Stetten Stummfilmabend im Klosterkeller begeistert

Stetten / Franz Buckenmaier 03.07.2018
Ein kulturelles Glanzlicht war der Stummfilmabend der Initiative „Hechinger Esprit“ und des Fördervereins Klosterkirche St. Johannes.

Der Stummfilmabend in der einmaligen Atmosphäre des Klosterkellers in Stetten, veranstaltet von der Initiative „Hechinger Esprit“ und dem Förderverein Klosterkirche St. Johannes, war erneut ein Höhepunkt des kulturellen Lebens in Stetten. Die Filmabende ziehen immer mehr Besucher an. Schon eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung trafen sich an diesem herrlichen Sommerabend zahlreiche Gäste im barocken Klostergarten zu einem Umtrunk mit süffigem Frankenwein.

Kurz danach war der Gewölbekeller voll besetzt, als der Vorsitzende des Fördervereins, Hannes Reis, sowie Jürgen Detel für den „Hechinger Esprit“ den Stummfilmabend eröffneten. Auf dem Programm stand der US-amerikanische Stummfilm „Safety Last“ aus dem Jahre 1923. Der deutsche Titel dieses Klassikers mit Harold Lloyd in der Hauptrolle lautete: „Ausgerechnet Wolkenkratzer“.

Hans-Jörg Lund begleitete den Film auf dem E-Piano. Er gab auch eine kurze, sehr hilfreiche  Inhaltsangabe, da der Film nur mit englischen und französischen Zwischentiteln zu bekommen war.

Harold Lloyd zählte neben Charlie Chaplin und Buster Keaton zu den größten Komikern der Stummfilmzeit. Mit Strohhut und Hornbrille ausgestattet, verkörperte er den Typ des sympathischen netten jungen Mannes von nebenan. Dieser biedere Jüngling konnte sich aber auch in eine Sportskanone verwandeln und Hochhausfassaden erklettern.

In dem Film „Safety Last“  spielte Harold Lloyd einen Jungen vom Lande, der in der großen Stadt sein Glück versuchen und machen will, weil der das Mädchen Mildred zuhause durch Macht und Reichtum zu beeindrucken versucht. Obwohl das Leben als kleiner Verkäufer in einem Warenhaus mühsam ist und das Fortkommen langsam, präsentiert sich der Junge in Briefen nach Hause als Senkrechtstarter. Das Lügengebäude gerät ins Wanken, als Mildred zu Besuch in die Stadt kommt.

Aus Angst vor einer Entlarvung wächst Harold über sich hinaus. Er hat die Idee zu einem zündenden PR-Event: Er will auf das Dach des zwölfstöckigen Warenhauses klettern. Dabei erwarten ihn gefährliche Hindernisse wie hungrige Tauben, ein herabfallendes Tennisnetz und ein bissiger Hund. In schwindelnder Höhe hängt er sogar an einem Uhrzeiger und baumelt in Schwindel erregender Höhe über den Straßenschluchten. Es ist genau dieses Bild, das Kinogeschichte geschrieben hat.

Als der Held endlich auf dem Dach ankommt, folgt das Happy End: Seine geliebte Mildred erwartet ihn im Hochzeitskleid und führt ihn vor den Altar.

Der Film „Safety Last“, die waghalsigen Stunts, die er alle selbst und ohne Double vollführt hat, haben Harold Lloyd unsterblich gemacht. Er schuf mit diesem atemberaubenden Film ein Meisterwerk. Die perfekte Beherrschung der filmischen Mittel, des Timings und des visuellen Einfallsreichtums des Teams um Harold Lloyd machen den Film einmalig.

Noch heute, bei der Vorführung im Stettener Klosterkeller, löste „Safety Last“ im Publikum wahre Lachsalven aus. Langanhaltender Beifall der Besucher belohnten die Veranstalter und Hans-Jörg Lund für ihre Mühen.

Viele Besucher nutzten anschließend die Gelegenheit zu einem Drink im Klostergarten und genossen den warmen Sommerabend. So kann man nur hoffen, dass auch im kommenden Jahr wieder ein Stummfilmabend in Stetten stattfindet und das kulturelle Leben bereichert.

200

Filme mit dem Schauspieler, Komiker und Produzenten Harold Lloyd wurden zwischen 1913 und 1947 gedreht. Seinen künstlerischen Höhepunkt erreichte Lloyd in den 20er-Jahren.

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