcen. Dafür ist sie deutlich haltbarer und formstabiler.