Hechingen Weiße Väter haben schon einen Fanclub

Hechingen / Andrea Spatzal 07.12.2018
Seit 150 Jahren gibt es die Weißen Väter. Seit elf Monaten leben einige in Hechingen. In St. Luzen stellten sie sich vor.

Die Weißen Väter sind vor elf Monaten in Hechingen gelandet und haben schon einen kleinen Fanclub. Der fand sich am Mittwochabend im Bildungshaus St. Luzen ein, um mehr über die Afrikamissionare zu erfahren, die Anfang des Jahres aus ihrem großen alten Missionshaus in Haigerloch ins renovierte Marienheim in Hechingen umgezogen sind. Zwölf Weiße Väter leben in der Gemeinschaft, ein Pater und zwei Schwestern neben an im Pflegeheim St. Elisabeth.

Jeden Komfort haben die zum Teil hochbetagten Afrikamissionare in ihrem neuen, barrierefreien Domizil. Ganz anders, als sie es gewohnt sind, denn die Gemeinschaft war immer bekannt für ihre strenge Erziehung und spartanische Lebensweise, wie Pater Franz Pfaff in seinem interessanten Vortrag feststellte. Damals sei einem ungehorsamen Bub schon mal damit gedroht worden, ihn ins Missionshaus zu stecken, wenn er nicht brav ist.

Der Informationsabend im Bildungshaus St. Luzen war ein Angebot der Weißen Väter, sie besser kennenzulernen. Außerdem diente das Treffen der Vorbereitung des 150-jährigen Bestehens der Ordensgemeinschaft, die am kommenden Sonntag, 9. Dezember, gefeiert wird. In der Stiftskirche Hechingen findet um 10.30 Uhr ein Festgottesdienst statt.

Superior Albert Schrenk stellte fest: „Wir fangen an, in Hechingen heimisch zu werden“. Die Patres seien „froh, in der Pfarrei mitarbeiten zu dürfen“. Bis nach Balingen reiche der Wirkungskreis der Gemeinschaft. Pater Schrenk lud die Anwesenden und alle Hechinger ein, am Sonntag in die Kirche zu kommen.

Es wird am Sonntag einen seltenen Anblick geben, denn einige der Patres werden zu diesem besonderen Anlass ihre weiße Tracht anlegen. Die weißen Gewänder, die den Patres ihren Namen gaben, und die arabische Gewänder nachahmen sollten, wurden recht bald gegen „landestypische Kleidung“ ersetzt. Auch der Name wurde geändert. „Gesellschaft der Missionare von Afrika“ heißen die Weißen Väter offiziell, um den rassistischen Unterton, der mit dem Wort weiß verbunden werden kann, auszumerzen.

Strohmatratze und Eiswasser

Pater Schrenk, der aus einer Haigerlocher Familie stammt, aus der fünf Missionare hervorgingen, stellte am Mittwoch jeden seiner zwölf Mitbrüder und auch die beiden Schwestern einzeln vor. Die Ältesten sind über 90, der jüngste ist 73. „Wir werden älter und Jüngere aus Deutschland kommen nicht mehr nach“, stellte Schrenk fest. Dennoch hätten die Afrikamissionare keine Nachwuchssorgen. Der Nachwuchs komme heute aus Afrika, Indien, Mexiko und den Philippinen.

Franz Pfaff, der unermüdliche Pilger in der Gruppe, erzählte aus der Geschichte der Ordensgemeinschaft und aus der Praxis der Missionsarbeit. Der Gründer der Weißen Väter, Charles Martial Lavigerie, habe sich an der Ignazischen Spiritualität orientiert. „Ignaz war ein Soldat und legte größten Wert auf Gehorsam“, erläuterte Pfaff. Luxus und Verweichlichung waren verpönt, auch im Missionshaus in Haigerloch: „Die Schlafsäle waren unbeheizt, die Matratzen mit Stroh gefüllt, das Wasser im Waschbecken im Winter gefroren“, schilderte Pfaff den Alltag der Missionsschüler, die so auf das entbehrungsreiche Leben in den Einsatzgebieten vorbereitet wurden. „Es wimmelt vor Ratten, wenn man eine tötet, kommen zehn zum Begräbnis“, schrieb ein junger Missionar in einem Brief nach Hause.

„Wir waren Handwerker und Prediger“, berichtete Pater Pfaff. Menschen wie Lavigerie seien „aufgestanden, um für die Würde der Menschen in den Kolonien und gegen Sklaverei zu kämpfen“. Auch an die „turbulenten Zeiten“ des Umbruchs in den 60er-Jahren, als aus den Kolonien unabhängige Länder wurden, erinnerte Pater Pfaff in seinem Vortrag. Heute könne er sich von den Schülern, die er vor 50 Jahren Lesen und Schreiben gelehrt hat, den Umgang mit einem Computer erklären lassen, merkte der Missionar abschließend an.

So feiert Lydia Weihnachten

Ebenso heiter wie auch traurig und dramatisch waren anschließend die kleinen Geschichten von Pater Adolf Pottrick, der 33 Jahre als Missionar in Tansania wirkte. Die Anwesenden begrüßte er als „Fanclub der Weißen Väter“. Unter anderem erzählte der Pater die Weihnachtsgeschichte von Lydia. Die Afrikanerin habe Schmerzen erfunden, um über sich über die Festtage im Krankenhaus ausschlafen zu können, weg von ihrem ewig nörgelnden und fordernden Ehemann.

Zum Abschluss wurde noch ein 30 Jahre altes Video über die Missionarsfamilie Schrenk gezeigt.

Dann waren alle zu einem Umtrunk eingeladen, wozu Pfarrer Michael Knaus und Mitglieder des Pfarrgemeinderats eintrafen.

Weihnachtsaktion der HZ für das Zachäus-Haus

Dem Zachäus-Haus ist die Weihnachtsaktion der HZ gewidmet. Mit den Spenden soll für das Heim für körperbehinderte Kinder in Burundi ein neuer Lastwagen angeschafft werden. Angeregt hat die Einrichtung der 1987 verstorbene Pater Zachäus Knoll, der seit 1953 in Afrika als Missionar der Weißen Väter arbeitete.
Spendenkonto: Sparkasse Zollern­alb. DE 20 6535 1260 0077 0400 00; Stichwort: „Gute Taten“.

13

-tausend Missionare sind als Weiße Väter im Einsatz, 97 von ihnen leben in Deutschland, aufgeteilt in sechs Gemeinschaften. Die Leitung der Ordensgemeinschaft sitzt in Köln.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel