Hechingen Weiterer Prozess um Tumult am Schloßplatz

Am 18. Dezember 2015 gab es auf dem Schloßplatz in Hechingen eine Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe junger Männer und der Polizei. Einer der Männer der stand nun vor Gericht, weil er seinen Strafbefehl nicht akzeptieren wollte.
Am 18. Dezember 2015 gab es auf dem Schloßplatz in Hechingen eine Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe junger Männer und der Polizei. Einer der Männer der stand nun vor Gericht, weil er seinen Strafbefehl nicht akzeptieren wollte. © Foto: Archiv/Judith Midinet
Hechingen / Judith Midinet 14.03.2018

Der Streit zwischen der Polizei und einer Gruppe junger Männer, der am 18. Dezember 2015 auf dem Schloßplatz in Hechingen eskalierte (wir berichteten), ist am Dienstag erneut Gegenstand einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Hechingen gewesen. Angeklagt war ein 29-Jähriger, der Einspruch gegen seinen Strafbefehl eingelegt hatte. Der Mann, der zwischenzeitlich in Frankreich lebt, war zum eigentlichen Prozesstermin vor einem Jahr nicht erschienen. Die vier anderen Angeklagten von damals sind zwischenzeitlich rechtskräftig verurteilt.

Der Angeklagte beschrieb sich selbst eher als Außenstehenden während des Vorfalls. Er und Freunde standen am Auto, weil sie nach einem Barbesuch noch weiterziehen wollten. Dann seien Hilfeschreie zu hören gewesen, ein junger Mann und ein Polizist auf dem Boden gelegen. Die Polizei hätte immer wieder „Abstand halten“ gerufen und schließlich Pfefferspray eingesetzt. Obwohl er in drei bis vier Metern Abstand zum Geschehen stand, so gab es der Angeklagte an, habe er eine Ladung Spray abbekommen. Daraufhin sei er in einen nahe gelegenen Döner-Imbiss, um sich das Gesicht zu waschen. Der 29-Jährige stritt ab, in irgendeiner Form am Widerstand gegen die Polizeibeamten beteiligt gewesen zu sein. Alles entscheidende Frage vor Gericht war deshalb, ob er der Mann mit Schal auf einem der Beweisvideos ist. Dessen Gesicht war wohl schwer zu erkennen, offensichtlich ist aber, dass er eine Dose in Richtung des Kopfes einer der Beamten wirft. „Zu diesem Zeitpunkt war ich nicht mehr da“, sagte der Angeklagte. Anderer Meinung war einer der Polizeibeamten, der am Dienstag als Zeuge vor Gericht aussagte. Zwar hätten er und seine Kollegen zu Beginn der Ermittlungen keinen Namen zu „dem Mann mit dem Schal“ zuordnen können. Doch sein Gesicht habe er „aus dem Hechinger Stadtbild“ gekannt. Eine Recherche über Facebook habe zu dem Profilbild des 29-Jährigen geführt, mit dem er ihn identifizieren konnte.

Richterin Irene Schilling und auch die Staatsanwaltschaft machten den Angeklagten darauf aufmerksam, dass mit der Aussage des Polizisten die Strafzumessung im Urteil wesentlich höher ausfallen könnte als im angefochtenen Strafbefehl. Der Rechtsanwalt des 29-Jährigen zog daraufhin den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück. Der Angeklagte muss nun als Strafe 90 Tagessätze à 45 Euro, also 4050 Euro zahlen.

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