Was vor fast drei Jahrzehnten mit der Zeitungsannonce "Synagoge zu verkaufen" begann, hat sich zur Erfolgsgeschichte entwickelt: Als Gedenkstätte und Kulturzentrum genießt die Alte Synagoge in Hechingen einen exzellenten Ruf. Zu verdanken ist das den vielen Ehrenamtlichen, die sich in zwei Vereinen für die Renovation des Gebäudes und seine Belebung verdient gemacht haben.

Um für die zukünftigen Herausforderungen gerüstet zu sein, gibt es in der Vorstands- und Vereinsstruktur nun einige einschneidende Veränderungen: Aus der "Initiative Hechinger Synagoge", die sich als Inhaber vor allem um die Sanierung kümmerte, sowie dem "Verein Alte Synagoge", der für das Veranstaltungsprogramm verantwortlich zeichnete, ist nun ein Trägerverein geworden. Unter dem Namen "Initiative Alte Synagoge Hechingen" wurden die Kräfte gebündelt.

Eine Doppelspitze aus Dr. Norbert Kirchmann und Lothar Vees steht der rund 100 Mitglieder zählenden Vereinigung vor. Beide engagieren sich seit langem für die Synagoge und kennen sich in der Vereinsarbeit bestens aus. Als Kassier wurde Wilfried Schenkel gewonnen. Elke Dannenhaus, Dieter Ilg, Professor Paul Münch und Christiane Wünnenberg gehören dem neuen Programmbeirat an.

Eine der ersten Aufgaben des neu zusammengesetzten Gremiums war die Ausarbeitung des Veranstaltungsprogramms für das erste Halbjahr 2015. Einmal mehr ist es den Verantwortlichen gelungen, ein hochkarätiges Programm aus Kunst und Kultur zusammenzustellen.

Schon am nächsten Dienstag, 27. Januar, wird die erste Veranstaltung mit Literatur und Musik über die Bühne gehen. Rudolph Guckelsberger, seit vielen Jahren gern gesehener Gast in der Synagoge, liest aus Franz Werfels "Die vierzig Tage des Musa Dagh", einem Werk, das sich mit dem Völkermord an den Armeniern auseinandersetzt. Als Solist am Klavier tritt Alexander Reitenbach auf. Um die Thematik der Lesung wissenschaftlich näher beleuchten zu können, schließt sich am 26. Februar ein Vortragsabend mit dem Schweizer Historiker Hans-Lukas Kieser an. Er wird sich mit dem in Fachkreisen kontrovers diskutierten Völkermord an den osmanischen Armeniern in den Jahren 1915/16 beschäftigen.

Einem ebenfalls hochpolitischen und sehr aktuellen Thema widmet sich der jüdische Psychologieprofessor Rolf Verleger: "Sympathisieren Deutsche mit Palästina aus Abneigung gegen Juden?" lautet die Überschrift seines Vortrags, der am 24. März zu hören sein wird.

Theaterfreunde kommen am 27. und 28. März auf ihre Kosten. Dann gastiert das "Theater Magica" aus Erfurt mit dem Stummtheaterstück "Golem" und Live-Musik in der Synagoge. In Zusammenarbeit mit dem Hohenzollerischen Geschichtsverein veranstaltet die Initiative Alte Synagoge am 17. April eine Lesung mit Autor Walther Paape, der sein Buch "Die Rassereligion des Lanz von Liebenfels, sein Neutemplerorden und dessen Spuren in Hohenzollern" vorstellen wird.

"Not dark yet - eine Bob-Dylan-Konzertlesung" findet am 25. April in Kooperation mit dem Hechinger Kunstverein in der Alten Synagoge statt. Literatur und Musik gibt ebenfalls auch am 19. Mai, wenn mit dem kannten Wiener Schauspieler Ernst Konarek (Rezitation) und Ernst Kies (Akkordeon) "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" zu erleben sein werden.

Eine ganz außergewöhnliche Ausstellung, die am 9. Juni mit einer Buchvorstellung von Dr. Dorothee Hoppe in der Alten Synagoge eröffnet wird, setzt sich unter dem Titel "Ich baue oft ein Luftschloss mir" mit Leben und Werk des Künstlers John Elsas auseinander.

Exkursionen stehen beim neu aufgestellten Synagogenverein ebenfalls wieder auf dem Programm. So wird am 7. März das ehemalige jüdische Leben in Horb und Nordstetten erkundet, wozu alle Interessierten eingeladen sind. Auch der Tora-Lernkreis mit Dr. Michael Volkmann, der regelmäßig montags von 18.30 bis 20 Uhr in der Alten Synagoge stattfindet, steht allen Interessierten offen.

Info Die Alte Synagoge ist von April bis November am ersten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet.