"Existenzgründer bringen Dynamik, erschließen neue Märkte, sorgen für Strukturwechsel und schaffen Arbeitsplätze", sagte IHK-Präsident Christian O. Erbe beim gemeinsamen Bankett hoffnungsvoller Entrepreneure mit potentiellen Geldgebern. Aus 14 nominierten Geschäftskonzepten hatte eine Jury aus Unternehmern und Bankenvertretern der Region Neckar-Alb je die besten Fünf in den Kategorien "Gründung" und "Wachstum" ausgewählt.

Bewertet wurde nach den Kriterien: Geschäftsidee und -modell, Wachstumschancen im definierten Zielmarkt, Marketing- und Vertriebsstrategie, Unternehmerpersönlichkeit sowie Planung der Finanzierung von Gründung und Wachstum. Präsentiert wurden Geschäftsideen, die "einfach vom Hocker hauen", sagte Guy Selbherr, Vorstand der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg.

Lösungen aus der New Economy, Ressourcentechnologie, Ernährung und nachhaltig grüne Konzepte hatten beim Gipfeltreffen die Oberhand. Schmankerl zum Diner waren Biochips der ersten Stunde, Smoothies mit Folgen und die "Maultaschen-Chips" von Metzger Bless aus Möhringen, der seit einigen Jahren als Schwabenartikler Stuggi-Manie mit ungewöhnlichen Wurstwaren aus Stuttgart betreibt.

Nicht weniger originell die Gründerideen der Reutlinger Wettbewerbsteilnehmer: Valeria Föll ist überzeugt von der Premiumqualität ihrer schockgefrorenen Babybreie aus regionalen Produkten. Ihre gläserne Produktion hat den Sitz im ehemaligen Schlecker-Markt von Grosselfingen.

"MyFoodMap.de" aus Reutlingen orientiert sich an multiplen Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten. Infoportale für Millionen geplagter Zeitgenossen gebe es genügend, erklärte Daniel Dilger. Aber zum Beispiel nur einen einzigen Hersteller von histaminarmem Wein - in Österreich. Und genau einen Laden, der diesen Wein verkauft, nämlich in Stuttgart.

"Der könnte das Geschäft seines Lebens machen, wenn das bekannt wäre", glaubt Dilger. Zusammen mit seinem Compagnon Tobias Hetzel entwickelt er derzeit eine Art Produkt-Navigator mit Location-Scout und App.

Die Überraschung schlechthin waren die Gipsfiguren des Neustettener Duos "Scanotec": 20 Zentimeter große Männekes, die bis in die Jeansfalten ihren Vorbildern Thilo Brückner und Heiko Weiß glichen. Abgescannt, aufgearbeitet und in alle denkbaren Materialien gegossen. Vorgespräche mit einem Schokoladen-Hersteller laufen bereits.

Das Tübinger Start-Up "e-Reha" hat eine computergestützte Physiotherapie für Zuhause entwickelt, auf Basis eines 3-D-Sensors, der über Messungen in den Gelenkpunkten Status und Genesungsprozess auf wissenschaftlich hohem Niveau auswertet. Zum Team gehören die Uni Chicago und Fachleuten der Neuro-Chirurgie und -Sensorik in Tübingen. Eine großen Krankenkasse hängt bereits an der Angel.

Die beiden Gesichter der Reutlinger Gründermesse, Nadine Antic und Seda Ercus, stellten die kleine Schwester von "Global Flow" vor: die Verwertung von Tierstreu und biogenem Abfall zu hochwertigem Dünger für Golfrasen.

Anfang Mai wurde an der Reutlinger Hochschule von 20 Studenten und einem 35-köpfigen Projektteam eine Social-Media-Plattform aus der Taufe gehoben, wie sie sich Studis und Unternehmen schon lange gewünscht hatten: Sie verbindet die Vorteile von Facebook mit Features professioneller Jobportale wie Stepstone, Xing oder LinkedIn und der Zettelwand, die es an jeder Uni gibt, erklärte "Unidux"-Mitbegründerin Kala Kurz, "die Plattform bringt die Unternehmen zu den Studenten."

"GridSyntonic" aus Bodelshausen bietet für private Stromproduzenten und Händler ein "virtuelles Kraftwerk", das mit Hilfe von Klimadaten errechnet, wann es sich lohnt, Strom einzuspeisen, ohne dabei draufzuzahlen.