Seuchen Warten auf die Schweinepest

Die Jagd auf Wildschweine soll verschärft werden. Kreisjägermeister Greff hält revierübergreifende Treibjagden für das Effizienteste.
Die Jagd auf Wildschweine soll verschärft werden. Kreisjägermeister Greff hält revierübergreifende Treibjagden für das Effizienteste. © Foto: Archiv
Matthias Badura 12.01.2018

Ganze 300 Jäger aus der gesamten Region kamen zu einer Infoveranstaltung des Balinger Veterinäramtes, zu der die Dezernentin Dr. Gabriele Wagner und Kreisjägermeister Walter Greff am Mittwoch ins Landratsamt gerufen hatten. Thema: Die aufziehende Afrikanische Schweinepest.

Es ist beunruhigend, was Walter Greff der HZ in einem Interview bereits im Vorfeld erzählte. Und es ist umso beunruhigender, wenn man den Kreisjägermeister als einen besonnenen Charakter kennt, dem jegliche Panikmache fern liegt. Doch auch er rechnet damit, dass in absehbarer Zeit Fälle von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland auftreten. Aus Afrika über Osteuropa kommend, kriecht die Seuche unaufhaltsam Richtung Westen. In Polen und Tschechien ist sie bereits akut, weshalb die Regierungen teils drastische Maßnahmen ergriffen. Findet sich dort ein verendetes Wildschwein, werden ganze Quadratkilometer Waldfläche komplett abgeriegelt.

Richtig schlimm wird es aber, wenn die Seuche in einen Schweinemastbetrieb einfällt. Ein erkranktes Tier – und alle anderen, möglicherweise Tausende, müssen auf der Stelle gekeult werden. Bergeweise Kadaver und Milliardenschäden wären die Folge.

Ob sich die Krankheit bald wieder verzieht? Schwer zu sagen. Die Viren sind langlebig, können ansteckungsfähig über Monate und Jahre etwa in Knochenresten im Wald oder anderswo nisten.

Die Wildschweine sind jedoch nicht die Ursache und sie sind nicht die alleinigen Überträger der Krankheit. Irgendwo in Osteuropa mit einem infizierten Tier oder mit einer Rohwurst in Kontakt gekommen, kann es der Mensch sein, der die Erreger mit sich herum schleppt. Betritt er einen Stall ist die Glut zum Großbrand gelegt.

Auf die Mastbetriebe hat Greff keinen Einfluss, aber seine Jagdkameraden hielt er im Landratsamt an, zu schießen, was das Zeug hält, damit der Seuche wenigstens hier so viel Nährboden entzogen wird wie möglich.

Nur kommen die Jäger bekanntlich heute schon kaum mit dem Erlegen der Schwarzkittel nach. Infolge der warmen Winter und eines übermäßigen Nahrungsangebotes ist die Population geradezu explodiert. Und jetzt steht auch noch die Wurfzeit bevor, die Tiere bekommen ihre Jungen, ihre Zahl dürfte deshalb nochmals in die Höhe schnellen.

Greff drängte seine Jagdgenossen, verstärkt „revierübergreifende“, heißt großflächige Treibjagden zu veranstalten. Das erfordere allerdings einen hohen organisatorischen Aufwand und sei auch nicht ungefährlich. Zugleich ist Eile geboten, die Saison endet im Januar, danach herrscht Schonzeit.

Ob die erlegten Strecken künftig noch an den Käufer gebracht werden können, ist eine weitere Frage. Zwar überträgt sich das Virus nicht auf Menschen, und schon jetzt lassen viele Jäger ihre Beute im Labor auf Unbedenklichkeit untersuchen, obendrein ist absehbar, dass diese Untersuchungen bald bei allen Abschüssen zur Pflicht erhoben werden – aber wie Greff befürchtet, verzichten die Verbraucher aus Verunsicherung  komplett auf den Genuss von Wildfleisch.

Hilfreich wäre seiner  Meinung nach, wenn der Staat und das Land Anreize bieten würden: Prämien und kostenlose Trichinenschau etwa. Weiter sollte diskutiert werden, ob es nicht erlaubt wird, nach der Dämmerung  Nachtsichtgeräte zu verwenden. Das würde die Abschussquote erhöhen, ist sich Greff sicher. Aber die Bestände um 70 Prozent zu reduzieren, wie es Bauernverbände und Veterinärämter fordern – das sei schlicht „utopisch“.

Wer ist der Schuldige an der Schweinepest-Misere? Greff meint, ihn ausgemacht zu haben: Der Mensch mit seiner gnadenlosen Massentierhaltung und seiner industriellen Landwirtschaft. Seuchen dieser Art, urteilt der Kreisjägermeister, seien „ein Wink der Schöpfung“.

Und doch ist er uversichtlich, dass man die Schweinepest in den Griff bekommen könne. Die Jäger, das habe man bei der Versammlung gesehen, seien interessiert und sensibilisert. Es müssten eben in allen Bereichen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Was überhaupt nichts bringe, sei Hysterie.

„Verwahrstellen“ für verendete Tiere

Das Veterinäramt des Landratsamtes Balingen plant als eine der ersten Vorsichtsmaßnahmen mehrere sogenannte „Verwahrstellen“ einzurichten. Sammelplätze für tot aufgefunden Wildschweine. Einige Jäger lassen ihre geschossenen Wildschweine heute schon auf Erreger untersuchen. Das könnte irgendwann zur Pflicht werden.