Stein Viel besser als Hollywood!

Stein / Diana Maute 26.08.2018
Ein fulminantes Römerfest hat der Förderverein der Villa rustica hingelegt. Am Sonntag knallten die Besucherzahlen.

Stolze Römer in glänzenden Rüstungen, kraftstrotzende Gladiatoren und nicht zuletzt wackere Alamannen und Kelten machten das Römerfest in Stein zwei Tage lang zu dem, was es seit Jahren ist: Ein einzigartiges Schauspiel, das die Besucher tief in die Geschichte des Römischen Imperiums eintauchen lässt und die Vergangenheit auf authentische Weise erlebbar macht. Kein Wunder, dass auch diesmal wieder Tausende Besucher aus nah und fern auf das Gelände der Villa rustica strömten, um zwischen den antiken Mauern auf Entdeckungstour zu gehen. Mittendrin: Römerchef Gerd Schollian, der als Steinemer Cäsar mit schicker Rüstung ganz in seinem Element war und sich zumindest am Sonntag sehr zufrieden mit den Besucherzahlen zeigte.

Wettergott Jupiter hatte es zunächst nicht allzu gut gemeint mit den Römern. Am Samstag schickte er Regenwolken und kühle Temperaturen, die nicht nur die Soldaten der bekannten „Legio I Italica“, die extra aus Italien angereist waren, und die ebenfalls aus dem sonnigen Süden stammenden Gladiatoren in ihrer äußerst knappen Kleidung frösteln ließen. Am Sonntag zeigte sich der Wettergott dann endlich einsichtig und sorgte mit viel Sonnenschein für einen wahren Besucheransturm. Bei idealem Wetter ließ es sich wunderbar durch Zeltlager und Marktstände schlendern, wo antiken Handwerkern über die Schulter geblickt und das Lagerleben der römischen Legionäre sowie der keltischen und alamannischen Stämme kennengelernt werden konnte. Äußerst apart gestaltete sich der Anblick der anmutigen Römerinnen, die mit ihrem Tanz dem Gott Jupiter huldigten und vom Publikum mit viel Beifall bedacht wurden.

Wer der leiblichen Stärkung bedurfte, fand diese in den Zelten und Ständen wo ein frei nach Apicius kreierter Römerteller, Legionärseintopf und anderen Leckereien kredenzt wurden. Natürlich zogen die packenden Kämpfe der „Ars dimicandi“-Gladiatoren besonders viele Zuschauer an. Kein Wunder, hat die Truppe, zu der auch zwei Frauen gehören, doch schon in bekannten TV- und Kinoproduktionen wie dem Film „Gladiator“ mitgewirkt.

Ihr Trainer Dario Battaglia hat Hauptdarsteller Russell Crowe zum antiken Athleten ausgebildet und kommentierte die Schaukämpfe in Stein für die Zuschauer. Dabei wusste er eine Menge über Kampfstil, Ausrüstung und das Leben der Gladiatoren zu erzählen. Viel, was man über die Sportstars der Antike zu wissen glaube, entspringe Hollywood und sei reine Fantasie, betonte er. In Wirklichkeit kämpften die Gladiatoren in römischen Arenen nach strengen Regeln und waren in unterschiedliche Gattungen eingeteilt. „Das, was Sie hier sehen, sind keine Schauspieler, sondern echte Athleten“, unterstrich er mit Blick auf die durchtrainierten Mitglieder von „Ars dimicandi.“ So lernte das Publikum beim Römerfest etwa den mit Schild und Helm ausgestatteten „Provocator“ kennen oder auch den mit Netz und Dreizack auftretenden „Retiarius.“

Obwohl einst schon die Römer wussten, dass kein Heil im Krieg liegt, war die große Schlacht um die Villa, bei der sich die Legionäre mit einer wilden Keltenhorde maßen, einer der Höhepunkte des Römerfestes. Todesmutig stürzten sich beide Seiten in den Kampf. Die Kelten bewiesen mit ihrer Seiltaktik und ihrem „Scorpio“, einer Waffe, mit der Pfeile abgeschossen werden, dass sie es mit den gut gerüsteten Römern sehr wohl aufnehmen können. Nach tapferem Kampf rauften sich am Ende dann alle erschöpft, aber frohgemut wieder zusammen.

Obwohl die großen Stars des Festes natürlich die Gladiatoren und Legionäre waren, hätte auch eine ganz andere Gruppe einen „Oscar“ für ihre klasse Leistung verdient: Die fleißigen Mitglieder des Fördervereins Römisches Freilichtmuseum und ihre vielen Helfer aus der Steinemer Vereinsgemeinschaft, ohne deren Einsatz das große Fest undenkbar wäre.

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Tausend Besucher dürften es am Wochenende in Stein mindestens gewesen sein. Die endgültige Zahl will der Förderverein des Römischen Freilichtmuseums noch nachliefern.

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