Um den Dreikönigstag herum sind wieder in ganz Hechingen die Sternsinger unterwegs – in der Kernstadt am 4. und 5. Januar, in den Stadtteilen zwischen dem 4. und 6. Januar. Im Interview erzählen Hannah Dyma und Julian Wirth von den Sternsingern aus der Kernstadt Hechingen, was Sternsingen für sie bedeutet und was das Besondere daran ist.

Was ist das eigentlich, die jährliche Sternsingeraktion?

Hannah Dyma Das ist eine Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. Wir setzen uns weltweit für Kinder in Not ein. Dieses Jahr zusammen mit 50 000 anderen Kindern in Baden-Württemberg und 300 000 Kindern bundesweit.

Um was geht es dieses Jahr?

Hannah Das Thema in diesem Jahr ist „Frieden im Libanon und weltweit.“ Mit den Spenden der Sternsinger werden zwei Projekte für Kinder im Libanon unterstützt: Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst hat drei Zentren für Flüchtlingskinder aus Syrien errichtet, wo die Kinder warme Kleider für den Winter und jeden Tag etwas zu essen bekommen.

Julian Wirth Das zweite Projekt ist die Aydan-Stiftung: Diese setzt sich im Libanon für Bildung und Dialog zwischen den Bevölkerungsgruppen und Religionen ein. Mit den Spenden der Sternsinger wird ein Programm finanziert, in dem Drittklässler lernen, Unterschiede im Glauben und in den Traditionen zu akzeptieren und mit den Menschen der anderen Religionen und Kulturen wertschätzen und solidarisch umzugehen.

Wie lange seid ihr bei der Sternsingeraktion schon dabei?

Hannah Ich mache zum zehnten  Mal mit.

Julian Ich bin dieses Jahr zum elften Mal dabei.

Warum opfert ihr eure Ferien für diese Aktion?

Julian Erstens macht es total viel Spaß, mit verschiedenen Leuten durch die Stadt zu gehen, andere Leute glücklich zu machen – wenn man an den Haustüren in glückliche Gesichter schaut. Und dann bekommt man auch viele Süßigkeiten.

Hannah Das ist wie Halloween, nur cooler: Man verkleidet sich, hat Spaß und bekommt Süßigkeiten – kann dabei aber auch noch gutes Tun und anderen helfen. Der Spaß kommt auf jeden Fall nicht zu kurz, manchmal gibt es auch ne kleine Schneeballschlacht zwischendurch.

Was ist das schönste Erlebnis das ihr als Sternsinger hattet?

Julian Wenn uns Leute auf der Straße entgegenkommen, die auf uns zukommen, und sagen: Schön, dass ihr Sternsinger wieder unterwegs seid! Und die leuchtenden Kinderaugen, wenn man in ein Haus kommt, wo die Kinder an der Haustüre warten und sich total freuen.

Hannah Es ist richtig schön, wenn man sieht, wie man andere Menschen glücklich macht –  wenn man das Strahlen nicht nur in den Kinderaugen sieht; man sieht, dass man manchmal gar nichts besonders Großes machen muss, um andere Menschen glücklich zu machen.

Wurden euch auch schon mal die Türe nicht aufgemacht, oder wurdet ihr rausgeschmissen?

Hannah Früher kam das schon öfter mal vor. Jetzt, wo wir nur noch die Leute besuchen, die sich anmelden, kommt es nicht mehr so oft vor. Aber es ist natürlich auch ein bisschen reizvoll, wenn man Leute überrascht.

Julian Unserer Gruppe hat man vor ein paar Jahren tatsächlich mal die Tür vor der Nase zugeknallt. Da wurden wir tatsächlich angeblafft, dass die Leute nicht wollen, dass ihre Kinder das mitkriegen.

Was war das Witzigste, was ihr beim Sternsingen erlebt habt?

Hannah Es gibt jedes Jahr wieder witzige Sachen – wenn einem zum Beispiel die besondere Fensterdeko gezeigt wird, oder ähnliche private Einblicke. Oder auch wenn Menschen nicht wissen, was wir eigentlich machen. Einmal haben wir auch einen Sack voller Kleingeld bekommen, weil jemand nichts gerichtet hatte.

Julian Meine Gruppe hat mal mit dem Weihrauch einen Rauchmelder ausgelöst. Mitten im Spruch ging plötzlich der Rauchmelder los, weil die Schlafzimmertür nicht ganz zu war. Da mussten wir echt loslachen.

Warum glaubt ihr machen gerade in Hechingen immer weniger Kinder bei den Sternsingern mit?

Hannah Ich glaube, das Interesse an der Kirche geht generell verloren, und daher unterstützen die Eltern das nicht mehr so. Dabei wissen viele einfach nicht, wie viel Spaß das macht und dass es ein gutes Gefühl ist, die Welt so ein Stück besser zu machen.

Julian Ich glaube, es ist schon eine Hemmschwelle da, wenn man niemanden kennt, und weil es eine kirchliche Sache ist. Die Kinder sehen von außen vielleicht schon, dass es Spaß macht, wissen aber nicht so genau, ob sie das auch dürfen.

Was wünscht ihr euch für Januar, wenn ihr wieder durch die Straßen zieht?

Julian Schnee, und keinen Regen. Und vor allem, dass man viele netten Leuten begegnet, ins Gespräch kommt – auf viele offene Türen trifft und viel Geld für die Kinder im Libanon sammeln kann.

Hannah Dass wir wieder so viel Spaß haben wie in den letzten Jahren und dass sich viele Leute auch engagieren und die Aktion unterstützen.

Gibt es sonst noch etwas zu sagen?

Hannah Vielleicht, dass sich mehr Leute überlegen, ob sie nicht mitmachen oder die Aktion mit Spenden unterstützen wollen – oder auch schauen, was sie in ihrem Alltag tun könnten, um die Welt ein Stück besser zu machen.

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Termine frei Hat das Interview neues Interesse geweckt? Nur zu! Wer noch nicht hat, der kann nämlich sehr wohl noch: Die Sternsinger in der Kernstadt haben am 4. und 5. Januar noch Termine frei. Wer besucht werden will, kann sich anmelden mithilfe der Zettel, die in der St.-Jakobus-Kirche ausliegen. Sie müssen bis spätestens Donnerstag, 2. Januar, im Pfarrbüro eingeworfen werden.