Es klappert die Mühle am rauschenden Bach, heißt es in einem bekannten Volkslied, in dem das Motiv des „täglichen Brotes“ aus dem „Vaterunser“ aufgegriffen wird. Und seit  1994 ist der Pfingstmontag auch Deutscher Mühlentag. Was läge da näher, als beide Anlässe zu verbinden und den Gottesdienst bei einer Mühle zu feiern? So dachten es sich wohl der katholische Hechinger Stadtpfarrer Michael Knaus und sein evangelischer Kollege Pfarrer Frank Steiner, als ihnen die Idee für einen Mühlengottesdienst in den Sinn kam. Ein geeigneter Veranstaltungsort war schnell gefunden: Die Sägemühle der Familie Merz in Stein, deren großzügiges Gelände am Starzelufer die idealen Rahmenbedingungen bot.

Wie gut die Idee bei Menschen beider Konfessionen ankam, war an der überragenden Resonanz abzulesen. Immer mehr Besucher strömten am Morgen des Pfingstmontags zur Steinemer Mühle. Viele von ihnen hatten trotz des bewölkten Himmels eine kleine Fahrradtour gewagt und kamen aus Hechingen, den Teilorten oder auch aus Rangendingen angeradelt.

„Wir müssen etwas beichten, denn wir waren kleingläubig“, gestand Pfarrer Frank Steiner zu Beginn mit einem Augenzwinkern: Niemals hätten er und sein Kollege Michael Knaus damit gerechnet, dass sich so viele Besucher einfinden würden. Wie gut, dass die Familie Merz noch viele Stühle und Bänke auf Lager hatte, die schnell herbei geholt wurden.

Den musikalischen Einstieg in den Gottesdienst mit ganz viel Premierencharakter übernahmen die Zäpfleschnäpper der Narrenzunft Stein, die – ebenso wie Stiftskantor Mario Peters am E-Piano – für einen klangvollen Rahmen sorgten. Die beiden Geistlichen gingen in ihren Ansprachen auf die Bedeutung der Ökumene ein, die – getragen vom Geist Gottes – ihre Wirkung überall dort entfalte, wo Menschen verschiedener Konfessionen zusammenkämen. „Wir verstehen einander über Konfessions- und Ortsgrenzen hinweg“, fasste es Pfarrer Steiner zusammen. Denn „Grenzen sind da, um sie zu überwinden“, so Pfarrer Knaus.

„Das ist doch eine wunderschöne Kirche hier“, unterstrich der Hechinger Stadtpfarrer mit Blick auf das Mühlengebäude und den freien Himmel darüber. Auch in seiner Predigt ging er auf Offenheit ein, und zwar auf diejenige zwischen den Menschen, an der es gerade auch in der Kirche oft mangle. „Man verbarrikadiert sich gerne, bleibt lieber unter sich.“ Ganz nach dem Motto, „es kann ja jeder reinkommen, warum sollten wir dann nach draußen gehen?“ Dabei sei das Christentum keine Wohlfühloase, in der man sich einrichten könne. Vielmehr habe jeder getaufte Christ einen Auftrag, bei dem es um konkrete Taten gehe, um das Interesse an den Menschen im eigenen Umfeld, um die Liebe zum Nächsten. „Ich wünsche mir, dass uns das Leid in dieser Welt immer noch berührt und wir anfangen, Partei für die Menschen zu ergreifen, die uns brauchen.“

Ganz im Sinne dieses Gedankens handelt der Verein „Malawi – Zukunft für Kinder“, an den die Kollekte fließt. Waldemar Bürkle stellte den Verein näher vor und bedankte sich im Namen der Kinder bei den Spendern. Der Dank der Geistlichen galt am Ende allen, die den Mühlengottesdienst möglich gemacht haben, allen voran dem Gemeindeteam Stein und natürlich der Familie Merz, welche die Gläubigen mit offenen Herzen auf ihrem Gelände aufgenommen habe. Ein kleiner Umtrunk vor der Mühle beendete die Veranstaltung.

Vorschläge für den kleinen Wanderzirkus


Auf ein Neues! „Wenn Sie jetzt gedacht haben, das war toll, dieser Ökumenische Gottesdienst sollte im nächsten Jahr bei uns stattfinden, dürfen Sie sich gerne bei uns melden.“ So animierte Pfarrer Frank Steiner die Besucher, neue Ideen für die nächste Auflage einzubringen. Die Veranstaltung solle sich nämlich zum „kleinen Wanderzirkus“ entwickeln, der an verschiedenen Orten Station mache. Da es in und um Hechingen an idyllischen Plätzen nicht mangelt, darf man also gespannt sein, wo der außergewöhnliche Gottesdienst im nächsten Jahr gefeiert werden wird. dm