Hechingen Telefonstörung an der Zollernstraße hält an

Hechingen / Von Melanie Steitz 11.01.2019
Nach 17 Tagen herrscht immer noch Funkstille am Stadtrand Richtung Wessingen. Das Festnetztelefon funktioniert nicht.

Nach 17 Tagen herrscht immer noch Funkstille auf dem Areal zwischen Hechingen und Bisingen. Das Festnetztelefon funktioniert nicht mehr. Und das anscheinend schon seit Weihnachten, wie Franz Schattenkirchner, Inhaber der gleichnamigen Tiefbaufirma, berichtet.

Eine Firma beschädigte angeblich das dortige Kabel beim Versuch, in diesem Abschnitt von 320 Metern erstmals Leitplanken anzubringen. Die Telekom beauftragte Schattenkirchners Betrieb, der auf solche Fälle in der Region spezialisiert ist, und ließ den Defekt am Hauptkabel entlang der Zollernstraße, einer Parallellachse zur Bundesstraße 27, beheben. Es zeigte sich aber, dass es kein leichtes Unterfangen ist. Die Arbeiten werden daher voraussichtlich erst in der kommenden Woche fertiggestellt. Die Gründe sind vielfältig.

Die Einwohner, größtenteils Senioren, kommen seither ohne  den Telefonanschluss aus. Nicht einmal den Notruf können sie vom eigenen Zuhause aus absetzen, berichtet Franz Schattenkirchner. Laut Andreas Leigers vom Presseteam der Telekom sei der Schaden am Hauptkabel erst am 2. Januar entstanden. „In der Folge ist Wasser in das Kabel eingedrungen“, so Leigers. Der Umfang des Schadens wurde demnach am 4. Januar festgestellt. Danach wurden die erforderlichen Genehmigungen eingeholt und die Tiefbauarbeiten bestellt, so Leigers.

Die Arbeiten gerieten aber gleich zu Anfang ins Stocken, erzählt Schattenkirchner. Zunächst verteilte nämlich Stephan Reuss, Sachgebietsleiter des Ordnungsamts der Stadt Hechingen, Bußgeldbescheide, weil die Geräte der Baufirma auf der Straße standen. Dies traf sowohl ihn, den Inhaber, als auch den Baggerfahrer, berichtet der beauftragte Firmenunternehmer.

„Dass es so eskalierte, hätte man auch nicht erwartet“, kommentiert Schattenkirchner. Er beklagt vor allem, dass das Ordnungsamt der Stadt, ohne die Dringlichkeit des Vorhabens an der Zollernstraße zu beachten, die Bauarbeiten zunächst behinderte.

Thomas Jauch, Pressesprecher der Stadt Hechingen, betont indes, dass die „mangelhafte Absicherung der Baustelle“ die Stadt Hechingen auf den Plan gerufen habe. Die Firma stellte zwar den Antrag auf eine verkehrsrechtliche Genehmigung, die die Stadt Hechingen dann auch zügig ausgefüllt habe, aber die Firma begann schon vorher mit den Arbeiten. Die Baustelle habe durch die schlechte Absicherung zudem „eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer“ dargestellt. Daher sei Bußgeld verhängt worden, verteidigt Jauch das Vorgehen der eigenen Behörde.

Dass die Telefonleitung überhaupt erst kaputt ging, ist Schattenkirchner zufolge nicht die Schuld der Telekom, sondern die der Auftragnehmer des Landratsamts (LRA) Zollernalbkreises. „Sie hat keine Kabelpläne eingeholt“, sagt Schattenkirchner. So habe die Firma beim Errichten der Leitplanken die Leitungen an der Zollernstraße zerstört.

„Es ist richtig, dass in dem betroffenen Bereich Arbeiten von einer vom Landratsamt Zollern
-albkreis beauftragten Drittfirma ausgeführt worden sind“, bestätigt Marisa Hahn, Sprecherin des Landratsamts, was die demolierten Leitplanken anbelangt. Inwiefern es hierbei zu einer Beschädigung der Telefonleitung kam, klärt das Landratsamt derzeit noch mit der Firma ab (wir werden berichten).

Mehr als 100 Haushalte sind Schattenkirchner zufolge von der Telefonstörung derzeit betroffen. Leigers von der Telekom spricht von 40 Anschlüssen vor allem in den Straßen Linden und Auf den Riesen in Wessingen. „Bei ihnen waren Telefon, Internet-Zugang und TV-Empfang gestört. Ersatzschaltungen waren leider nicht möglich“, teilt Leigers mit.

Allein an das Kupferkabel könnten theoretisch insgesamt 500 Nutzer angeschlossen werden. Ein neues Exemplar dieser Art musste nun sogar in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag per Express aus Norddeutschland angeliefert werden, teilt Schattenkirchner mit.

Sogar mit einem Bagger und Lastwagen war der Albstädter Tiefbauexperte am Donnerstag in Hechingen beim Parkplatz des Hofguts Domäne vor Ort. Bis zum Einbruch der Dunkelheit arbeiteten er und seine vier Mitarbeiter daran, das neue Kabel einzubauen. Und das klappte auch. „Beim größten Schneetreiben waren die an der Montage dran“, sagt Schattenkirchner über die Beteiligten. Auch die vier Monteure und zwei Meister der Telekom halfen mit. Am gestrigen Freitagvormittag „spleißten“ sie das 500-paarige Kupferkabel ein, das heißt sie koppelten die Enden der neuen Leitung per Hand an die bereits bestehenden Kabel an.

Doch die Zitterpartie geht weiter. Zwar teilt die Telekom mit: „Seither sollten alle Anschlüsse wieder einwandfrei arbeiten“, doch der Probebetrieb des Kabels missglückte, und so müssen am kommenden Montag noch Messarbeiten getätigt werden, um die Störung zu beheben. Erst danach kann – wenn alles klappt – Schattenkirchners Betrieb die Gruben wieder verfüllen. Ob dies im Laufe der kommenden Woche geschieht, ist noch in der Schwebe. Die Anwohner werden indes immer ungeduldiger, erzählt der Tiefbauunternehmer Schattenkirchner.

Kosten des Einsatzes

Wer den Schaden nun zahlt, dazu möchte die Telekom keine Angaben machen. Auch zu den infolge aufgetretenen Kosten erteilt das Unternehmen grundsätzlich keine Auskünfte.

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