Hechingen Was vom jüdischen Leben blieb

Die Hechinger Synagoge nach der Zerstörung in der Reichspogromnacht.
Die Hechinger Synagoge nach der Zerstörung in der Reichspogromnacht.
Hechingen / SWP 30.08.2012
Zeugnisse jüdischen Lebens in Hechingen können Teilnehmer einer Stadtführung am Sonntag, 2. September, entdecken. Johanna Werner zeigt diese anlässlich des Europäischen Tages der jüdischen Kultur.

Die Stadtführung auf den Spuren jüdischen Lebens in Hechingen mit Stadtführerin Johanna Werner an diesem Sonntag startet um 15 Uhr an der Alten Synagoge in der Goldschmiedstraße.

Heute kann ein Besucher Hechingens kaum noch erkennen, dass in dieser Stadt über mehrere Jahrhunderte ein großer Teil der Bevölkerung jüdisch war. Vielleicht fallen ihm an der Brunnensäule vor dem Rathaus die Motive und Texte zur jüdischen Geschichte Hechingens auf. Oder er entdeckt das Straßenschild "Synagogenstraße" und fragt sich, ob dieses Gebäude wohl noch existiert. Er findet es und wird überrascht sein von der Schönheit der Alten Synagoge.

Johanna Werner erläutert die Geschichte und symbolträchtige Ausstattung des Gotteshauses, dessen frühere Einrichtung in der Reichspogromnacht vernichtet wurde. Der Rundgang beginnt dann bei den Nachbargebäuden, dem ehemaligen Schul- und Gemeindehaus und dem Firmensitz des Elias Moos (heute Weltladen). Auf dem Weg in die Schlossstraße wird ein Halt am Brunnen eingelegt. Entlang der Schlossstraße erzählt die Stadtführerin Geschichten zu ausgewählten Häusern und deren früheren Bewohnern: den Kaullas, den Einsteins, den Baruchs, den Löwenthals.

Der nächste Teil der Entdeckungstour führt zum Citypark, wo über die Fabrikanten Liebmann und Levi berichtet wird. Einen Zwischenstopp gibt es am Obertorplatz vor dem heutigen Notariat.

Dort steht die Lebensgeschichte von Carl Löwengard, dem Inhaber einer weiteren Trikotweberei, im Mittelpunkt. Das rassistische Schlagwort "Arisierung", die "Entjudung der Wirtschaft" im Nationalsozialismus, wird an seinem Beispiel thematisiert.

Bei den Haltepunkten kommt in den Erzählungen auch der jüdische Humor nicht zu kurz, der in der Weltliteratur eine Sonderstellung einnimmt. In seiner Tiefe, Bitterkeit und Schärfe gibt er Anekdoten, Humoresken und Pointen eine sehr spezielle Note.

Der Abschluss der sonntäglichen Führung findet vor dem Gerichtsgebäude in der Heiligkreuzstraße statt. Namen und Schicksale von jüdischen Persönlichkeiten wie Paul Levi, Dr. Moritz Meyer ud Dr. Ernst Rosenfeld bilden den Ausklang.

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