Gastronomen und Einzelhändler (nicht nur) in Burladingen sorgen sich um ihre Existenz. Sie hoffen auf das Ende des Lockdowns. Unter ihnen auch der größte von allen auf der Alb: Wolfgang Grupp. Der Trigema-Chef ist nicht nur Textil-Fabrikant. Er betreibt bundesweit über 40 Testgeschäfte, in denen die von ihm hergestellten Textilien verkauft werden.
In einem Gespräch mit dem Focus-Online-Magazin sagte der Firmeninhaber und alleinige Geschäftsführer, die Lockerung des Lockdowns sei ihm noch wichtiger als die Corona-Impfung.

Entscheidender als die Impfung ist der 8. März

Auf die Frage, ob er sich impfen lasse, antwortete der 79-Jährige: „Selbstverständlich lasse ich mich impfen, aber ich kümmere mich nicht darum, ich bin ja auch noch nicht an der Reihe. Für mich ist jetzt erst einmal der 8. März entscheidend, dass wir unsere Testgeschäfte wieder aufmachen können. Ich würde lieber ein halbes Jahr später geimpft werden, wenn ich dafür schon eine Woche früher aufmachen könnte.“

Lob für die Corona-Politik der Bundesregierung

Die Corona-Politik der Bundesregierung beurteilte Grupp im Focus-Interview als „im europäischen Vergleich gar nicht so schlecht. Ich mag nicht, wenn man im Nachhinein Kritik übt und sagt, dass man im Juni mehr Impfstoff hätte kaufen sollen“, meinte Grupp laut Focus.
Er wolle nicht anstelle der Politiker sein und solche Entscheidungen treffen müssen. „Ich habe in meiner Firma eine andere Situation, hier kann ich die Entscheidungen alleine treffen, stehe dann aber persönlich dafür gerade.“

Unternehmer sollten die Verantwortung haben

Seiner Meinung nach hätte man „viel früher die Verantwortung in die Hände der Unternehmer und in die der Einzelhändler legen müssen. Die Einzelhändler hätten mit strikten Vorgaben viel früher aufmachen können. Wenn sie diese nicht einhalten, wird sofort das Geschäft geschlossen. Der Unternehmer hat also selbst die Verantwortung über seine Öffnung.“

Verstöße im privaten Bereich schärfer sanktionieren

Eine Lanze bricht der Firmenchef auch für die Gastrobetriebe. Sie hätten gute Konzepte vorgelegt, sich gut vorbereitet. „Dann werden sie pauschal geschlossen. Ich hätte die geschlossen, die sich nicht daran gehalten hätten. Wenn wir von Hotspots sprechen, dann habe ich nicht gelesen, dass es bei den Restaurants oder im Einzelhandel vorkam, sondern immer nur im privaten Bereich. Die Verstöße im privaten Bereich müssten schärfer sanktioniert werden“, forderte Grupp gegenüber dem Online-Magazin.

Starke Verluste von rund einer Million pro Woche

Er selber verliere jede Woche in seinen Testgeschäften rund eine Million Euro Umsatz. „Wir haben einen sehr starken Online-Shop, der rund 100 000 Euro Umsatz am Tag macht, aber er fängt das nicht auf. Ich werde das finanziell verkraften. Aber es darf nicht sein, dass diejenigen, die schon vorher gravierende Fehler machten, ungeprüft unterstützt werden.“
Wie lange sich der Lockdown noch durchhalten lasse? Grupp antwortete, man müsse den Menschen „klar machen, dass sie ihr Immunsystem stärken müssen, dass sie an die frische Luft gehen, sich bewegen.“ Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass man nicht in ein Einzelhandelsgeschäft gehen darf, aber dafür drei Mal am Tag zum Discounter.“

Entscheidung für Winfried Kretschmann steht

Die letzte Focus-Frage galt der Landtagswahl. Wie zu erwarten bleibt der Unternehmer bei seiner Entscheidung: „Ich wähle Herrn Kretschmann. Ich habe 2011 die CDU gewählt, damals sagte ich öffentlich, dass es eine Schande ist, dass wir als erstes Bundesland eine rot-grüne Regierung in Baden-Württemberg haben. Dann hat Herr Kretschmann aber seine Aufgabe sehr gut gemacht. So habe ich mich entschieden, ihm auch vor fünf Jahren meine Stimme zu geben. Er gilt als einer der beliebtesten Ministerpräsidenten Deutschlands und es wäre falsch, wenn ich ihn nicht wählen würde.“ Solange nicht der Kurs von Friedrich Merz eingeschlagen werde, wähle er die CDU auf Bundesebene nicht, schloss Grupp das Interview.

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