Hechingen Trotz allem habe ich durchgehalten

Hechingen / MICHAEL HAKENMÜLLER 28.09.2013
Zwischen Damenschneiderlehre und der Hechinger Künstlergilde: Das Leben von Maria Brück war vielseitig. Heute wäre die Künstlerin 100 Jahre alt - Anlass für einen Rückblick auf das Leben der Hechingerin.

Am 28. September 1913 morgens um 9.30 Uhr kam Maria Brück in einem mittlerweile abgerissenen Mehrfamilienhaus in der Hofgartenstraße in Hechingen zur Welt. Sie war die dritte von fünf Töchtern des Ehepaars Otto Kohle, Schneidermeister aus Zöschlingsweiler bei Dillingen an der Donau, und Martina, geborene Bogenschütz aus Sickingen. Otto Kohles Bruder Hans war ein bekannter Kirchenmaler im bayerischen Raum. Genau wie ihre Mutter, animierte der Onkel das kleine Mädchen bald zum Zeichnen und Malen.

Marias Mutter war es auch, die für den Lebensunterhalt der Familie sorgte - ihr Mann starb 1938. Mit Unterstützung der Töchter Martina, Maria und Antonie führte sie das Geschäft ihres Mannes weiter. Sie verkaufte im Auftrag ihre Damenkleider und Herrenanzüge bis nach Tailfingen. Der immer knappe Verdienst zwang die Familie mehrere Male, den Wohnort in Hechingen zu wechseln. Schließlich zog sie 1950 in die Silberburgstraße 55, wo Martina für ihr Konfektionsgeschäft ein Schaufenster einbauen ließ. Marias Brücks Mutter starb 1974.

Maria Brück verdiente ihr Geld vor allem, indem sie im Auftrag Portraits anfertigte. 1936 hatte sie bereits ihre Meisterprüfung im Damenschneiderhandwerk abgelegt. Im Jahr 1938 wurde als erstes Kind Dieter geboren. Der zweite Sohn Roland kam im Jahr 1940 zur Welt.

Aus den bei ihrer Mutter übrig gebliebenen Stoffresten nähte Maria Brück Wandteppiche mit kunstvollen Motiven. Später berichtete sie: "dass ich einer Generation angehöre, die nicht nur den Wohlstand kennt, sondern durch Hitler, Krieg und Nachkriegszeit hindurchgegangen ist. So dass ich mich heute frage: Warum und trotz allem, habe ich durchgehalten, meine künstlerische Arbeit weiter zu führen, trotz den vielen Hindernissen, die sich mir in den Weg stellten." Ihr am 22. November 1903 in Ulm geborener Ehemann Hans Brück war ein kongenialer Ehepartner für Maria, die von ihrer Verwandtschaft gern "Mieze" genannt wurde. Sie illustrierte vor allem dichterische Werke von Hans mit Linolschnitten.

Anfang der 1950er-Jahre kaufte das Paar ein neues, von der Kreisbaugenossenschaft Hechingen errichtetes Reihenhaus im Amselweg 7 in der Fasanengarten-Siedlung. Mit der Gründung der Hechinger Künstlergilde im Jahr 1952 bot sich für das Ehepaar ein reiches Schaffensfeld. Legendär sind die geistreich-witzigen Faschingsveranstaltungen des Vereins.

Als 1992 ihr Ehemann Hans starb, widmete sich Maria Brück ihren Kenntnissen in Biorhythmik, Astrologie - sie definierte sich ganz als Waage -, vor allem jedoch der Graphologie. Immer genauer gestaltete sie die Hände der meist weiblichen Figuren auf ihren Gemälden. Zu schaffen machte ihr zunehmend ein Augenleiden, was sie nur mit Mühe und mit ihrem Glauben an die Selbstheilungskräfte des Körpers überwand. Ab 2003 stellte sie keine weiteren Kunstwerke mehr her. Umso mehr machte sie sich an die Dokumentation ihrer Werke. 2006 erschien ihr Bildband "Der Mensch, das vielschichtige Wesen".

Nur ungern verließ sie im Sommer 2012 ihr Haus im Amselweg und richtete sich im Seniorenheim St. Elisabeth ein. Dort endete ihr Leben am 4. Februar 2013. Dem Heim und dem Rathaus hatte sie kurz zuvor etliche Gemälde gewidmet.

Info Unser Autor Michael Hakenmüller leitet am heutigen Samstag ab 15.30 Uhr eine Führung durch die Sonderausstellung mit Werken von Maria Brück im Hohenzollerischen Landesmuseum.

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