Der neue Coach Tim Walter, zuletzt beim Zweitligisten Holstein Kiel auf der Trainerbank, hat sich auf die Frage nach der Favoritenrolle des VfB Stuttgart so zitieren lassen: „Ich nehme sie gerne an. Ich war die ganzen Jahre davor kein Favorit. Jetzt bin ich es.“ Aha. Wie sehen das die VfB-Fans in der Region? Die HZ hat nachgefragt.

Klaus Jetter lebt für den VfB – und gewann selbst in der zurückliegenden Abstiegssaison jedem noch so schlechten Auftreten seines Teams irgendetwas Positives ab. So ist denn auch der direkte Wiederaufstieg seines Clubs für ihn selbstverständlich. „Mit der Mannschaft? Keine Frage!“ Sinnvoll verstärkt habe sich der VfB, findet Jetter – und bedauert im selben Atemzug, dass sich der Neueinkauf für den Sturm, Sasa Kalajdzic, gleich so schwer verletzt hat, dass er für viele Monate ausfällt. Da müsse der Club nochmal nachlegen – und Mario Gomez, der zuletzt weit unter seinen Möglichkeiten geblieben sei, mit gutem Beispiel vorangehen. „Der kann das“, attestiert ihm Jetter Führungsqualitäten.

Überhaupt fordert der 56-Jährige von seinem VfB, dass die Spieler ihre Leistung „endlich abrufen“. Denn: Gonzalo Castro, Emiliano Insúa (ebenfalls verletzt) und Co. „können so viel mehr, als sie in der vergangenen Saison gezeigt haben“. Hier sieht Klaus Jetter auch den neuen Trainer Tim Walter gefordert. Zwar hätte er gerne Nico Willig weiter am Spielfeldrand gewusst, aber der Mann aus Kiel habe bei ihm einen guten ersten Eindruck hinterlassen. Auch zu einer weiteren Personalie bei den Stuttgartern hat Jetter eine klare Meinung: „Gut, dass Wolfgang Dietrich weg ist“, wobei er sich klar von den Beleidigungen und Bedrohungen gegen den Ex-Präsidenten distanziert. Das sei unter der Gürtel­linie gewesen.

Wen er in der Nachfolgerrolle sieht? „Auf jeden Fall einen, der was vom Fußball versteht, der umfassend vernetzt ist und eine gute Reputation hat.“ Was heißt das konkret? „Ich könnte mir gut eine Doppelspitze vorstellen: Guido Buchwald als Präsident und Jürgen Klinsmann als Vorstandsvorsitzender der VfB Stuttgart AG.“ Eins noch: Wie endet das Auftaktspiel des VfB Stuttgart gegen Hannover 96? „Ich tippe 3:1 – und Gomez schießt ein Tor.“

Wolfgang Dehn, in der Bundeshauptstadt Augenzeuge gewesen, als Union Berlin den VfB Stuttgart in der Relegation aus der ­
1. Bundesliga gestoßen hat, gibt sich zurückhaltender: „Ich wünsche mir, dass der VfB 3:0 gewinnt.“ Warum so vorsichtig? Weil er sich mit der neuen Mannschaft und dem neuen Trainer noch gar nicht vertraut gemacht habe. Damit erübrigt sich fast die Frage, ob er den Schwaben den sofortigen Wiederaufstieg zutraut: „Keine Ahnung!“ Der Club sei für ihn aktuell ein „völliges Überraschungsei“, sagt Dehn. Er hat aber natürlich durchaus Wünsche an den Verein. Nach der Abstiegssaison 2015/2016 habe sich der VfB mit einem jungen Kader und einem innovativen Hannes Wolf als Trainer eine gute Struktur gegeben – um sie, als sie nicht sofort von Erfolg begleitet war, gleich wieder aufzugeben. Das fand er schade. Struktur und Konstanz erhofft sich Dehn deshalb jetzt wieder – gegen alle (zu erwartenden?) Widerstände.

Zuversichtlich stimmt Dehn hier die junge sportliche Leitung mit Sportvorstand Thomas Hitzls­perger und Sportdirektor Sven Mislintat. Was noch fehlt? Ein Präsident, der sich von den Klüngeln in den oberen Etagen nicht beeindrucken lässt; der einen konsequenten Weg geht (ohne Rücksicht auf verblasste Verdienste), der Überzeugungsarbeit leisten und – vor allem – begeistern kann. Und da fällt Dehn nur einer ein: Jürgen Klinsmann.

Bekennender VfB-Fan ist auch die Autorin dieser Zeilen. Da hat ihr Vater mal richtig gute „Erziehungsarbeit“ geleistet! Nur den Blick durch die immer rosarote VfB-Brille des Papas – den hat sie nicht. Würde der noch leben, würde er auf die Frage, ob den Schwaben der sofortige Wiederaufstieg gelingt, im Brustton der Überzeugung antworten: Natürlich! Das sieht die Tochter anders. Nein, eher nicht, glaubt sie – zu stark ist die Konkurrenz in der 2. Liga. Und zu unberechenbar der VfB in allen administrativen Bereichen, in seinen Personalentscheidungen und sportlichen Leistungen. Apropos Personal: Als wirklich weltgrößter Fan von Jürgen Klinsmann würde niemand lieber als Sabine Hegele „ihren“ Klinsi wieder beim VfB sehen – sei es als Nachfolger des zurückgetretenen Präsidenten Wolfgang Dietrich, als Vorstandsvorsitzender der VfB Stuttgart AG – oder auch auf dem Platz! Denn seien wir mal ehrlich: So „flott“ wie Mario Gomez ist der Klinsi garantiert noch unterwegs – dabei aber bestimmt treffsicherer!