Schillernde Facetten der hohenzollerischen Geschichte lassen sich bei jedem Wetter entdecken. Zu dieser Erkenntnis gelangten mehr als 30 Teilnehmer, die sich mit Stadtführer Michael Hakenmüller aufmachten, die baulichen Denkmäler zu entdecken, durch die bis heute der Geist des letzten Hechinger Fürsten Friedrich Wilhelm Constantin und seiner Gemahlin Eugenie weht. Hakenmüller, der zwei Bücher mit dem Titel „Der letzte Hechinger Fürst“ veröffentlicht hat, ist ein profunder Kenner der Historie und wusste auch eher Unbekanntes zu erzählen.

Ein Schwerpunkt der Führung lag auf dem musikalischen Wirken des Fürstenpaares, das berühmte Komponisten wie Franz Liszt und Hector Berlioz in die Zollernstadt holte. Bevor jedoch das „Orpheische Hechingen“ näher in den Blickpunkt rückte, machte Michael Hakenmüller sein Publikum mit der Vita des Fürsten bekannt, dessen Todestag sich am 3. September zum 150. Mal jährte.

Kein gutes Licht

„Friedrich Wilhelm Constantin ist so etwas wie der Bad Boy der hohenzollerischen Geschichte“, erläuterte Hakenmüller. Um ihn seien stets viele Gerüchte kursiert, die ihn in kein gutes Licht rückten. „Das hat sich bis heute so gehalten.“ Die Hechinger hätten es ihrem 1801 auf Schloss Sagan geborenen Fürsten nie verziehen, dass er 1848 offenbar sang- und klanglos abgedankt und sich nach Löwenberg in Schlesien zurückgezogen habe. „Dabei ist er bei genauerem Hinsehen ein einzigartiger Mann in der deutschen Geschichte“, dem es hoch anzurechnen sei, dass er nie einen Krieg geführt habe. „Zu Manövern schickte er lieber seine Musikkapelle.“

Constantin sei ein „unglaublicher Glücksritter“ gewesen, der mit seiner Gemahlin Eugénie de Beauharnais, einer geborenen Prinzessin von Leuchtenberg, die beste Partie machte, die er selbst und Hechingen sich wünschen konnte. Bei der Einfädelung dieser Ehe hatte Nathan Kaulla, Sohn der berühmten Hoffaktorin Madame Kaulla, seine Finger im Spiel: „Ohne dessen Fürsprache und Geld wäre Eugenie nie nach Hechingen gekommen.“ Die deutsch-französische Adlige brachte als Stiefenkelin  des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte nach ihrer Hochzeit 1826 ein erhebliches Vermögen in die kleine Residenzstadt. Davon profitierte auch die Bevölkerung, denn Eugenie, die eine Patentante der österreichischen Kaiserin Sisi war, war für ihre Wohltätigkeit, Frömmigkeit und Volksnähe bekannt.

Uneheliche Tochter

Mit dem Neuen Schloss, der Stiftskirche mit Fürstenloge, in der ein Ausschnitt aus Berlioz’ „Symphonie fantastique“ zu hören war, sowie dem Konstantinsaal warfen die Teilnehmer einen Blick in Gebäude werfen, die aufs Engste mit dem Fürstenpaar verbunden sind. Auch vor dem Stadtpalais am Obertorplatz, das derzeit saniert wird und das Constantin einst für seine uneheliche Tochter bauen ließ, wurde Halt gemacht. Unglücklich sei die kinderlose Ehe des Fürstenpaares seiner Meinung nach nicht gewesen, so Hakenmüller. „Das stärkste Band zwischen den beiden war die Musik.“ Die „absolute Musikbegeisterung“ des Fürsten führte dazu, dass er eine erstklassige Hofkapelle unterhielt und berühmte Komponisten wie Franz Liszt, Hector Berlioz und Louis Spohr in die Zollernstadt kamen – die Glanzzeit des „Orpheischen Hechingen.“

Mäzen von Richard Wagner

Der Hechinger Fürst war, was viele nicht wissen, auch Mäzen des großen Richard Wagner. „In seiner zweiten Lebenshälfte war er ein unverzichtbarer Förderer der deutschen Musikgeschichte.“ Eugenie selbst sei eine begabte Sängerin gewesen und habe bei der Aufführung von Haydns „Schöpfung“ sogar einmal einen Gesangspart übernommen. Mit der großartigen Spohr-Ouvertüre „Die Weihe der Töne“, die im Konstantinsaal zu hören war, endete die Stadtführung.

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