Hechingen Vier Bohrungen und nirgends Grundwasser

Hechingen / Von Hardy Kromer 08.11.2018
Die Erkundungen in der Unterstadt sind schon nach einem Tag beendet. Die Trockenheit erschwert die Suche nach Ölresten.

Es rasselt und quietscht in der Hechinger Hofgartenstraße. Simon Krause hat Stöpsel im Ohr, um sich vor dem metallischen Lärm zu schützen, den die Maschine, die er bedient, verursacht. Der Arbeiter der Bad Wurzacher Spezialfirma BauGrund Süd und sein Kollege Michael Tetzlaff sind an diesem sonnigen Mittwoch mit ihrem respekteinflößenden Bohrgerät schon seit Stunden am Werk, um viereinhalb Meter tiefe Löcher in den Grund der Unterstadt zu treiben.

Ihr Ziel ist es, möglichst auf Grundwasser zu stoßen, damit dieses auf Reste von Altöl untersucht werden kann. Diese könnten aus den Teergruben des einstigen Hechinger Gaswerkes stammen, das von 1872 bis 1912 nordöstlich des Kreisverkehrs Bahnhofstraße/Hofgartenstraße in Betrieb war. Wie berichtet, hat das Landratsamt der Stadt Hechingen die unangenehme Aufgabe gestellt, mögliche Altlasten des Gaswerks zu erkunden und nötigenfalls zu beseitigen. Allein die Erkundung kostet schon 100 000 Euro. Sollte sich herausstellen, dass messbare Mengen von Altöl tatsächlich das Grundwasser im Gebiet zwischen Bahnhofskreisel und Starzel verunreinigen, droht dem Stadtsäckel ein Sanierungsaufwand in Millionenhöhe.

Allein: Grundwasser wollte sich an diesem Mittwoch weit und breit nicht einstellen, auch nicht in 4,50 Meter Tiefe, wo der Bohrer unter Schluff und Kies schon längst Steinbrocken des Schwarzen Jura ans Tageslicht gefördert hatte. „Wegen der Trockenheit ist der Grundwasserspiegel zur Zeit halt schon sehr niedrig“, erklärt Michael Tetzlaff. Bei dieser, der vierten Probebohrung, mitten auf dem Gehweg der Hofgartenstraße/Ecke Stutenhofstraße ist es nicht anders als bei den drei Bohrpunkten, die die beiden Männer schon am Vormittag gesetzt haben. Ob links oder rechts der Hofgartenstraße, überall das gleiche Bild: Trockenheit selbst zweieinhalb Mann hoch unter Grund. Lediglich in der Gfrörerstraße, räumt Simon Krause ein, habe sich eine kleine Pfütze angesammelt, aber noch längst nicht genug, um davon eine sinnvolle Probe nehmen zu können.

So beließen es die Facharbeiter der oberschwäbischen Firma, die sonst auch nach Erdwärme bohrt, Großbrunnen anlegt und Baugrund- sowie Kampfmittel­erkundung zu ihrem Leistungsspektrum zählt, bei diesen vier Bohrungen. Zwar hat die Stadt Hechingen als Auftragsgeberin noch zwei weitere Grundwassermesspunkte festgelegt. Diese sollen aber nur dann erkundet werden, wenn noch Bedarf bestehen sollte. „Dann kommen wir nächstes Jahr wieder“, sagt Michael Tetzlaff. Fürs erste haben die Bad Wurzacher ihren Job in Hechingen gemacht.

Umsonst war ihr lautstarker Einsatz, der von manchen Passanten neugierig beäugt wurde, mitnichten. Denn auch wenn sie bisher noch nicht auf Grundwasser gestoßen sind, so sind die Messstellen doch vorbereitet. Die vier tiefen Erdlöcher bleiben bestehen. Darin wird ein PVC-Rohr eingeführt und eine Schicht Filterkies reingeschüttet. Und wenn es tatsächlich wieder einmal so viel regnen sollte, dass der Grundwasserspiegel merklich steigt, dann kann das Nass in den Messlöchern gefasst und als Probe zur chemischen Untersuchung gegeben werden.

Muss man in der Unterstadt jetzt also aufpassen, nicht in ein viereinhalb Meter tiefes Loch zu fallen? Nein, muss man nicht. Die Bohrlöcher werden mit einem Schachtdeckel verschlossen.

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Zentimeter beträgt der Durchmesser der vier Bohrlöcher, die am Mittwoch von Arbeitern der Firma BauGrund Süd in den Grund der Hechinger
Unterstadt getrieben wurden.

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