Hechingen Über den Umgang mit dementen Menschen

Beate Scherer weiß, wovon sie spricht. Seit 25 Jahren ist sie Lehrerin für Pflegeberufe.
Beate Scherer weiß, wovon sie spricht. Seit 25 Jahren ist sie Lehrerin für Pflegeberufe. © Foto: Bernd Ullrich
Hechingen / Bernd Ullrich 14.02.2019
Beate Scherer ist Lehrerin für Pflegeberufe. Sie rät, jeden Patienten zu akzeptieren und zu respektieren.

Nach ihrem ersten sehr eindrucksvollen Referat im vergangenen Jahr über den Umgang mit dementen Menschen hatte Erwin Schäfer von der Pflegeberatung der Caritas ein Wiedersehen mit Beate Scherer in Aussicht gestellt. Und zu diesem kam es jetzt.

Seit 25 Jahren ist Beate Scherer Lehrerin für Pflegeberufe, im Besonderen für Validation. Letzteres ist eine Methode und Haltung im Umgang mit dementen Menschen. Die Fachfrau verfügt über einen überaus reichen Erfahrungsschatz, an dem sie die etwa 20 Besucher bei ihrem Workshop im Wohnheim Graf Eitel Friedrich teilhaben ließ. Zu ihren theoretischen Ausführungen und Modellen lieferte sie immer wieder praktische Beispiele und ging auf die zahlreichen Fragen und Bemerkungen der Anwesenden ein. „Demente Menschen bewegen sich auf verschiedenen Bewusstseinsebenen und springen durch die Zeit“, erklärte sie bestimmte Verhaltensweisen der Betroffenen, bei denen Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen. „Sie über den Verstand oder die Logik erreichen zu wollen, funktioniert nicht. Aber man kann sie über das Gefühl erreichen, „denn das Gefühl bleibt.“

Wichtig sei es, die andere Wahrnehmung der Betroffenen zu akzeptieren, sie ernst zu nehmen und auf sie einzugehen. „Nicht Recht haben zu wollen und den dementen Menschen in die Realität zu holen.“ Dadurch könne Vertrauen aufgebaut, Stress vermindert oder gar vermieden werden. Auf Aussagen, auch wenn sie uns unsinnig erscheinen mögen, sollte unbedingt eingegangen werden, „denn reden entlastet“

Jeder Mensch, natürlich auch der demente, habe Grundbedürfnisse, meinte Beate Scherer. Dazu gehörten: beschäftigt zu sein, geliebt zu werden oder Liebe zu geben und die Möglichkeit, spontan Gefühle zu äußern. Auch hier nannte die Referentin Beispiele aus ihrer Erfahrung und Beobachtung, wie etwa der Umgang mit Puppen oder Stofftieren, oder das Einbeziehen in einfache Arbeiten. Auch bestimmte Verhaltensweisen oder Äußerungen dementer Menschen können durchaus gedeutet werden und ihr Erkennen erleichtert wesentlich den Umgang mit ihnen.

Ganz wichtig: die Stimme

Besonderer Bedeutung komme, so Beate Scherer, der Stimme und der Betonung, dem Tonfall zu. „Sie haben die Möglichkeit zwischen ‚Türöffner‘ oder ‚Türschließer‘“, meinte sie. Der Formulierung „Darf ich Ihnen…, darf ich Sie später…“ komme nicht nur eine Höflichkeitsform zu, sondern sei vielmehr ein Ausdruck der Wertschätzung und einer möglichen Deeskalation. Dazu gehöre auch nicht zu lange in die Augen schauen und die Abstandswahrung von einer Armlänge.

Im Gespräch mit den Gästen des Workshops ging die Referentin auf zahlreiche Fragen ein und konnte damit sicherlich vielen der Anwesenden Rat geben und manche Problematik im Umgang mit desorientierten Menschen entschärfen.

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