Wie sagt der Lump so gerne: ’s isch schee, wenn’s schee isch! Und genau das war sie… schee, diese virtuelle Zunftstubenfasnet als Ersatz für den Ball der junggebliebenen Narren. Zu dem lädt die Original Hechinger Lumpenmusik alljährlich am Fasnetsfreitag in die Stadthalle „Museum“ – heuer wurde er aus der Zunftstube der Narrhalla Hechingen ausgestrahlt… und für jede Närrin und jeden Narren problemlos abrufbar ins Netz gestellt.

Narretei pur

Die Moderatoren: Meli Lenhart und David Kirwald. Sie im Butzenhäs, er unverkennbar im Lumpengewand. Möge es die erste und einzige virtuelle Fasnet bleiben, wünschten sie sich – und vermochten es doch, beste närrische Unterhaltung in die Wohnzimmer zu transportieren.
Aus selbigen meldeten sich im Rahmen der 45-minütigen (!) Show beispielsweise Hanne Zopf, Urgestein der Narrhalla Hechingen, mit einer Büttenrede und ihrer Vorahnung: „Nächste Saison gibt’s eine Maskenträgerprozession…“, Marlies Kunz, ebenfalls eine unverwüstliche Narrhallesin, in der Rolle einer Hobby-Virologin (und ihre Anti-Corona-Kugeln anpreisend), oder auch Manfred König und seine angetraute Annerose mit einem Gesangsbeitrag übers „Traumschiff nach Hawaii“ und der Aufforderung zum Mitsingen.

Mit Überraschungsgast

Überraschungsgast der virtuellen Zunftstubenfasnet war kein Geringerer als Peter Stiegler, Ehrenlandschaftsvertreter der Landschaft Neckar-Alb, zum Thema Alterserscheinungen: „…Dass au mol jung g’wese bisch, lässt keiner gelte… und doch: Im Herze bleibe ma halt jung!“
Aufgelockert wurde das unterhaltsame Programm mit Bilderfolgen aus früheren Jahren, musikalisch untermalt natürlich von der Lumpenmusik.

Respekt und vielen Dank

Was bleibt zu sagen? Närrisch sein auf Abstand, die Fasnet coronakonform hochleben lassen? Ja, das geht. Das hat die Narrhalla Hechingen in dieser so außergewöhnlichen Saison mehr als einmal bewiesen. Respekt! Und vielen Dank!
Nicht gänzlich aus der Narretei ausgeklinkt haben sich heuer auch viele andere Fasnetsgruppierungen und Zünfte. Seit Tagen füllen ihre Aktionen das Netz – und die Hohenzollerische Zeitung. An dieser Stelle mal ein Kompliment an alle!!! So viele kreative Köpfe unter uns zu wissen, das gibt Hoffnung und macht Mut auf eine (hoffentlich) unbeschwerte Fasnetssaison 2022. Da werden’s die Närrinnen und Narren sicher doppelt krachen lassen. Die Vorfreude ist groß!

Das könnte auch interessieren:
Hechinger Pfarrer lädt ein: Narrenmesse hybrid gestaltet

