Stetten Stetten und seine französischen Bande

1962: Das Musikkorps des 4. Marokkanischen Schützenregiments in Donaueschingen bei seinem musikalischen Zug durch Stetten. Foto: Buckenmaier
1962: Das Musikkorps des 4. Marokkanischen Schützenregiments in Donaueschingen bei seinem musikalischen Zug durch Stetten. Foto: Buckenmaier
Stetten / FRANZ BUCKENMAIER 28.08.2012
In diesem Jahr bestehen die deutsch-französischen Beziehungen in Stetten 50 Jahre. Lange vor Hechingen, 1962, begann die kleine Gemeinde Kontakte zu den Nachbarn westlich des Rheins zu knüpfen.

Durch Zufall kam der damalige Vorsitzende des TSV Stetten, Franz Buckenmaier, in das französische Vogesenstädtchen Sainte-Marie-aux-Mines. Dabei kam ihm die Idee, den dortigen Fußballverein zu einem Besuch nach Stetten einzuladen. Die Einladung wurde angenommen! Die Franzosen kamen im Frühjahr 62 mit zwei Teams zu Freundschaftsspielen nach Stetten, wo sie in Privatquartieren untergebracht wurden. Im Herbst des gleichen Jahres erfolgte der Gegenbesuch - mit zirka 70 Personen beziehungsweise drei Mannschaften. Bürgermeister und Stadtverwaltung luden die deutschen Gäste zu einem Empfang ins Rathaus ein, nachdem zahlreiche Sportfunktionäre und Sportler sie bereits an der Grenze in Breisach in Empfang genommen hatten.

In den folgenden Jahren kam es mit Sainte-Marie-aux-Mines nochmals zu gegenseitigen Besuchen. Zugleich beging der TSV Stetten sein 50-jähriges Jubiläum. Als Attraktion hatte der Verein das Musikkorps des 24. französischen Jägerregiments aus Tübingen eingeladen. Dieses musste sein Kommen allerdings kurzfristig absagen, weil es einem militärischen Befehl zufolge nach Berlin beordert wurde. Der TSV Stetten wurde an das Militärmusikkorps in Straßburg verwiesen.

Franz Buckenmaier und sein Vize Erich Müller fuhren also gen Straßburg. Dort erfuhren sie vom musikalischen Leiter des Musikkorps, dass nur vertraglich festgelegte französische Militäreinheiten die deutsche Grenze überschreiten dürfen. Dazu gehörte die Militärkapelle der Garnison in Straßburg nicht, weshalb man die beiden Stettener an Colonel Kleinmann, Verbindungsoffizier beim französischen Oberkommando für Deutschland in Baden-Baden, verwies. Dort mussten Buckenmaier und Müller erfahren, dass der Colonel auf Heimaturlaub in Frankreich weilte.

Jedoch: Das Musikkorps des 4. Marokkanischen Schützenregiments in Donaueschingen hatte bereits den Befehl erhalten, das Fest in Stetten zu bereichern. So geschah es. Vor dem eigentlichen Konzert zog das 55-köpfige Musikkorps mit klingendem Spiel durch den Ort zum Sportgelände, um den Abend im Festzelt musikalisch zu gestalten.

Ermutigt durch diese völkerverbindenden Unternehmungen wurde 1964 der Fußballclub Stade Réunis St. Dié zu einem Freundschaftsspiel nach Stetten eingeladen. Für das Jahr 1965 wurde eine Gegeneinladung ausgesprochen und so fuhren im Sommer 60 Stettener nach St. Dié. Was sie nicht wussten: St. Dié war im Krieg eine Resistancehochburg. Aus diesem Grund folgte der Stettener Vorsitzende der Empfehlung, das mitgebrachte Blumengebinde umgehend am im Stadion stehenden Denkmal für die im Krieg gefallenen Sportler niederzulegen und der Toten in einer Schweigeminute zu gedenken. Eine Geste, die mit tosendem Beifall quittiert wurde.

Immer wieder kam es in den folgenden Jahren zu sportlichen Begegnungen mit einer Mannschaft des Militärmusikkorps des französischen 24. Jägerregiments in Tübingen. Später kam auch mehrfach das Musikkorps des Regiments zur musikalischen Mitgestaltung von Festen nach Stetten.

Als auf der Burg Hohenzollern einmal ein Panzer auf den Namen Hechingen getauft wurde und die jungen Wehrpflichtigen der Ausbildungskompanie die Ehrenschnur des Regiments erhielten, waren die jungen Franzosen am Abend in Stetten in Privathaushalten zum Essen eingeladen. Am Ende ihrer Grundausbildung mussten die Soldaten jeweils einen Dreitagemarsch absolvieren. Dieser endete wiederholte Male in Stetten in der Turn- und Festhalle. Wie froh waren diese jungen Franzosen, als sie dort von der Ortschaftsverwaltung zu einem Bier und Brezeln eingeladen waren. Bewirtet wurden sie damals übrigens von der Gynnastikgruppe Beigl.

