Boll / Von Christian Steinhilber  Uhr
Zwei Veeh-Harfengruppen der Musikschule Burladingen ließen in der Wallfahrtskirche Maria Zell bei Boll aufhorchen.

Zwei Veeh-Harfengruppen der Musikschule Burladingen gaben am Sonntag ein Konzert in Maria Zell. Im Bollemer Wallfahrtskirchlein finden zwar häufig Konzerte statt. Solche Klänge hat man dort aber noch nie vernommen.

Ein Novum war das Konzert ganz bestimmt auch für viele der Zuhörer, die für eine musikalische Pause den Weg nach Boll gefunden hatten. Möglich machte den Auftritt nicht zuletzt die Bollemerin Brigitte Ermantraut, die mitmusizierte.

Besonders passend waren die ausgewählten Stücke. In den rein instrumentalen Stücken ging es durch den „musikalischen Naturgarten“. Extra für die Veeh-Harfe komponiert ging es hier durch die Pflanzenwelt von A bis Z. So fanden zum Beispiel die Iris, die Erdbeere oder das Maiglöckchen ihr musikalisches Pendant.

Daneben gab es im Wechsel noch verschiedene bekannte Marienlieder zum Mitsingen. Das wurde von den Zuhörern gerne und gut aufgenommen. Diese einmal in anderen Klängen zu hören, nämlich in alpenländischer Hausmusik, war etwas ganz Besonderes und bot äußerst kurzweilige Unterhaltung.

Zu diesen Klängen gab es auch noch viel Informatives. So gab die Musikschullehrerin Marlies Volm Einblicke in die Herkunft der Veeh-Harfe. Diese wurde in den 1980er-Jahren von dem Landwirt Hermann Veeh entwickelt, damit sein Sohn Andreas mit Down-Syndrom ohne Probleme an der Hausmusik teilnehmen konnte. So werden die Lieder in einem Punktesystem verfasst und auf einer Schablone hinter den Saiten angebracht. Diese werden dann der Reihenfolge nach gezupft. So muss der Musikant keine Noten in herkömmlichem Sinne kennen.

Dass das zu schnellen Erfolgen führt, zeigte auch das Konzert selbst. Schließlich haben die Musikanten erst im vergangenen Herbst begonnen, die Veeh-Harfe zu spielen.

Die Leistung der Akteure würdigte auch Peter Beck, Vorsitzender des Fördervereins Maria Zell, in seinem Dank. Fazit: In dem ungewöhnlichen Konzert gab es tolle, himmlische Klänge zu hören, die man gerne einmal wieder im Kirchlein unter dem Zoller vernehmen würde.

So werden die Noten begreifbar

Die Veeh-Harfe ist ein Saitenzupf­instrument, das ohne Notenkenntnisse gespielt werden kann. Eigens für das Instrument wurde eine einfache und deutliche Notenschrift entwickelt – reduziert auf das Wesentliche. Notenschablonen, die zwischen Saiten und Resonanzkörper geschoben werden, ermöglichen ein Spielen „vom Blatt″ – die Noten werden begreifbar.