Hechingen

Gedanken des Dister-Chefs Bernhard Locher


Ihren 25. Geburtstag hatten die Bechtoldsweiler Ehrenwald Dister heuer feiern wollen. Nichts war’s – coronabedingt. Gedanken dazu hat uns deren Chef Bernhard Locher zukommen lassen. Hier ein paar „Auszüge“ aus seiner aktuellen Gefühlswelt: „… Nach einigen Fasnetswochenenden mit Brauchtumsabenden und Umzügen steht das Narrentreffen der Narrenfreundschaftsrings Zollernalb an, jedes Mal eine große Freude. Diesmal bei den Germanen in Benzingen geplant und ausgefallen, wie alles andere auch… Dann geht die Fasnet ihrem Höhepunkt entgegen – der Fleggafasnet. Fasnet im Flegga: Für jede Narrenzunft im Land das Schönste überhaupt. Am Auseliga, am Nachmittag, geht es zu einem Besuch bei der Seniorenfasnet ins Bürgerhaus, die Alten treiben Schabernack und locken schließlich zur Polonäise. Am Abend geht es gemeinsam zum Narrenbaumstellen und Schultheisabsetzen vors Rathaus…Im gegenseitigen närrischen Dialog und unter Einbeziehung diverser Bechtoldsweilemer Gepflogenheiten werden die Schlüssel an den Narrenchef übergeben. Im Anschluss wird der Narrenbaum gestellt… Am Fasnetssamstag ziehen die Narren mit dem Wurstwagen durch den Flegga. An den verschiedenen Halte­stationen herrscht reger Besuch von teilweise bereits verkleideten Bürgern, die sich Getränke, Wurst und Geselligkeit gönnen. Es wirkt/ist alles sehr unterhaltsam und zum Abschluss hin auch ausgelassen. Am Fasnetsonntag geht es zum Weißwurstfrühschoppen ins Bürgerhaus. Am Lumpenmontag findet mittags unser beliebter Kinderball mit einem lustigen Kinderprogramm im Bürgerhaus statt. Am Abend geht’s zu unserem Mottoball. Volle Halle, tolles heimisches Publikum, tolle Stimmung. Sketche, Lumpenkapellen, Showtänze und Tanzmusik. Fasnet, wie man sie erleben und leben möchte. Fasnet, wie man sie in unserer Region über Jahrzehnte pflegt, kennt und will. Obligatorisch geht es am Fasnetsdienstag zum Hechinger Umzug und wer noch nicht genug hat, geht am drauffolgenden Wochenende noch mit den Hudelgai-Bätschers zur Fasnet in die Schweiz. All das, die Vielfältigkeit, bunt und laut, die Kameradschaft, die Narrenfreunde aus Nah und Fern wiederzusehen … das unbedarfte zwanglose Feiern vermissen wir in diesem Jahr. Auch der 25. Geburtstag der Ehrenwald Dister, den wir doch ausgiebig feiern wollten, muss wegen der Pandemie ungefeiert bleiben.
Parallel ist es das einzig Richtige. Denn die Pandemie besteht. Das Virus wird von Mensch zu Mensch übertragen und „Fasnet auf Abstand“ ist nicht umsetzbar. Also bleibt das Häs im Schrank! Nicht umsetzbar? Doch, aber nur ein bisschen. Seit dem Auseliga macht ein kleiner Narrenbaum am Ortseingang von Bechtoldsweiler auf sich aufmerksam. Und am Fasnetsfreitag gab es beim Zunftmeister tatsächlich die traditionellen Fasnetsküchle mit Rotweinzwetschgen und Kaffee zum Mittag. Die waren wie in den normalen Fasnetzeiten sooo lecker.
Dieses Jahr ist es nun mal wie es ist: Gesundheit vor Brauchtum. Wir alle, Narr oder nicht Narr, hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder möglich sein wird,
so richtig und live mit-
einander Fasnet feiern zu können.

Von Wäschweibern & Co.


Coronakonform Fasnet gefeiert wurde dieser Tage auch andernorts. Beispielsweise in Weilheim. Dort zogen Mitglieder der Hutzlabäuch als Wäschweiber, von denen eine ganze Reihe nicht der Weiblichkeit zuzurechnen ist, durch den Ort und boten eine „exklusive Corona-Fasnets-Gugg“ feil. Der Inhalt variierte, enthielt aber einiges an Wurst, Käse, Getränken, Backwaren und weiteren Gaumenfreuden für ein zünftiges Vesper. Für die Kinder gab es zusätzlich einige Fasnets- und Bastelartikel. Insgesamt waren es 140 Tüten, die ausgeliefert wurden. Sogar nach Rangendingen, Grosselfingen und Hechingen. Unter Einhaltung der Hygienevorschriften und Abstandsregeln erfolgte die Übergabe an eine kunterbunte Bestellgesellschaft. bu

Auf ihren Fasnetsball gefreut hatten sich auch die Hechinger Hudelgai-Bätscher. Alternativ wurde am Fasnetsfreitag virtuell „geballert“. Mit Programm. Für die Mitglieder gab’s unter anderem ein Bilderrätsel, eine Koch­show (wie gelingt die Hopfenkaltschale am besten?) – und einen Gesangsbeitrag von Ehrenpräsident Klaus – Schlappi – Jetter, assistiert von der ebenfalls mit Vereinsehren umrankten Vera von der Goltz. Zum Besten gegeben wurde der Titel „Schenk mir einen Wodka ein“ von Ivan Rebroff. Echt ’ne Show – wenn es auch an der passenden Kostümierung haperte. Statt dicker Pelzmütze und fellbesetztem Wintermantel trug Schlappi VfB-Mütze und Hawaiihemd. Auch schön! sbs