Auch zur Garnison des 2. Kürassierregiments in Reutlingen und zur französischen Garnison in Horb baute der TSV Stetten sportliche Besiehungen auf. Der örtliche Musikverein umrahmte einstmals gar ein Fest der Garnison in Reutlingen. So brachen die freundschaftlichen Beziehungen nie ab - bis zur Auflösung der französischen Garnison. Eine weitere völkerverständigende Begebenheit konnte Stetten 1967 verbuchen - nachdem nach 1945, als französische Truppen in Stetten einquartiert waren (auch in der Schule), sämtliche Vereinsfahnen von Stetten fehlten, bis auf die des Turnvereins. Ein Möbelspediteur aus Nancy stieß 1967 auf dem Speicher einer Offizierswitwe auf die Militärvereinsfahne von Stetten aus dem Jahr 1880. Er behielt sie und machte über das französische Konsulat die Gemeinde Stetten bei Hechingen ausfindig. Er brachte die Fahne den rechtmäßigen Eigentümern nach Stetten zurück, wo sie von Gemeinderat und alten Militärvereinsmitgliedern dankbar in Empfang genommen wurde.

Zweimal besuchte der Musikverein Stetten bei Jahresausflügen das französische Nachbarland. Einmal bezog er Quartier in der Vogesenvereinshütte von Sainte-Marie-aux-Mines und einmal im Naturfreundehaus Schnepfenried in der Nähe der Vogesenhochstraße. Als Stetten 1971 nach Hechingen eingemeindet wurde, zeichnete sich bald die Partnerschaft zwischen Hechingen und Joué-lès-Tours ab. So wurden die Stettener wieder aktiv.

Der damalige Ortsvorsteher und Gemeinderat Franz Buckenmaier reiste noch vor Abschluss der Partnerschaft mit einer Delegation nach Joué und wurde mit weiteren Delegationsmitgliedern in die Confrèrie des Entonneurs Rabelaisiens de Chinon aufgenommen. Später besuchten Jäger aus Joué-lès-Tours, an der Spitze Bürgermeister Lory, den in der Stettener Turn- und Festhalle stattfindenden Hubertusball. Dreimal weilte die Musikkapelle Stetten zu Festlichkeiten in der französischen Partnerstadt.

Unvergessen bleibt auch der Besuch der Stadtkapelle Jouè in Stetten anlässlich eines Gemeinschaftskonzerts mit dem Musikverein Stetten und der Stadtkapelle Hechingen in der Turn- und Festhalle. Gastgeber waren damals die Mitglieder der Stadtkapelle Hechingen sowie der Musikvereine Stetten, Boll, Schlatt und Sickingen.

Auch einige Bürger aus Stetten haben die Partnerstadt in der Tourraine besucht. Umgekehrt haben im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Persönlichkeiten aus Joué den Ortsteil Stetten besucht, dabei reichlich freundschaftliche Kontakte geknüpft und immer wieder vertieft.

1982 stieß man unerwartet auf eine französische Gemeinde mit dem Namen Stetten in der Nähe von Sierentz im Sundgau, im Departement Oberelsass. Ohne Zögern besuchten Ortsvorsteher Franz Buckenmaier, sein Stellvertreter Franz Bausinger und Paul Buckenmaier im Herbst den kleinen Ort zwischen Mühlhausen und Basel. Dort wurden sie von Bürgermeister Josef Zellero in Empfang genommen. Die französischen Stettener versicherten, dass sie an einer Freundschaft mit dem deutschen Stetten interessiert seien - schon ein Jahr später fand der erste Besuch statt. Die Franzosen waren unter anderem Gäste des Frühjahrskonzerts des Stettener Musikvereins und entschieden prompt, dass dieses Orchester anlässlich der Einweihung ihrer Mehrzweckhalle aufspielen soll. So kam es, dass das Blasorchester des Musikvereins Stetten und der Ortschaftsrat im Sommer 1985 nach Stetten/Sundgau fuhren, um an den Einweihungsfeierlichkeiten teilzunehmen. Bei diesem Fest wurde Bürgermeister Josef Zeller und Ortsvorsteher Franz Buckenmaier von Präsident Henri Götschi die Medaille des Conseil Général des Departements Oberelsass verliehen.

Sportler aus Stetten/Sundgau besuchten in der Folge Fußballturniere in Stetten/Hechingen. Die Franzosen besuchten auch die Stettener Volkswandertage - und umgekehrt. Unter dem 1989 neu gewählten Bürgermeister Robert Hoffmann wurde die Freundschaft zwischen beiden Orten weitergeführt - mit Besuchen und Gegenbesuchen.

Der 2001 gewählte Bürgermeister Pascal Turri, der Stetten/Hechingen bereits aus seiner Zeit als Gemeinderat kannte, hielt gleichfalls an der Freundschaft mit Stetten/Hechingen fest. Zur Einweihung des Schulsportfeldes weilte der Stettener Ortschaftsrat, inzwischen mit Ortsvorsteher Robert Buckenmaier an der Spitze, wieder zwei Tage in Stetten/ Sundgau. 2010 war der Ortschaftsrat erneut zu Gast im französischen Stetten - anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Mehrzweckhalle.

In diesem Rahmen wurde zwischen den beiden Stetten ein Freundschaftsvertrag geschlossen. Er soll die partnerschaftlichen Bande zwischen beiden Orten weiter festigen.

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