Mössingen Über und unter den Wolken

Mössingen / HORST BENDIX 17.08.2012
Was für ein faszinierender Sport, was für ein schönes Hobby - das der Vorsitzende des Flugsportvereins Mössingen zu seinem Beruf gemacht hat: Ulrik Beutter ist Lufthansa-Pilot.

Vor allem an den Wochenenden tummeln sich Segel- und Motorflugzeuge, aber auch Motorsegler über und unter den Wolken. Bei gutem Flugwetter sieht man vom Farrenberg zum Melchinger Himmelberg und genauso zur Salmendinger Kirche und zum Roßberg - einfach fantastisch der Blick auf unsere schwäbische Heimat, auch mit der Burg Hohenzollern, dem Dreifürstenstein über dem kleinen Beuren und dem Junginger Köhlberg.

Egal, ob Segel- oder Motorflugzeuge: Auf die richtige Ausrüstung im Cockpit kommt es an, und da ist die Junginger Firma Gebrüder Winter der richtige Ansprechpartner. Sie ist seit vielen Jahrzehnten hauptsächlich Ausrüsterfirma für Bordinstrumente im Segelflugcockpit, erzählt Fluglehrer Ernst Hoch vom Flugsportverein Mössingen. Vor allem ihre Höhenmesser, Variometer und Fahrtenmesser sind seit Jahrzehnten kaum verändert.

Durch die Messung des Luftdrucks lässt sich auch die Höhe ablesen. So einfach ist das, lacht Hoch. Die Gebrüder Winter freuts: "Wir stellen unsere Erfahrungen gerne in den Dienst anderer, auch dem Flugsportverein Mössingen."

"Fliegen lernen kann man in jedem der über 900 Vereine in Deutschland", informiert der Flugsportvereinsvorsitzende Ulrik Beutter, der im Hauptberuf die großen Lufthansa-Maschinen wie den Airbus 310 oder den A 320 fliegt. Eine Segeflugausbildung dauert im Normalfall zwei Jahre und wird von ehrenamtlichen Fluglehrern des Mössinger Vereins angeboten. Sie alle besitzen zahllose Stunden an Flugerfahrung.

Einer von ihnen ist Fluglehrer Konrad Hartter. Er fliegt auch den A 380 nach San Francisco oder Hongkong - wenn er nicht gerade mit einem Nachwuchspiloten aus dem Flugschülerteam wie Ruwen Hölzlein auf dem Starterfeld auf dem Farrenberg steht.

Tobias Kleinert und Kilian Wörn nehmen ebenfalls regelmäßig am Flugbetrieb teil. Während man im Sommer die praktische Seite, "das Fliegen an sich", lernt, steht im Winterhalbjahr die Theorie auf dem Stundenplan. Hier werden Themen wie die Meteorologie, Navigation oder Flugzeugtechnik vermittelt, so dass in der Saison die fliegerischen Fähigkeiten weiter vertieft werden können.

So ausgebildet, kann man sich bald einem Streckenflug von 50 Kilometer widmen, dann ist man "prüfungsreif", sagt Ulrik Beutter. Bei der praktischen Prüfung müssen mit einem Fluglehrer drei Flüge gemacht werden.

Beutter hebt hervor, dass Gemeinschaft auch heiße, Erfahrungen weiterzugeben und nach einem faszinierenden und erlebnisreichen Flugtag die Erlebnisse in der kleinen Gaststätte auf dem Farrenberg auszutauschen. Das Fliegen sei ein verantwortungsvoller Sport - einerseits wegen des wertvollen Sportgeräts (das dem Verein gehört), vor allem aber, weil es in der Luft (über-)lebenswichtige Entscheidungen zu treffen gilt.

Wer darf Segelfliegen? Motorflugpilot Eberhardt Baza: "Jeder ab 14 Jahren." Jeder, der fit ist (was ein Flugarzt bescheinigen muss) und jeder, der sich fürs Segelfliegen begeistert; der Interesse daran hat, einmal die Welt aus einer anderen Perspektive zu erleben.

Die Ausbildung zum Segelflugpiloten kostet für Jugendliche pauschal rund 300 Euro, inklusive Mitgliedsbeitrag, Start- und Fluggebühren; pro Flugstunde kommen drei bis neun Euro dazu - je nach Flugzeugtyp; die Startgebühr pro Windenstart kostet 2,50 bis vier Euro.

Zurzeit verfügt der Flugzeugpark über fünf moderne Segelflugzeuge, zwei Motorsegler und drei Motorflugzeuge; in der Segelflugschule kommen zwei Doppelsitzer und zwei einseitige Flugzeuge zum Einsatz. Was Eberhardt Baza nicht verschweigen will: Jeder Flugschüler, der seine Prüfung oder Lizenz in der Tasche hat, bekommt einen Klaps auf den Hintern, damit er das "Arschgefühl", das Feingefühl fürs Fliegen nie mehr vergisst.

Wer sich für den Flugsportverein Mössingen interessiert, kann sich an jedes Mitglied wenden oder aber unter E-mail kontakt@fsv-moessingen.de Kontakt mit dem Verein aufnehmen.

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