Wer Stefan Löffler nicht wirklich gut kennt, käme niemals auf die Idee, dass dieser gestandene Mann, der seine Meinung auch mal laut polternd vertritt und dabei gerne wild gestikulierend seine großen, schaffigen Hände zum Einsatz bringt, Schöpfer höchst filigraner Kunstwerke ist. Irre! Ehrlich!

Klargestellt sei jedoch: Das war nicht immer so. Der 54-jährige Hechinger ist Zimmerermeister und staatlich geprüfter Restaurator im Holzbau. Von seinem Vater Josef (†), ebenfalls Zimmerermeister, hat er in jungen Jahren die Werkstatt Im Prinzling übernommen. In den vielen Jahren als Zimmermann hat Stefan Löffler unzählige Dachstühle aufgerichtet, Treppen gebaut… und als Restaurator für die Arbeiten beispielsweise an der Stiftskirche Hechingen, am Hofgut Domäne oder am „Blendinger-Haus“ (ein Bauernhaus mit über 330-jähriger Geschichte) in Jungingen verantwortlich gezeichnet.

Gesundheitliche Gründe zwangen Löffler vor vier Jahren, „nicht mehr aufs Dach“ zu gehen. Beratend allerdings ist er bis heute tätig. Und auch das Restaurieren (beispielsweise auch von Möbeln) hat der 54-Jährige nicht aufgegeben – im angemeldeten Gewerbebetrieb.

Das Restaurieren ist schon an sich eine künstlerische Tätigkeit, doch der Hechinger wollte mehr: „Ich habe mich schon vor 25 Jahren daran versucht, verschiedene Hölzer zu verleimen – ohne dabei einen chemischen Leim zu verwenden. Ich wollte nur ganz normalen Weiß-Leim zum Einsatz bringen.“ Geglückt ist ihm das damals nicht.

Erst als er die Restauratorenschule besuchte, habe er die Begrifflichkeiten Affinität (Anhangskraft) und Hydraulik verinnerlicht – und in der Praxis umzusetzen begonnen. Heute könne er den Leim so aufarbeiten, dass sich Hartholz und Weichholz dauerhaft verleimen lassen.

Damit war der Weg frei für seine Entwicklung zum filigranen Künstler, wobei er für sein eigenes Schaffen noch immer keinen passenden Namen gefunden hat – „weil diese Art von Kunst so einzigartig ist“. Stimmt. Wer seine Werke das erste Mal sieht, ist zunächst sprachlos, dann begeistert.

Sei es mit Eiche, Buche, Fichte, Nussbaum, Kirsche, Ahorn, Lerche oder Linde – Stefan Löffler lässt daraus Bilder oder Skulpturen entstehen, die es so nirgends zu kaufen gibt. Nur bei ihm – wobei gesagt werden muss: „Bisher habe ich nur produziert, aber noch nichts verkauft.“ Das möchte er absehbar ändern, wobei er einräumt, schon sehr an seinen Kunstwerken zu hängen: „Sie sind halt auch ein Teil von mir.“

Das wird klar, wenn man weiß, woher die Ideen für seine Bilder und Skulpturen kommen: „Ich bringe sie von meinen Reisen mit.“ Und solche hat Stefan Löffler schon gaaaanz viele hinter sich. Auf jeden Kontinent der Welt hat ihn in den vergangenen Jahrzehnten sein Interesse vor allem an den Menschen geführt. Gleich viereinhalb Jahre am Stück unterwegs war er nach seiner Ausbildung.

Seine Wanderschaft führte ihn unter anderem in den Nahen Osten, nach Afrika und nach China. Seine jüngste Reise hatte Thailand, Kambodscha, Australien, Amerika und Hawaii zum Ziel. Unterwegs war er mit einem sehr guten Freund, der ihn bereits seit seiner Geburt kennt. Zu „neuen Taten“ inspiriert hätten ihn auf diesem Trip vor allem die Tempel in Thailand und die Kunst der Maui auf Hawaii.

