"Der Mittelbereich Hechingen spielt in dieser Diskussion doch gar keine Rolle mehr", sprach Freie-Wähler-Stadtrat Rolf Ege aus, was viele der rund 80 Bürger dachten, die sich am Mittwochabend auf Einladung des Landratsamtes in der Stadthalle versammelt hatten. "Hechingen wird erst wieder gebraucht, wenn es um die Finanzierung der Zentralklinik geht." Ege griff den Vorschlag auf, den Bürgermeisterin Dorothea Bachmann schon gemacht hatte: Die Mittelbereiche Albstadt und Balingen sollen die Klinik "doch selber finanzieren". Im Jahr 2040, wenn die Zentralklinik fertig sein soll, werde es die vierspurige B 27 nach Tübingen geben. "Dann", so prophezeite Ege, "wird nie und nimmer auch nur ein Hechinger Patient nach Laufen oder Dürrwangen fahren".

In Abwesenheit der Hechinger Rathausspitze waren es Stadtrat Ege und gewöhnliche Bürger, die die hohenzollerische Verbitterung über frühere Fehlentscheidungen und das Unbehagen mit den Zukunftsplänen fürs Zollernalb-Klinikum zum Ausdruck brachten. Bürger wie Hubert Löffler, der den Zahlen der Gutachter auf den Zahn fühlte und vorrechnete: Bei den prognostizierten 173 Millionen Euro für einen Zentralklinik-Bau in zwei Modulen sei noch kein Grunderwerb, kein Parkplatz, kein Hubschrauberlandeplatz und keine Verkehrsanbindung mit eingerechnet. Diesen Einwand konnte auch Gutachter Ivo Koch vom Büro Teamplan nicht vom Tisch wischen. Die Spanne der Unsicherheit bei den aktuellen Zahlen liege bei "plus/minus 25 Prozent", räumte er ein.

Da fragte sich nicht nur der Hechinger CDU-Stadtverbandsvorsitzende Hermann Schwendemann: "Kann der Zollernalbkreis sich diesen Kostenaufwand wirklich leisten? Wie hoch wird die Kreisumlage steigen?"

Darauf wusste Landrat Pauli noch keine konkrete Antwort. Er versicherte aber, der Zollernalbkreis werde auch künftig bei der Kreisumlage im unterdurchschnittlichen Bereich liegen. Und der Kreistag werde keine Entscheidung über ein Zentralklinikum fällen, ohne ein solides Finanzierungskonzept zu haben. Grundlage dafür seien aber Gespräche mit dem Sozialministerium. Erst wenn man wisse, wie hoch die Landeszuschüsse für ein Neubauvorhaben sein werden und ob und wieviel von den früheren Zuschüssen der Kreis eventuell zurückzahlen müsse, könne man Näheres sagen. Ende Mai wird Pauli in Stuttgart erste Gespräche darüber führen.

Finanzdezernent Christoph Heneka deutete an, wie die Rechnung aussehen könnte: Rund 100 Millionen Euro kostet ein Neubau langfristig mehr als eine (andernfalls notwendige) Sanierung der beiden bestehenden Krankenhäuser. Ein Neubau auf der grünen Wiese ist jedoch - allen Berechnungen zufolge - die einzige Chance für das Zollernalb-Klinikum, mittelfristig schwarze Zahlen zu schreiben. Würde man am Status quo festhalten, drohten über kurz oder lang jährliche Defizite von rund 15 Millionen Euro. Das heißt für Heneka: 100 Millionen Euro mehr zu investieren, könnte sich schon innerhalb von sechs, sieben Jahren amortisieren. Ließe sich auch das Ministerium von dieser Rechnung überzeugen, so wäre vielleicht ein 45-prozentiger Zuschuss zu haben - und das Zentralklinikum wäre schon deutlich früher fix und fertig zu stellen als 2040.

Dass an besagtem Neubau auf der grünen Wiese kein Weg vorbeiführt, um das Zollernalb-Klinikum für die Zukunft konkurrenzfähig zu halten, daran ließen Landrat Pauli, Gutachter Koch und Chefarzt Prof. Dr. Michael Bitzer keinen Zweifel. Und an Appellen an die Hechinger, diesen Weg mitzugehen, herrschte kein Mangel. Bitzer sprach im Blick zurück von einer "Fehlentscheidung" von 2005, die es zu korrigieren gelte, und sagte, er "bereue persönlich, dass ich mich damals für das Zwei-Häuser-Modell Albstadt/Balingen eingesetzt habe." Für die Zukunft unabdingbar sei ein "Konsens" und ein "Angebot, das gleichermaßen für alle drei Regionen des Kreises da ist".

Auch Pauli beschwor alle Beteiligten, "aus Fehlern zu lernen", und versprach, "dass wir die Raumschaft Hechingen genauso im Blick behalten wie die anderen". Noch, bekräftigte er, sei nichts festgezurrt. "Wir werden gründlich den intelligentesten Standort suchen. Wir werden uns keine Gefälligkeitsentscheidung mehr leisten können."