Hechingen Wege des (Ab-)Wassers

Hechingen / SABINE HEGELE 16.08.2012
A-F-F-Anlage - was ist das? Knapp zwei Dutzend Leserinnen und Leser wissen es, seit sie auf Einladung der HZ die Hechinger Kläranlage besucht haben. A-F-F steht für Adsorptions-Flockungs-Filtrations-(Anlage)!

Die HZ hat im Rahmen ihrer Türöffner-Aktionen nicht nur kulturelle Stätten im Angebot - nein: Am Dienstag besuchte sie mit einer Gruppe interessierter Leserinnen und Leser die Hechinger Kläranlage.

Eine Leserstimme nach der gut eineinhalbstündigen Führung durch Betriebsleiter Wolfgang Gehring: "Wenn im Hechinger Gemeinderat wieder einmal über anstehende Investitionen in die Kläranlage beraten wird, weiß ich, warum diese immer so kostspielig sind."

Das ist wohl wahr. Weil die Kläranlage über Einrichtungen verfügt, denen man, ohne ihre Funktion auch nur zu erahnen, ansieht, dass sie ein Vermögen wert sein müssen. Modernste Technik eben!

Die ist heute nötig, um dem stets neuen Auflagen unterliegenden Standard der Abwasser-Reinigung gerecht werden zu können. Das fängt beim Zulauf an und endet bei der genannten Adsorptions-Flockungs-Filtrations-Anlage.

Betriebsleiter Wolfgang Gehring und der als Ver- und Entsorger auf der Anlage beschäftigte Nicki Raiser führten die Lesergruppe von einer Station zur nächsten - in der Reihenfolge, die das zu reinigende Wasser und der Schlamm nehmen.

An Nummer eins stehen der Zulauf und das Regenklärbecken, gefolgt von der Rechenanlage. Dort wird das Abwasser von Grobstoffen befreit. Im belüfteten Sand- und Fettfang werden dem verschmutzten Nass mineralische Stoffe wie Sand, Kies oder Steine und ebenso Fette und Öle entnommen. Im Vorklärbecken werden so genannte Sink- und Schwimm-Schlammstoffe abgeschieden, ehe es in der biologischen Stufe - im Belebungsbecken - zur natürlichen Selbstreinigung des Wassers kommt. Mit Hilfe von Mikro-Organismen werden zusätzlich Kohlenstoff-, Stickstoff- und Phosphor-Verbindungen abgebaut.

Im nächsten Schritt, inzwischen hat das Wasser das Nachklärbecken erreicht, findet die Trennung in eine untere Schlamm- und eine obere Wasserzone statt. Der überschüssige Schlamm wird in einer Siebschnecke auf etwa ein Zehntel seines ursprünglichen Volumens eingedickt und anschließend in die Faulbehälter gepumpt. Dabei entsteht in selbigen hochwertiges Methangas, das im Kläranlage-eigenen Blockheitkraftwerk zur Stromerzeugung genutzt wird.

Am Ende schließlich, nach der Schlammentwässerung und -entsorgung, steht die Reststoffentnahme - in der A-F-F-Anlage. Hier wird Aktivkohle zugesetzt. Sie adsorbiert Farbstoffe sowie schwer zu entfernende Schmutzstoffe.

Nach dieser Lehrstunde wars Zeit für einen kleinen Imbiss. Und das zwanglose Gespräch, in dem Wolfgang Gehring und Nicki Raiser gerne auf noch offene Fragen zu ihrer höchst anspruchsvollen Tätigkeit eingingen.