Einen Schrein zu bauen mitgeholfen hat Stefan Löffler bereits: in Malaysia, nämlich seinem Freund Anv Gadera, seines Zeichens einer der bekanntesten Maler Asiens. Ist der 54-Jährige also doch längst Teil einer künstlerischen Community? Nein! Dennoch gibt es Wegbegleiter, die aus der Kunstszene kommen oder ihr zumindest im weitesten Sinne verbunden sind. Seine Schwester beispielsweise. Über sie hat der Hechinger Anv Gadera kennengelernt. Sie ist Textildesignerin und lebt in Kuala Lumpur. Und auch sein Bruder ist ein kreativer Mensch: In Berlin lebend, drückt er sich gerne in abstrakten Bildern aus. Über sich selbst sagt Stefan Löffler: „Die Kunst hat sich aus mir heraus entwickelt.“

Das glaubt man ihm aufs Wort, schließlich ist er seinem liebsten Werkstoff immer treu geblieben: dem Holz. Und dabei auch irgendwie dem Handwerk. Nicht von ungefähr sagt er, der sich selbst einen unruhigen Geist nennt, der möchte, „dass was voran geht“, dass es ihn immer auch gereizt hat, „jungen Menschen in armen Ländern zu vermitteln, was man mit seiner eigenen Hände Arbeit erschaffen kann“.

Löfflers Hände haben in den vergangenen Jahren Großartiges geschaffen. Und anders als seine Kunst als Ganzes, für die er keinen Namen zu finden vermag, haben seine Bilder und Skulpturen sehr wohl Namen. Sehr treffende. Chaos genannt hat er jenes Bild, das er auf der Grundlage seiner Eindrücke gefertigt hat, die er auf einer Müllhalde in Manila auf den Philippinen sammeln musste. Radioaktivität heißt ein anderes Bild, das nach einem Blick auf ein deutsches Kernkraftwerk entstanden ist. Noch im Werden ist die Waage der Gerechtigkeit. Seit eineinhalb Jahren arbeitet Löffler an ihr. Und hört dabei Heavy Metal – seine bevorzugte Musik, der er sich auch als leidenschaftlicher (und wirklich guter) E-Gitarrist widmet.

In einem an seine Werkstatt Im Prinzling anschließenden (neu geschaffenen) Ausstellungsraum stehen unter anderem zwei menschengroße Skulpturen, wobei er die männliche sich selbst nachempfunden hat – und die weibliche ihn persönlich an seine Traumfrau erinnert.

Wovon der Weltreisende, den es immer wieder zurück in seine Heimat Hechingen gezogen hat, außerdem träumt? „Ich würde gerne mal auf der documenta in Kassel ausstellen.“ Bis dato hat der 54-Jährige sich und sein Schaffen erst einmal öffentlich präsentiert: in der Villa Eugenia; außerdem stehen zurzeit ein paar wenige Leihgaben in der Bar Central. Im Mai soll eine Ausstellung in Hechingen dazu kommen. Dann möchte Stefan Löffler auch damit beginnen, seine Kunst zu verkaufen. Ebenso plant er, Auftragsarbeiten anzunehmen.

Man darf also gespannt sein, wohin Stefan Löfflers künstlerischer Weg noch führt.

Über die Kunst hinaus…


ist Stefan Löffler im Hechinger Gemeinderat engagiertes Mitglied der Freien Wähler (und kandidiert am 26. Mai erneut für einen Sitz am Ratstisch)

● eine Zoller-Hexe der ersten Stunde und ein Narr aus höchster Leidenschaft

● Mitglied der Feuerwehr, wobei er aus gesundheitlichen Gründen inzwischen der Altersabteilung angehört

● und allem voran „stehe ich“, sagt der 54-Jährige, „für die Vereinigung der einheimischen, ehrbaren, rechtschaffenen, fremden Zimmerer- und Schieferdeckergesellen“.

Vielleicht klappt es ja schon 2022!


Auf der documenta in Kassel würde Stefan Löffler gerne mal ausstellen. Das ist sein Traum. Die nächste Ausstellung documenta 15 findet vom 18. Juni bis zum 25. September 2022 statt.